Robert Koch-Institut: Grippewelle startet früh

Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass die Influenzaviren zunehmend andere respiratorische Erreger wie ARS-CoV-2 verdrängen. Trotz steigender Fallzahlen bleibt die Belastung der Krankenhäuser derzeit moderat.

Pärchen Grippe

Aktuell sind in Deutschland viele Menschen krank und die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) ist weiter gestiegen. Sie liegt auf einem hohen, für die Jahreszeit jedoch nicht ungewöhnlichen Niveau. Wie aus dem aktuellen ARE-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht, hat die diesjährige Grippewelle bereits in der 48. Kalenderwoche begonnen und damit zwei bis drei Wochen früher als in den beiden Vorjahren.

In der 49. Kalenderwoche wurden in der Bevölkerung schätzungsweise rund 7,2 Millionen neue akute Atemwegserkrankungen registriert. Die ARE-Inzidenz lag bei etwa 8.600 Fällen pro 100.000 Einwohner. Während die Werte bei Kindern bis 14 Jahre leicht rückläufig waren, stiegen sie bei Erwachsenen weiter an. Parallel nahm auch die Zahl der Arztbesuche wegen ARE leicht zu. Es suchten hochgerechnet rund 1,3 Millionen Menschen wegen entsprechender Symptome eine Arztpraxis auf.

Influenza dominiert im Sentinel

Die virologische Surveillance zeigt eine klare Verschiebung im Erregerspektrum. In den eingesandten Sentinelproben dominierten Influenza-A- und -B-Viren mit einer Positivenrate von 29 %, gefolgt von SARS-CoV-2 und Rhinoviren. Unter den Influenzaviren überwogen A(H3N2)-Stämme, deren Anteil in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen hat. Damit ist die formale RKI-Definition für den Beginn der Grippewelle erfüllt.

Die Influenzaviren wurden in allen Altersgruppen nachgewiesen, besonders häufig jedoch bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mehrfachinfektionen traten vor allem in Kombination mit Rhinoviren auf, in Einzelfällen auch gemeinsam mit SARS-CoV-2.

Schwere Atemwegsinfektionen weiterhin auf niedrigem Niveau

Trotz steigender Infektionszahlen bleibt die Belastung der Krankenhäuser bislang moderat. Die Inzidenz schwerer akuter respiratorischer Infektionen (SARI) lag auch in der 49. Kalenderwoche unter den Vergleichswerten früherer Saisons. Zwar zeigte sich bei Kindern im Vorschulalter sowie bei den 5- bis 34-Jährigen ein Anstieg der Hospitalisierungen, insgesamt bleibt das Niveau jedoch niedrig.

Unter den stationär behandelten SARI-Fällen nahm der Anteil der Influenza-Diagnosen weiter zu und lag zuletzt bei 18 %. COVID-19-Diagnosen machten 7 % aus, RSV spielte mit 3 % weiterhin eine untergeordnete Rolle. Auch auf Intensivstationen ist Influenza zunehmend relevant, während schwere COVID-19-Verläufe aktuell seltener auftreten.

COVID-19: Fallzahlen steigen, Risiko bleibt gering

Die gemeldeten COVID-19-Fallzahlen sind in der 49. Meldewoche erneut gestiegen. Dominierend bleibt die rekombinante SARS-CoV-2-Linie XFG, gefolgt von NB.1.8.1. Die neu als „Variant under Monitoring“ eingestufte Linie BA.3.2 gewann zuletzt an Anteil, wird von RKI, Weltgesundheitsorganisation (WHO) und vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) jedoch derzeit nicht mit einem erhöhten Risiko für die öffentliche Gesundheit in Verbindung gebracht. Eine relevante Einschränkung der Impfstoffwirksamkeit gegen schwere Verläufe wird nicht erwartet.

Auch das Abwassermonitoring zeigt, dass die Viruslasten von SARS-CoV-2, Influenza A sowie RSV in den vergangenen Wochen angestiegen sind. Damit bestätigen unabhängige Surveillance-Systeme den Beginn der saisonalen Atemwegsinfektionswelle.

RKI erinnert an Grippeschutzimpfung

Angesichts der frühen und dynamischen Influenzazirkulation empfiehlt das RKI weiterhin dringend die Grippeschutzimpfung für alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Personengruppen. Zwar zeigen einzelne A(H3N2)-Subkladen eine reduzierte Reaktivität gegenüber dem Impfstamm, ein Schutz vor schweren Krankheitsverläufen wird jedoch weiterhin erwartet.

Insgesamt zeigt sich damit ein typisches, aber zeitlich vorgezogenes Wintergeschehen. Während Influenza zunehmend das Infektionsgeschehen prägt, bleiben schwere Verläufe und die klinische Belastung bislang begrenzt. Das kann sich jedoch mit dem weiteren Verlauf der Saison rasch ändern.

Autor:
Stand:
22.12.2025
Quelle:

Robert Koch-Institut (RKI): ARE-Wochenbericht KW 49/2025, DOI: 10.25646/13584.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: