77 Prozent der Neu-Niedergelassenen würden es wieder tun

77 Prozent der im Jahr 2023 neu niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten würden sich wieder für diesen Schritt entscheiden. So das Ergebnis einer aktuellen Befragung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Arzt moderne Praxis

Meldung

Die Entscheidung für die eigene Praxis ist ein bedeutender Schritt in der Laufbahn von Medizinern. Mit der Befragungsstudie „Ärztliche und psychotherapeutische Karrierewahl und Existenzgründungsentscheidungen (KWEX)“ hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) erstmals detailliert beleuchtet, warum Ärzte und Psychotherapeuten sich niedergelassen – und wie sie die Entscheidung ein Jahr später betrachten. Die Ergebnisse zeigen ein überwiegend positives Bild: 77 Prozent der Befragten würden sich erneut für die Niederlassung entscheiden.

Berufliche Autonomie und Flexibilität für Work-Life-Balance als Hauptmotive

Das zentrale Motiv pro Niederlassung ist laut KWEX-Studie die berufliche Autonomie. Viele der Befragten schätzen demnach, ohne Weisung von Vorgesetzten eigenständig über diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu entscheiden. Diese Unabhängigkeit ermögliche es ihnen, individuell auf die Bedürfnisse ihrer Patienten einzugehen und ihre medizinische Expertise voll auszuschöpfen.

Außerdem schätzen die Neu-Niedergelassenen die Möglichkeiten der flexiblen Gestaltung ihrer Arbeitszeiten. Sprechstunden und Praxisabläufe selbst zu organisieren, trägt demnach zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bei. Viele der Neueinsteiger berichten, dass sie ihre Arbeitszeiten besser an persönliche und familiäre Bedürfnisse anpassen können. Das führe unmittelbar zu einer höheren Zufriedenheit.

Bürokratie, Fachkräftemangel und hohe Investitionen stellen große Herausforderungen dar

Trotz der positiven Erfahrungen berichten 40 Prozent der Befragten von Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit des Niederlassungsprozesses mit privaten und familiären Verpflichtungen. Die Gründung oder Übernahme einer Praxis erfordere nicht nur finanzielle Investitionen, sondern auch einen erheblichen zeitlichen Aufwand. Behördliche Auflagen, bürokratische Hürden und die Suche nach geeignetem Praxispersonal können zusätzliche Belastungen darstellen.

KWEX-Studie: Investitionen bei Neugründung und Ablösesummen bei Übernahmen

Einer der maßgeblichen Faktoren für die Niederlassungsentscheidung ist der finanzielle Aufwand. Hier ermittelte das Zi unter anderem Mittelwerte zu Investitionen bei Neugründungen sowie die Ablösesummen bei Übernahmen. Demnach liegt die durchschnittliche Investitionssumme im hausärztlichen Versorgungsbereich bei gut 141.000 Euro und im fachärztlichen Versorgungsbereich bei 138.000 Euro. Für Neugründungen im Bereich der „psychotherapeutischen und psychosomatischen Versorgung“ weist die KWEX-Studie eine deutlich geringere Investitionssumme von ca. 26.200 Euro aus.

Gut ein Fünftel der Fachärzte zahlt Ablösesummen von mehr als 500.000 Euro

Die durchschnittliche Höhe der Ablösesummen bei Übernahmen oder einen Beitritt in eine Niederlassung beziffert die Studie für 2024 auf ein gewichtetes Mittel in Höhe von etwas mehr als 152.000 Euro. Allerdings gibt es hier eine beträchtliche Spreizung. Demnach wird in einem Viertel der Fälle eine Summe von weniger als 50.000 Euro fällig und in einem weiteren Viertel Summen zwischen 100.000 und 500.000 Euro. Gut ein Fünftel (19 Prozent) der Neu-Niedergelassenen hat Ablösesummen zwischen 50.000 und 100.000 Euro angegeben.

Im fachärztlichen Versorgungsbereich liegen die Ablösesummen insgesamt höher. Etwa ein Fünftel (19 Prozent) der Fachärzte wendet laut Zi mindestens 500.000 Euro für Übernahmen auf. Mehr als 40 Prozent (41,1 %) zahlen zwischen 100.000 und 499.999 Euro.

Zi: Ermutigendes Ergebnis für das Fundament unseres Versorgungssystems

Das positive Ergebnis zeige, dass „das Modell der selbständigen Niederlassung auch weiterhin erfolgreich sein“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Das sei „eine wichtige Botschaft für alle, die sich für den Erhalt der Praxen als Fundament unseres Versorgungssystems einsetzen.“ Die positiven Erfahrungen der neuen Niedergelassenen könnten dazu beitragen, weitere Mediziner für den Schritt in die Selbstständigkeit zu motivieren. Nach Angaben der Stiftung Gesundheit ist die Anzahl der niedergelassenen Ärzte insgesamt allerdings leicht rückläufig von 72,6 Prozent aller Ärzte (2022) auf 70,3 Prozent (2024).

Um ein umfassenderes Bild der beruflichen Zufriedenheit und der Beweggründe für verschiedene Karrierewege zu erhalten, hat das Zi die Befragung von angestellten Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bis zum 30. April 2025 verlängert. Ziel sei es, die Perspektiven und Erfahrungen dieser Gruppe detailliert zu erfassen und mögliche Unterschiede zur Gruppe der Niedergelassenen zu analysieren.

Autor:
Stand:
17.04.2025
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