Kritik an aktuellen Gesundheitsreformen: Zahnärzte, Ärzte und Apotheker schlagen Alarm

Zahnärzte, Ärzte und Apotheker übten den Schulterschluss und sprachen sich gemeinsam gegen die aktuelle Gesundheitspolitik aus. Sie fordern unmittelbare politische Weichenstellungen, um das bewährte Gesundheitssystem zu erhalten.

Warnsignal

Vertreter der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bekräftigten ihren Zusammenhalt. Anlass dazu war die Vertreterversammlung der KZBV.

Gemeinsam bezogen die drei Organisationen Stellung gegen die aktuelle Gesundheitspolitik von Bundesminister Karl Lauterbach und forderten dringende politische Maßnahmen. Diese sollen die Niederlassung von Praxen und Apotheken fördern und das bewährte Gesundheitssystem erhalten.

Kritik an Rahmenbedingungen

Die gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen, so die Verbände, erschweren die Arbeit der niedergelassenen Zahnärzte, Ärzte und Apotheker durch überbordende Bürokratie, eine nicht praxistaugliche Digitalisierungsstrategie und fehlende Mittel für Prävention. Das habe sich bereits negativ auf die Patientenversorgung ausgewirkt. So gebe es einen dramatischen Rückgang bei der Behandlung von Parodontitis, es mangle an Haus- und Fachärzten und das Netz der Arzneimittelversorgung dünne aus.

Präventionsorientierter Ansatz in Gefahr

Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der KZBV, erklärte, dass unter den derzeitigen katastrophalen politischen Rahmenbedingungen die gewohnte flächendeckende zahnärztliche Versorgung kaum noch aufrechtzuerhalten sei. Besonders bedroht sei die neue, präventionsorientierte Parodontitistherapie. Parodontitis beeinflusst unter anderem schwere Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, rheumatische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Wenn Minister Lauterbach mit seinem 'Gesundes Herz Gesetz' hier eine bessere Vorsorge schaffen will, ist es völlig unverständlich und kontraproduktiv, dass zugleich unser präventionsorientierter Ansatz im Bereich der Parodontitistherapie budgetiert wurde“, so der Vorstandsvorsitzende der KZBV. Die Früherkennung und Behandlung der Volkskrankheit Parodontitis seien wesentliche Bestandteile zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dürfen keinesfalls finanziell eingeschränkt werden.

Wohnortnahe Versorgung gefährdet

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, warnte vor den Auswirkungen der Politik auf die wohnortnahe Versorgung und verwies auf eine Umfrage, der zufolge viele Ärzte überlegen, vorzeitig aus der Patientenversorgung auszusteigen. „Statt das Fundament unser aller Gesundheitsversorgung in Form von wohnortnahen Praxen und Apotheken zu festigen, ist Minister Lauterbach auf dem besten Weg, das gesamte Gebäude einzureißen“, so Gassen.

Seit letztem Sommer wurde auf die Folgen der aktuellen Gesundheitspolitik hingewiesen. „Kein Politiker wird hinterher sagen können, das habe er nicht gewusst“, stellte Gassen klar. Die wohnortnahe, leicht zugängliche Versorgung durch Praxen und Apotheken sei eine der größten Errungenschaften unseres Gesundheitssystems. Gassen: „Diese verlässlichen Strukturen sind nicht zuletzt wertvoller sozialer Kitt in einer Gesellschaft, die zunehmend auseinanderfällt. Sie sind das Sinnbild eines Versorgungsversprechens für die Menschen in diesem Land. Das sehen die Bürgerinnen und Bürger genauso und sie werden sich auch nicht für dumm verkaufen lassen.“

Apothekenzahl schwindet

Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA, wies auf den kontinuierlichen Rückgang der Apothekenzahl und die Belastungen durch Fachkräftemangel und Lieferengpässe hin. Allein im vergangenen Jahr seien laut Arnold etwa 500 Apotheken verschwunden. „Das bedeutet längere Wege für Patientinnen und Patienten zum dringend benötigten Arzneimittel – auf dem Lande, aber auch in den Städten.“

Auch in diesem Jahr sind die Apotheken durch den anhaltenden Fachkräftemangel stark belastet, hinzukommen Lieferengpässe und der holprige Start des E-Rezepts. Gleichzeitig wurde das Apothekenhonorar seit elf Jahren nicht angepasst und zuletzt sogar von der Ampel-Koalition gekürzt. „Minister Lauterbach weiß von diesen Problemen, kündigt aber nur Scheinreformen an“, sagte der Vizepräsident der ABDA.

Eine Umverteilung des Honorars anstelle einer Anhebung werde dazu führen, dass noch mehr Menschen ihre Apotheke vor Ort verlieren. „Damit würden wichtige Leistungen weder überall noch für alle angeboten werden. Die Apotheken müssen gestärkt und nicht kaputtgespart werden“, so Arnold.

Appell zum Dialog

Hendges, Gassen und Arnold appellierten an Bundesminister Lauterbach, in den Dialog mit den Versorgern zu treten und praxisnahe Lösungen zu akzeptieren. Unrealistischen Versorgungskonzepten und einer staatlich kontrollierten Medizin erteilten sie eine klare Absage.

Die drei großen Organisationen des Gesundheitswesens warnten vor einer weiteren Verschlechterung der Versorgungslage für die rund 84 Millionen Patienten in Deutschland. Mit bundesweiten Kampagnen wollen sie die Bevölkerung über die Folgen der aktuellen versorgungsfeindlichen Politik informieren und zur Unterstützung ihres Protests aufrufen.

Autor:
Stand:
14.06.2024
Quelle:

ABDA, Pressemitteilung: KZBV, KBV und ABDA: Etablierte Patientenversorgung ist gefährdet!, 06.06.2024

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