Warum Mundhöhlenkarzinome häufig spät diagnostiziert werden
Das Mundhöhlenkarzinom ist der dritthäufigste Tumor im Kopf-Hals Bereich.
Trotz Fortschritte in der Behandlung hat sich die Mortalität in den letzten 40 Jahren kaum geändert. Dies liegt insbesondere an der verzögerten Diagnosestellung, die mit fortgeschritteneren Tumoren einhergeht.
Die Ursachen hierfür sind komplex. Eine der möglichen Erklärungen ist, dass Mundhöhlenkarzinome in frühen Stadien nicht immer Symptome machen und daher ohne Screening schlecht entdeckt werden.
Eine andere Theorie ist, dass bestimmte Individuen weniger Zugang zu ärztlicher Versorgung haben und daher in späteren Krankheitsstadien diagnostiziert werden.
Diese Ungleichheiten beruhen zum Teil auf sozioökonomischen und kulturellen Unterschieden bei marginalisierten Gesellschaftsgruppen.
Einfluss zahnärztlicher Versorgung auf Mundhöhlenkarzinominzidenz?
Eine Fragestellung, die beide Ansätze miteinander vereint, ist, wie die zahnärztliche Versorgung die Inzidenz des Mundhöhlenkarzinoms beeinflusst. Hierzu gibt es nur wenig Literatur.
Eine aktuelle Studie untersuchte daher die Beziehung zwischen dem Zugang zu zahnärztlicher Versorgung und der 5-Jahres Inzidenzrate für Mundhöhlenkarzinome in den Kommunen der Stadt Chicago und den Bezirken des Bundesstaates Illinois.
Höhere Mundhöhlenkarzinominzidenz bei weniger Zahnarztbesuchen
Die Wissenschaftler zeigten, dass ein beschränkter Zugang zu adäquater zahnärztlicher Versorgung mit einer höheren Inzidenzrate von Mundhöhlenkarzinomen assoziiert war.
So wiesen Gegenden im südlichen Illinois den schlechtesten zahnärztlichen Zugang auf und zeigten die höchste Rate an Mundhöhlenkrebsneuerkrankungen. Im Gegensatz dazu fand sich in Gegenden innerhalb von Chicago, die einen besseren zahnärztlichen Zugang hatten, eine signifikant geringere Inzidenzrate.
Inzidenz mit schlechtem lokalem Zugang zu zahnärztlicher Versorgung assoziiert
Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die höhere Inzidenzrate bei Patienten mit geringerem Zugang zu zahnärztlicher Versorgung damit verbunden sein könnte, dass es in bestimmten Regionen schwierig ist, einen Zahnarzt zu finden. Dies kann durch einen schlechteren Zugang zu öffentlichen Transportmitteln verstärkt werden.
Vorliegen einer Zahnversicherung senkt Risiko für Mundhöhlenkarzinome
Die Forscher sahen zudem, dass das Vorhandensein einer Zahnversicherung ein Faktor war, der zu weniger Mundhöhlenkarzinomen führte. Ebenso war der Zugang zu gesundem Essen ein protektiver Faktor. Im Gegensatz dazu erhöhte Zigarettenrauchen das Risiko.
Stärkung der oralen Gesundheit, um Mundhöhlenkarzinome zu verhindern
Die Studie unterstreicht, dass regelmäßige Zahnreinigungen und eine verbesserte orale Gesundheit präventive Maßnahmen gegenüber einer oralen Karzinogenese sein könnten.
Limitationen der Studie
Die Studienautoren betonen, dass die Studie rein epidemiologische Ergebnisse liefert und damit keine Aussagen über den Mechanismus, der den Assoziationen zwischen dem Zugang zu zahnärztlicher Versorgung und dem Auftreten eines Mundhöhlenkarzinoms zugrunde liegt, treffen kann.
Zudem geben die Wissenschaftler zu bedenken, dass bestimmte Faktoren, die nicht in der Studie untersucht wurden, einen Einfluss auf das Karzinomrisiko haben könnten. Hierzu zählen beispielsweise eine höhere Luftverschmutzung in Gegenden mit geringem Einkommen und Unterschiede im oralen Mikrobiom innerhalb der Bevölkerung.









