ABDA kritisiert geplantes Dispensierrecht für Ärzte

Ein Verordnungsentwurf sieht vor, dass Hausärzte künftig antivirale Medikamente gegen COVID-19 abgeben dürfen. Die Standesvertretung der Apotheker kritisiert die geplante Regelung und rät, den bewährten Vertriebsweg über den pharmazeutischen Großhandel und Apotheken beizubehalten.

Apothekerin gibt der Patientin ihr Medikament

Das Bundesministerium plant ein Dispensierrecht für Hausärzte bei antiviralen Arzneimitteln gegen COVID-19. Durch die neue Regelung könnten Ärzte Medikamente wie Paxlovid künftig bevorraten und direkt an Patienten abgeben. Zudem soll vollstationären Pflegeeinrichtungen eine Möglichkeit zur Bevorratung und Abgabe auf ärztliche Verschreibung verschafft werden. Ziel ist es, einen raschen Behandlungsbeginn zu gewährleisten und die Bereitschaft zur Anwendung der Arzneimittel zu erhöhen.

Während der Deutsche Hausärzteverband das Dispensierrecht für Hausärzte als „großen Fortschritt für die Versorgung von Corona-Risikopatientinnen und -Patienten“ betrachtet, sieht die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) die geplante Regelung kritisch.

Bewährten und sicheren Vertriebsweg nutzen

Bisher werden antivirale Arzneimittel gegen COVID-19 zentral vom Bund beschafft und über den pharmazeutischen Großhandel an die Apotheken verteilt, die die Medikamente auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung an die Patienten abgeben. Die ABDA lehnt in der Stellungnahme zum Referentenentwurf eine Abweichung von diesem „bewährten und sicheren“ Vertriebsweg ab. Es sei, auch aufgrund der Möglichkeit einer telefonischen Bestellung vorab sowie dem Botendienst, bereits jetzt eine unverzügliche und zeitnahe Versorgung der Patienten sichergestellt.

Fehlende Verordnungsbereitschaft?

Die Praxis zeige, dass das ausreichende Mengen der betroffenen Arzneimittel zur Verfügung stehen und das Problem vielmehr die fehlende Bereitschaft der Ärzte sei, die antiviralen Medikamente zu verordnen. Wie eine direkte Abgabe an Patienten dieses Problem „sachgerecht“ lösen soll, erschließe sich der ABDA nicht. Kritisiert wird insbesondere der finanzielle Anreiz zur Arzneimittelverordnung durch die neue Regelung.

Direkter Patientenkontakt in der Praxis

Auch die praktische Umsetzung wirft bei der Standesvertretung der Apotheker Fragen auf. Auf das Coronavirus positiv getestete Patienten müssten, um ein antivirales Medikament zu erhalten, trotz Quarantäneregelung eine Arztpraxis aufsuchen. Im Gegensatz dazu sei durch den Botendienst der Apotheken eine Abgabe der Arzneimittel auch ohne direkten persönlichen Kontakt möglich. Die Beratungsleistung könne nötigenfalls im Botendient oder telefonisch erfolgen und wirke sich positiv auf die Effektivität der Therapie und die Patientensicherheit aus.

Richtige Lagerungsbedingungen sicherstellen

Zudem sei bisher ungeklärt, wie die richtigen Lagerungsbedingungen der COVID-19-Arzneimittel sichergestellt werden sollen. Ein Bezug der Arzneimittel durch Arztpraxen und stationäre Pflegeeinrichtungen müsse ausschließlich über öffentliche Apotheken erfolgen.

Schutz vor Fälschung gewährleisten

Darüber hinaus müsste festgelegt werden, wie die Überprüfung und Deaktivierung des securPharm DataMatrix-Codes erfolgen soll. Technisch sei dies nur in den abgebenden Apotheken möglich. Eine Rücknahme der Packungen sei nach der Ausbuchung unzulässig. Die Entsorgung verfallener Packungen müssten laut ABDA daher von den Praxen oder Heimen durchgeführt werden, da die Apotheken diese Kosten nicht tragen würden.

ABDA lehnt Dispensierrecht für Ärzte ab

Die ABDA fordert schließlich „nachdrücklich, von den geplanten Änderungen Abstand zu nehmen. Vielmehr sollten konstruktive Wege gesucht werden, im Miteinander der akademischen Heilberufe – Ärzt*innen als medizinische Behandler*innen, Apotheker*innen als pharmazeutische Expert*innen – die bestmögliche Arzneimittelversorgung für die betroffenen Patient*innen sicherzustellen. Gerade die hier erforderlichen hochkomplexen Prüfungen möglicher Wechselwirkungen zwischen den jeweils eingenommenen Arzneimitteln müssen im vertrauensvollen und partnerschaftlichen Dialog zwischen den beteiligten Heilberufen vorgenommen werden. Ohne die Einbindung der Apotheker*innen mit ihren spezifisch pharmazeutischen Fachkenntnissen drohen ansonsten eine qualitativ schlechtere Versorgung sowie damit verbundene Gesundheitsschäden, wenn potentielle Risiken nicht erkannt werden.“

Autor:
Stand:
08.08.2022
Quelle:
  1. ABDA: Stellungnahme – Referentenentwurf einer Vierten Verordnung zur Änderung der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung“ (05.08.2022)
  2. Deutscher Hausärzteverband: Pressemitteilung – Pressestatement zum geplanten hausärztlichen Dispensierrecht zur Behandlung von COVID-19-Erkrankungen (02.08.2022)
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