Studie zeigt: Orales Ibuprofen wirksamer als Diclofenac-Gel bei Rückenschmerzen

In einer aktuellen Studie mit Patienten mit akuten Rückenschmerzen erwies sich orales Ibuprofen effektiver bei der Schmerzlinderung als Diclofenac-Gel. Die Kombination beider Medikamente ergab keinen zusätzlichen Nutzen.

Gel und Tabletten

In einer aktuellen Studie verglichen US-amerikanische Wissenschaftler die Wirksamkeit von topischem Diclofenac, oralem Ibuprofen und einer Kombination von Diclofenac und Ibuprofen bei Patienten mit akuten Rückenschmerzen im Notfallbereich. Die Forscher bewerteten die Wirksamkeit jeweils anhand des Roland Morris Disability Questionnaire (RMDQ). Die Patienten wurden dazu zwei Tage nach der Entlassung aus der Notaufnahme telefonisch befragt und ein zweites Mal sieben Tage nach dem Besuch in der Notaufnahme.

Wirksamkeitsstudie zur Therapie von Rückenschmerzen

In die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Wirksamkeitsstudie wurde eine breite Auswahl von Patienten mit muskuloskelettalen Rückenschmerzen eingeschlossen, die keine Kandidaten für eine Wirbelsäulenoperation oder einen gezielten epiduralen Eingriff waren.

Die Teilnehmer waren Erwachsene im Alter von 18 bis 69 Jahren, die sich in der Notaufnahme hauptsächlich wegen nichttraumatischer, nichtradikulärer Schmerzen im unteren Rückenbereich vorstellten. Diejenigen mit radikulären Schmerzen, traumatischer Ätiologie, Schmerzen, die länger als zwei Wochen anhielten oder häufiger als einmal im Monat auftraten, sowie Schwangere und Patienten mit offenen Wunden im unteren Rückenbereich, wurden ausgeschlossen.

Drei Behandlungsarme

Die Teilnehmer wurden in drei Interventionsgruppen randomisiert. Die jeweiligen Behandlungen bestanden aus oralem Ibuprofen (400 mg), topischem Diclofenac-Gel oder einer Kombination aus beidem. Jedem Patienten wurde ein Vorrat an Prüfmedikamenten für zwei Tage ausgehändigt.

Endpunkte: Veränderungen auf des Schmerz-Scores

Der primäre Endpunkt der Studie war die Veränderung des RMDQ-Scores zwischen dem Erstbesuch in der Notaufnahme und des Follow-ups nach zwei Tagen. Eine Verbesserung um fünf Punkte auf der Bewertungsskala galt als klinisch signifikant. Zu den sekundären Endpunkten zählte unter anderem die Veränderung des RMDQ-Scores zwischen dem Ausgangswert und dem Follow-up nach sieben Tagen.

Orales Ibuprofen liegt vorne

Es wurden insgesamt 3.281 Patienten untersucht, wovon 198 für die Studie geeignet waren. Beim Follow-up nach zwei Tagen zeigten alle drei Gruppen eine Verbesserung des RMDQ-Scores im Vergleich zum Ausgangswert. Dabei war orales Ibuprofen gegenüber Diclofenac-Gel signifikant überlegen. Bei der Nachuntersuchung nach sieben Tagen gab es keine größeren Unterschiede mehr zwischen den Gruppen.

Unerwünschte Ereignisse waren insgesamt selten und traten in allen Gruppen ähnlich häufig auf.

Limitationen

Die Studienteilnehmer repräsentierten nur eine Untergruppe von Rückenschmerz-Patienten mit akuten nichttraumatischen, nichtradikulären Rückenschmerzen. Weiterhin wurde die Studie in einer Gegend mit einer sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerung durchgeführt, was die Übertragbarkeit auf andere Patientengruppen begrenzt. Es wurden Ergebnisse auch sieben Tage nach dem Notaufnahmebesuch gemessen, obwohl nur Medikation für zwei Tage bereitgestellt wurde.

Der charakteristische Geruch des Diclofenac-Gels könnte die Verblindung beeinträchtigt haben. Es wurde eine Schmerzskala zur Messung der stärksten Schmerzen verwendet, die für die Anwendung bei Notfallpatienten mit Rückenschmerzen nicht validiert wurde. Die festgelegte Mindeständerung auf der RMDQ-Skala könnte strittig sein.

Weiterer Studien notwendig

Die Studie unterstützt es die Behandlung von Rückenschmerzpatienten mit Diclofenac-Gel nicht, wenn sie orales Ibuprofen vertragen.

Der Vorteil von topischen Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) liegt darin, dass sie direkt im verletzten Gewebe wirken und aufgrund niedrigerer Plasmakonzentrationen weniger systemische Nebenwirkungen erzeugen als oral aufgenommene Wirkstoffe. Laut dieser Studie ist topisches Diclofenac jedoch weniger wirksam als orales Ibuprofen. Es gab keinen zusätzlichen Nutzen, wenn Diclofenac-Gel mit oralem Ibuprofen kombiniert wurde.

In der Studie gab es keine reine Placebo-Gruppe. Daher bleibt zudem unklar, ob Diclofenac überhaupt wirksam ist. Des Weiteren verschwand der Vorteil von Ibuprofen eine Woche nach dem Notaufnahmebesuch, was aber auch den natürlichen Verlauf akuter Rückenschmerzen widerspiegeln könnte. Denn die meisten akuten Rückenschmerzen verbessern sich im Laufe der Zeit unabhängig von der Behandlung.

Es sind laut den Wissenschaftlern weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Autor:
Stand:
23.05.2024
Quelle:

Khankhel et al. (2024): Topical Diclofenac Versus Oral Ibuprofen Versus Diclofenac + Ibuprofen for Emergency Department Patients With Acute Low Back Pain: A Randomized Study. Annals of emergency medicine, DOI: 10.1016/j.annemergmed.2024.01.037.

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