Studierende lehnen Positionspapier zur Novellierung der AAppO ab

Die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer hat Anfang Mai einem Positionspapier zur Novellierung der Approbationsordnung zugestimmt. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) lehnt den Vorschlag in seiner aktuellen Form jedoch ab.

Studenten Vorlesung

Die Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO) wurde auf dem Deutschen Apothekertag (DAT) 2021 mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat dazu einen sogenannten „Runden-Tisch“ mit Professoren pharmazeutischer Hochschulen, Berufsfachverbänden der Apotheken sowie dem BPhD zusammengerufen, der einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten sollte, der dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) als Grundlage für die neue AApO vorgelegt wird.

Bei der Mitgliederversammlung der BAK Anfang Mai wurde einem Positionspapier zur Novellierung der Approbationsordnung zugestimmt. Der BPhD hat dieses nun aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt.

Anpassung an wissenschaftliche Fortschritte

„Die aktuell gültige Approbationsordnung stammt aus dem Jahr 2001 – eine Anpassung ist aufgrund der enormen wissenschaftlichen Fortschritte, insbesondere bei der Entwicklung neuer Arzneimittel, aber auch der modernen Arzneimitteltherapie, dringend nötig“, so BAK-Präsident Thomas Benkert. Dabei dürften allerdings weder die Zahl der Studienplätze verringert noch die Betreuung der Studierenden schlechter werden.

Auch der BPhD hält die Novellierung für ein wichtiges Thema, heißt es in der Stellungnahme zum Positionspapier. Die Studierenden befürworten einige der genannten Aktualisierungsvorschläge, allerdings fehlt ihnen in einigen, vom BPhD am Runden Tisch aufgeführten Punkten, eine ausreichende Gewichtung.

Zusätzliche Lehrinhalte und wissenschaftliche Arbeit

Mit der aktualisierten AAppO sollen insbesondere die Fächer der Klinischen Pharmazie und Pharmakologie ausgeweitet werden. Beispielsweise sind interprofessionelle Lehrveranstaltungen mit Medizinstudierenden angedacht. Auch die Einführung eines neuen Moduls zum Thema „Rechtliche, gesellschaftliche und ethische Dimensionen der pharmazeutischen Wissenschaften“ ist geplant. Zudem sollen die Studierenden im Hauptstudium künftig eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit anfertigen. Um die zusätzlichen Lehrinhalte unterzubringen, wird das Studium um zwei Semester verlängert.

Anpassung des Grundstudiums

Im Grundstudium soll die instrumentelle Analytik gegenüber der klassischen qualitativen und quantitativen Analytik gestärkt werden. Im Fachgebiet Physik ist eine Fokussierung der Themen auf pharmazeutische Schwerpunkte geplant.

Neue Benotungsstruktur

Bei der Benotung der Abschnitte der Pharmazeutischen Prüfungen sollen künftig die Noten aus den zugehörigen Modulen einfließen.

Studierende kritisieren steigende Belastung

Der BPhD stimmt diesen Vorhaben grundsätzlich zu, kritisiert jedoch insbesondere die tendenziell steigende statt fallende Belastung der Studierenden. Zwei zusätzliche Semester seien nicht ausreichend, um die zusätzlichen Inhalte der Klinischen Pharmazie, Pharmakologie sowie der praktischen Arbeit zu fassen. Die dadurch erheblich steigende Zahl der Semesterwochenstunden könne zu einer Reduktion der Studienabschlüsse führen und auch organisatorisch, in Bezug auf räumliche und personelle Ressourcen, problematisch werden. Der BPhD schlägt daher eine gleichmäßige Stundenverteilung unter Beibehaltung der derzeitigen Wochenstunden vor.

Konkrete Umsetzungspläne fehlen

Auch die geplante Anpassung der Benotungsstruktur befürworten die Studierenden generell. Allerdings fehle hier noch ein klares Konzept zur Umsetzung, gerade bei der Gewichtung der Einzelnoten.

Einen unzureichenden Umsetzungsplan kritisiert der BPhD ebenso in Bezug auf die geplante wissenschaftliche Arbeit. Es sei unklar, wie diese organisatorisch in den Studienkanon implementiert werden soll. Ebenso seien noch Fragen zur zeitlichen Abstimmung mit dem zweiten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung offen.

Verknüpfung von AAppO und NKLP

Zum Schluss schlagen die Studierenden eine Verknüpfung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Pharmazie (NKLP) mit der AAppO. Auf diese Weise könnte in Zukunft eine Anpassung der Lehrinhalte schneller und ohne einen aufwendigen Novellierungsprozess der AAppO erfolgen.

Autor:
Stand:
03.06.2022
Quelle:
  1. ABDA: Pressemitteilung – Apotheker wollen Pharmaziestudium modernisieren (10.05.2022)
  2. BPhD: Stellungnahme – BAK-Postionspapier „Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker“ (30.05.2022)
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: