Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) prüften in einer breit angelegten In vitro-Studie das Verfärbungspotenzial einer Vielzahl von Getränken während der Anwendung von Mundspüllösungen mit Chlorhexidin. Die materialwissenschaftlich ausgerichtete Studie erfolgte im Auftrag von GSK Consumer Healthcare (inzwischen Haleon). Sie sollte klären, welche Getränke während der Behandlung die Zähne verfärben und wie sich das reduzieren lässt.
Farbstoffmoleküle haften an
Chlorhexidin an sich besitzt keine färbenden Eigenschaften. Die Nebenwirkung wird durch biochemische Vorgänge im Mundraum ausgelöst. Das kationisch geladene Chlorhexidin haftet an den negativ geladenen Oberflächen im Mund wie Speichel, Schleimhaut und Zahnschmelz und kann dort lange verbleiben.
Chlorhexidin besitzt Bindungsstellen, die Farbstoffmoleküle nutzen können. Je stärker bzw. dauerhafter die Bindung zwischen Chlorhexidin und den Farbstoffmolekülen, desto eher treten Verfärbungen auf.
Getränke im Test
Ob Farbstoffmoleküle an Chlorhexidin binden, beeinflusst unter anderem der pH-Wert des Getränkes. Die Wissenschaftler prüften elf sehr unterschiedliche Getränke und achteten bei der Auswahl auf verschiedene pH-Werte und unterschiedliche Farben. Die Spannbreite reichte von der Diätlimonade über Ingwertee bis hin zu Kaffee und schwarzem Tee. Die Getränke prüften sie mit und ohne Milch und nutzten zum Vergleich Wasser.
Versuchsaufbau
Um die Vorgänge im Mund möglichst realitätsnah abbilden zu können, wendeten die Forscher ein eigens erstelltes Modell an. Dieses bestand aus Zahnkronen, die zyklisch mit künstlichem Speichel, 0,2-prozentiger Chlorhexidin-Mundspülung und den zu testenden Getränken umspült wurden. Der Vorgang wurde 28 Mal wiederholt, um die typische 14-tägige Anwendungsdauer von Chlorhexidin nachzustellen. Die tägliche mechanische Reinigung der Zähne simulierte das Team sowohl mit Wasser als auch mit Zahnpasta in einem Zahnputzsimulator.
Die Zahnverfärbungen wurden fotografisch dokumentiert und der Grad der Verfärbung wiederholt gemessen. Außerdem analysierten die Forscher die Zahnoberflächen mit einem Rasterelektronenmikroskop.
Milch mindert Verfärbungen
Der Konsum farbstoffmolekülreicher Getränke führte unter Chlorhexidin-Behandlung zu beständigen Oberflächenschichten auf dem Zahn. Bei Schwarztee und Rotwein verfärbten sich die Zähne am stärksten. Im Mittelfeld landeten Kaffee und Bier.
Um die Ablagerungen zu entfernen, war das Putzen mit Zahnpasta effizienter als die Reinigung mit Wasser allein. Wurden Schwarztee und Kaffee mit Milch verdünnt, veränderte sich die Struktur der entstandenen Verfärbungsschicht. Sie war nun weniger beständig und ließ sich leichter entfernen.
Kaffee und Tee im Duo mit Milch
Aus dem Versuchsergebnis ließe sich die Empfehlung ableiten, dass Patienten Kaffee und Tee während der Anwendung von Chlorhexidin möglichst nur mit Milch zu sich zu nehmen sollten. Offen ist jedoch die Frage, wie sich Milch auf die Wirksamkeit von Chlorhexidin auswirkt. Diese Frage stand nicht im Fokus der Studie.
Mit gutem Gewissen lässt sich Patienten jedoch raten, dass sie ihre Zähne konsequent mit Zahnpasta putzen und auf einen möglichst großen zeitlichen Abstand zwischen der Mundspülung und dem Konsum von Lebensmitteln oder Getränken achten sollten.
Über Chlorhexidin
Der Wirkstoff Chlorhexidin ist in zahlenreichen antiseptischen Mundspüllösungen enthalten. Er gilt als Goldstandard, um Infektionen im Mundraum zu bekämpfen. Ein kosmetisches Problem sind Verfärbungen, die während der Behandlung auftreten können. Auslöser ist der Konsum von farbstoffhaltigen Lebensmitteln und Getränken.









