Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) wurde vom NVH (Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise) Theophrastus als "Heilpflanze des Jahres 2024" ausgezeichnet: „Ein kostenloses Superfood, das mit kleinem Aufwand vor der eigenen Tür beschafft werden kann“, heißt es von der Jury. Der Ernennung der Heilpflanze des Jahres hat laut dem Verein zum Ziel, den Bekanntheitsgrad gesundheitsfördernder Pflanzen zu erweitern.
Verbreitung und Merkmale
Der Schwarze Holunder ist in Deutschland weit verbreitet und zeichnet sich durch seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Bodenbedingungen aus. Er erreicht eine Höhe von bis zu zehn Metern und ist bekannt für seine graubraune Rinde, gegenständigen Blätter und die charakteristischen Trugdolden aus unzähligen gelblich-weiße Blüten. Die schwarzen Früchte gehören zu den Steinbeeren.
Der Holunder hat eine tiefe Verwurzelung in Mythologie und Volksglauben. Beispielsweise hielten ihn die Germanen für den Wohnsitz von Göttinnen und pflanzten ihn als Hausbaum. Auch im medizinischen Kontext wird insbesondere der schwarze Holunder seit jeher verwendet. Den Blüten wird vom Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (The Committee on Herbal Medicinal Products, HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ein traditioneller Nutzen (Traditional use) bescheinigt.
Verwendung der Holunderblüten
Holunderblüten enthalten Flavonoide, Hydroxyzimtsäure-Derivate, N-Phenylpropenoyl-L-amonisäureamide sowie u. a. ätherisches Öl, Monoterpene, Schleim- und Gerbstoffe. Des Weiteren ist der Gehalt an Kaliumsalzen (4-9%) relativ hoch. In Spuren ist außerdem das Glykosid Sambunigrin enthalten, das als potenziell giftig eingestuft wird, da es Zyanid freisetzen kann.
Laut HMPC-Monographie können Holunderblüten bei den ersten Symptomen einer leichten Erkältung angewendet werden (Traditional use). Die Droge wird in Form von Teemischungen angeboten, aber auch als Extrakt in pflanzlichen Kombinationspräparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten.
In der Volksmedizin werden die Blüten außerdem für Schwitzkuren und zur Herstellung von Gurgelwasser verwendet. Klinische Studien gibt es zu Holunderblüten keine.
Verwendung der Holunderbeeren
Die Beeren des Holunders sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen, wie Magnesium, Kalium, Phosphor und Eisen, enthalten aber auch Flavonoid- und Anthocyanglykoside, Aminosäuren, Phenolsäuren, Triterpene, Schleim- und Gerbstoffen. Auch die Samen können Sambunigrin enthalten.
Für einen sprühgetrockneten Holunderbeerensaft wurden antioxidative Effekte nachgewiesen. Des Weiteren zeigten die Flavonoide aus einem speziellen Holunderbeeren-Extrakt in vitro antivirale Aktivität gegen Influenzaviren vom Typ H1N1. Aufgrund der unzureichenden pharmakologischen und klinischen Datenlage konnte bisher jedoch keine HMPC-Monographie verfasst werden. Daher sind auch keine zugelassenen Fertigarzneimittel aus Holunderbeeren mit definierter Indikation verfügbar.
Volksmedizinisch werden die Beeren als Laxans, Diuretikum und Diaphoretikum bei Erkältungskrankheiten angewendet, sogar tendenziell häufiger als die Blüten.
Nebenwirkungen
Zu beachten ist jedoch, dass es beim Verzehr roher oder unzureichend erhitzter Beeren es zu Übelkeit und Erbrechen kommen kann.
Sonstige Verwendung
Holunderblüten können zu einem Sirup oder Gelee verarbeitet werden, die Beeren – nach ausreichendem Erhitzen – zu Saft oder Marmelade. Neben ihrer kulinarischen Verwendung werden die Früchte auch als natürlicher Farbstoff in der Lebensmittel- und Textilindustrie geschätzt.









