Aktuell dominieren Corona-Varianten der Linie JN.1 das Infektionsgeschehen. An diese Variante werden auch die derzeitigen Covid-19-Impfstoffe angepasst. Nun hat sich JN.1 weiterentwickelt und mehrere neue Varianten hervorgebracht, die als FLiRT-Varianten bezeichnet werden. Dieser Name leitet sich von den Buchstaben F, L, R und T ab, die für die charakteristischen Mutationen in diesen Varianten stehen: Bei den Mutationen F456L und R346T wird im Spike-Protein an Position 456 die Aminosäure F durch L und an Position 346 die Aminosäure R durch T ersetzt. Die FLiRT-Varianten sind Subvarianten des Omikron-Stamms.
KP.2-Variante weltweit auf dem Vormarsch
Die FLiRT-Variante KP.2 (JN.1.11.1.2) fällt derzeit besonders auf. Seit April 2024 verbreitet sie sich rasant in mehreren Regionen weltweit. In den USA macht KP.2 mittlerweile 28,5% aller nachgewiesenen Fälle aus, wie die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (Centers for Disease Control and Prevention [CDC]) berichtet. In Deutschland lag der Gesamtanteil aller JN.1 Sublinien – mit Ausnahme der separat als VUM eingestuften JN.1-Sublinien JN.1.7, KP.2, KP.3 und JN.1.18 – in dCovid-19-Impfstoffe er 20. Kalenderwoche 2024 bei 57%, so die Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI). In der 17. und 18. Kalenderwoche betrug der Anteil von KP.2 18%, JN.1.7 11%, KP.3 7% und JN.1.18 2%. Damit sind die JN.1-Sublinien und KP.2 am häufigsten vertreten.
In Großbritannien machte die KP.2-Variante Anfang April bereits 20% der Fälle aus, berichtete eine japanische Forschergruppe Ende April in einem Preprint auf dem Server 'BioRxiv' [3]. Wie das Team ermittelte, liegt die effektive Reproduktionszahl (Re) von KP.2 in den USA, Großbritannien und Kanada 1,22-, 1,32- beziehungsweise 1,26-mal höher als die der JN.1-Variante.
Erhöhte virale Fitness, aber geringere Infektiosität
Laut den japanischen Forschenden weist die KP.2-Variante im Vergleich zu JN.1 die bereits erwähnten Mutationen im Spike-Protein sowie eine zusätzliche Mutation in einem Nicht-Spike-Protein auf. Diese Veränderungen deuten darauf hin, dass KP.2 eine höhere virale Fitness hat und möglicherweise bald zur weltweit vorherrschenden Variante wird. Ein Teil dieser gesteigerten Fitness ist auf das erhöhte Immunfluchtpotenzial von KP.2 zurückzuführen, wodurch das Virus die Immunität von Menschen leichter umgehen kann, sei es durch den Impfstoff oder durch eine frühere SARS-CoV-2-Infektion. Dennoch ist die Infektiosität von KP.2 etwa zehnmal niedriger als die von JN.1. Damit ist das Risiko, das von den JN.1-Abkömmlingen ausgeht, derzeit als gering einzustufen.
Symptome, Tests und Prävention
Noch ist nicht bekannt, ob eine Covid-19-Erkrankung bei den FLiRT-Varianten schwerwiegender verläuft. Laut CDC hängt der Schweregrad der Infektion im Allgemeinen weniger von der Variante ab als vielmehr von der Immunität und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Person. Die bisher erfassten Symptome der FLiRT-Varianten ähneln den bekannten Covid-19-Beschwerden und umfassen Fieber, Husten, verstopfte Nase, laufende Nase, Halsschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Atemprobleme, Müdigkeit, Geruchs- oder Geschmacksverlust, „Brain Fog“ und gastrointestinale Symptome. Die gängigen Covid-19-Tests sollten die FLiRT-Varianten erkennen, die bisher empfohlenen vorbeugenden Maßnahmen bleiben weiterhin hilfreich und antivirale Behandlungen wirksam.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die FLiRT-Varianten zwar neue Mutationen darstellen, die die Situation von Covid-19 verändern könnten, jedoch bleiben Präventivmaßnahmen und Impfungen unsere besten Instrumente, um sie zu bekämpfen.










