Der flächendeckende Einsatz von Biosimilars könnte die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) deutlich senken. Nach aktuellen Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ließen sich durch einen verpflichtenden Austausch biologischer Originalarzneimittel gegen Biosimilars Einsparungen von bis zu 2,33 Milliarden Euro pro Jahr erzielen.
Große Wirtschaftlichkeitsreserven im Biosimilar-Markt
Im Jahr 2024 beliefen sich die Nettokosten aller grundsätzlich biosimilarfähigen Fertigarzneimittel laut WIdO auf 4,23 Milliarden Euro. Diese Präparate machen damit rund 7,1 % des gesamten GKV-Arzneimittelmarkts (Gesamtkosten: 59,29 Mrd. Euro) aus. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat im Juni ein Beratungsverfahren zur Ausweitung der Biosimilar-Substitution eingeleitet und führt derzeit eine Anhörung dazu durch. Künftig könnten damit weitere hochpreisige Biologika durch Biosimilars ersetzt werden, sofern sie als austauschfähig gelten.
WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder fordert, dass der Gesetzgeber den Austausch – analog zu den Regelungen bei Generika – verbindlich in der Apotheke ermöglicht, damit „die aus anderen europäischen Ländern bekannten Preisnachlässe auch in Deutschland auf diesem stetig wachsenden Markt realisiert werden können.“
Szenarien zeigen enormes Sparpotenzial
Das WIdO hat zwei Szenarien für mögliche Einsparungen berechnet:
- Konservatives Szenario: 30 % Preisabschlag, 60 % Umstellungsquote - Einsparungen von rund 693 Mio. Euro jährlich
- Ambitioniertes Szenario: 70 % Preisabschlag, 80 % Umstellungsquote - Einsparungen von bis zu 2,33 Mrd. Euro jährlich
Der gesamte biosimilarfähige Markt verzeichnete 2024 Nettokosten von 5,66 Mrd. Euro. Das ist ein Bereich, der laut WIdO weiter dynamisch wächst, da in den kommenden Jahren zahlreiche Biologika aus dem Patentschutz fallen.
Austauschbarkeit ohne Qualitätsverlust
Die Wirksamkeit und Sicherheit eines Wechsels von Original-Biologika auf Biosimilars („Switching“) ist belegt. Studien zeigen laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) keine Unterschiede in der Behandlungsqualität. Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) empfiehlt sowohl bei der Erstverordnung als auch bei der Weiterbehandlung den Einsatz von Biosimilars. Schröder betont, dass der verpflichtende Austausch in der Apotheke entscheidend dazu beitrage, „die weiterhin steigenden Arzneimittelausgaben wenigstens ein Stück weit im Zaum zu halten und die Beitragszahlenden etwas zu entlasten.“
Deutschland im europäischen Vergleich
Während in Deutschland der durchschnittliche Packungspreis für Biosimilars bislang deutlich über dem europäischer Nachbarn liegt, ist Frankreich bereits weiter. Dort kosten Biosimilars infolge des Preiswettbewerbs im Schnitt nur etwa die Hälfte der deutschen Preise. Eine konsequente Austauschpolitik könnte Deutschland hier Anschluss verschaffen.
PharMaAnalyst: WIdO-Portal für Marktdaten
Die aktuelle Auswertung stützt sich auf Daten aus dem PharMaAnalyst, dem Online-Analysetool des WIdO. Das Portal ermöglicht passgenaue Auswertungen der GKV-Verordnungsdaten von 2012 bis 2024. Grundlage der Berechnungen sind anonymisierte Daten aus 643 Mio. Rezeptblättern und rund 864 Mio. Verordnungen, die in öffentlichen und Krankenhausapotheken abgerechnet wurden.









