Sinunasaler Mikrobiotatransfer bei therapierefraktärer chronischer Rhinosinusitis

Eine internationale Studiengruppe evaluierte einen experimentellen Therapieansatz für die Behandlung der therapierefraktären chronischen Rhinosinusitis-den sinunasalen Mikrobiotatransfer. Sie zeigten, dass dies eine sichere, klinisch vorteilhafte Behandlungsoption zu sein scheint.

Rhinosinusitis chronisch

Neue Behandlungsansätze für therapierefraktäre chronische Rhinosinusitisbenötigt

Die chronische Rhinosinusitis ist eine entzündliche Erkrankung der Nasennebenhöhlen, die bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten (weniger als 20 Prozent) als therapierefraktär gilt. Dies bedeutet, dass die herkömmlichen Behandlungen bei diesen Patienten nicht wirksam sind. Die Behandlung dieser Patienten stellt eine erhebliche Herausforderung dar, da nur wenige Therapieoptionen zur Verfügung stehen, was die Notwendigkeit neuer Behandlungsansätze betont.

Eine internationale Studiengruppe hat sich darauf konzentriert, das veränderte Mikrobiom als Schlüssel zur Entwicklung einer innovativen Therapie zu nutzen.

Ein gestörtes Mikrobiom ist auch bei der rezidivierenden Clostridium difficile-Diarrhoe bekannt, die durch eine Stuhltransplantation – die Übertragung von Mikrobiota eines gesunden Spenders – erfolgreich behandelt werden kann. Diese Erkenntnis hat die Forscher dazu inspiriert, den sinunasalen Mikrobiotatransfer als potenzielle Behandlungsmethode für therapierefraktäre chronische Rhinosinusitis zu untersuchen.

Innovativer Therapieansatz: Sinunasale Mikrobiotaübertragung

Die Wissenschaftler verwendeten daher einen ähnlichen Behandlungsansatz für die therapierefraktäre chronische Rhinosinusitis-den Transfer sinunasaler Mikrobiota.

Sie untersuchten in ihrer Studie die Wirksamkeit und Sicherheit dieser neuartigen Therapie.

Hierfür wurde unter endoskopischer Kontrolle sinunasaler Mukus von einem gesunden Spender in eine erkrankte Nebenhöhle übertragen. Einige Patienten erhielten prätherapeutisch eine antimikrobielle photodynamische Therapie, mit dem Ziel die mikrobielle Besiedlung der erkrankten Nebenhöhle zu reduzieren.

In die Studie wurden insgesamt neun Patienten eingeschlossen und auf die drei Arme: reiner sinunasaler Mikrobiota Transfer (n=3), nur antimikrobielle photodynamische Therapie (n=2) oder antimikrobielle photodynamische Therapie und sinunasaler Mikrobiota Transfer (n=4) aufgeteilt.

Mikrobiomzusammensetzung änderte sich nach Transfer

Zu Beginn der Studie zeigten sich keine Unterschiede in der bakteriellen Diversität zwischen den Patienten mit chronischer Rhinosinusitis und den gesunden Spendern. Nach dem Mikrobiotatransfer veränderte sich jedoch die Zusammensetzung des Mikrobioms bei den behandelten Patienten. Einige der Patienten zeigten zudem eine Gewebeeosinophilie und erhöhte Serum-Immunglobulin-E-Werte.

Sinunasaler Mikrobiotatransfer führte zu Verbesserung

Die Patienten, die einen reinen sinunasalen Mikrobiotatransfer erhielten, zeigten 30 Tage nach der Intervention im modifizierten Lund-Kennedy-Score und im Sinonasal Outcome Test (SNOT-22) eine deutliche Verbesserung. Bei zwei der drei Patienten hielten diese Verbesserungen sogar 180 Tage nach der Intervention an. Keiner der Empfänger benötigte eine antibiotische Therapie.

Zusätzliche antimikrobielle photodynamische Therapie scheint keinen Vorteil zu bieten

Bei den Patienten, die sowohl eine antimikrobielle photodynamische Therapie als auch einen sinunasalen Mikrobiotatransfer erhielten, zeigten zwei der vier eine Verbesserung im modifizierten Lund-Kennedy-Score nach 45 Tagen. Diese Verbesserung verschlechterte sich jedoch während der Nachbeobachtungszeit wieder. Zwei dieser Patienten benötigten im Studienverlauf eine antibiotische Behandlung, einer davon aufgrund einer Nasennebenhöhleninfektion. Zwar verbesserten sich die SNOT-22-Werte im Vergleich zum Ausgangswert, jedoch hielt die Verbesserung vermutlich aufgrund der antibiotischen Therapie nicht an.

Die beiden Patienten, die nur eine antimikrobielle photodynamische Therapie erhielten, zeigten zwischen dem 30. und 90. postinterventionellen Tag eine Verbesserung des modifizierten Lund-Kennedy-Scores. Einer dieser Patienten begann jedoch unmittelbar nach dem Eingriff mit einer antibiotischen Therapie. Nach 180 Tagen verschlechterten sich sowohl die Werte des modifizierten Lund-Kennedy-Scores als auch des SNOT-22 wieder.

Mikrobiotatransfer war sicher

Während des Behandlungszeitraums traten keine unerwünschten Ereignisse auf. Patienten, die eine reine antimikrobielle photodynamische Therapie erhielten, berichteten jedoch über die höchsten Schmerz- und Unwohlseinwerte.

Sinunasaler Mikrobiotatransfer scheint eine vielversprechende Therapie zu sein

Die Auswertung der Fallserie zeigte, dass eine sinunasale Mikrobiotaübertragung zu subjektiven und objektiven Verbesserungen bei zwei von drei Empfängern führte. Die Intervention scheint also eine sichere, klinisch vorteilhafte Behandlungsoption für Patienten mit therapierefraktärer chronischer Rhinosinusitis zu sein.

Interessanterweise verbesserte eine antimikrobielle photodynamische Therapie die Wirksamkeit des sinunasalen Mikrobiotatransfers nicht und war sogar mit schlechteren Outcomes assoziiert.

Aufgrund der kleinen Fallserie starteten die Wissenschaftler eine größere Studie, um die Wirksamkeit der SNMT genauer untersuchen zu können (ClinicalTrials.gov NCT05454072).

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Stand:
02.07.2024
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