TK startet erste Rabattvertragsausschreibung mit Umweltbonus

Mit einem neuen Modell für Rabattverträge setzt die Techniker Krankenkasse ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit in der Arzneimittelversorgung. Im Fokus stehen erstmals Umweltkriterien. Ziel ist es, umweltbewusstes Handeln in der pharmazeutischen Lieferkette zu fördern.

Tk

Nachhaltigkeit und Umweltbedenken werden auch in der Herstellung von Arzneimitteln immer wichtiger. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat nun gemeinsam mit der Handelskrankenkasse (hkk) und der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) erstmals eine Rabattvertragsausschreibung mit Umweltfokus veröffentlicht. Die Federführung liegt bei der TK. Die Ausschreibung umfasst 14 umweltrelevante Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen. Darunter befinden sich Antibiotika und weitere Substanzen, die vom Umweltbundesamt als Spurenstoffe klassifiziert oder in der Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) gelistet sind.

Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie zielt auf eine bessere Wasserqualität ab. Zentral ist die Einführung einer „vierten Reinigungsstufe“ in Kläranlagen, um Mikroverunreinigungen wie Arzneimittel- und Kosmetikrückstände zu entfernen. Ein Schwerpunkte ist die erweiterte Herstellerverantwortung: Produzenten von Humanarzneimitteln und Kosmetika sollen sich künftig an den Kosten beteiligen.

Umweltbonus für Hersteller

Zukünftige Vertragspartner der drei Krankenkassen können im Rahmen der zweijährigen Laufzeit zwei Arten von Umweltboni geltend machen: Einen Bonus für eine umweltzertifizierte Wirkstoffproduktion sowie – bei antibiotischen Wirkstoffen – einen weiteren Bonus bei Einhaltung wirkstoffspezifischer Abwassergrenzwerte am Produktionsstandort. „Verschmutztes Abwasser ist ein wesentlicher Faktor, durch den Resistenzen entstehen und sich verbreiten können“, sagt Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK. Die vorgesehenen Grenzwerte sollen diesem Risiko gezielt entgegenwirken.

Skontomodell als Anreiz für nachhaltige Produktion

Um möglichst viele Hersteller zur Teilnahme zu motivieren, setzt die TK auf ein nachgelagertes Skontomodell: Unternehmen können auch noch während der Vertragslaufzeit Umwelt-Nachweise einreichen und damit nachträglich in den Bonus kommen. „So setzen wir über die gesamte Vertragslaufzeit einen Anreiz für eine umweltbewusste Arzneimittelproduktion und bieten gleichzeitig allen pharmazeutischen Unternehmen die Möglichkeit, an der Ausschreibung teilzunehmen, auch wenn sie zum Zeitpunkt der Angebotsabgabe noch nicht die Bonus-Voraussetzungen erfüllen“, sagt Ballast.

ALBVVG-konforme Ausschreibung

Die Ausschreibung umfasst 14 Wirkstoffe in 20 Fachlosen mit bis zu 38 Zuschlagsplätzen. Die Verträge treten zum 1. April 2026 in Kraft. Mit dem Verfahren werden erstmals 100 % der aktuell ausgeschriebenen Antibiotika bei TK, hkk und HEK gemäß den Vorgaben des Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) vergeben. Dieses schreibt vor, dass bei Antibiotika-Ausschreibungen mindestens ein Zuschlag an Hersteller mit europäischer Wirkstoffproduktion gehen muss.

Autor:
Stand:
30.05.2025
Quelle:
  1. Techniker Krankenkasse (TK)Pressemitteilung, 27.05.2025 
  2. Pharma Deutschland e. V.: EU-Kommunalabwasserrichtlinie
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