Mit dem Beginn der Erkältungssaison rückt auch das Thema Testen wieder in den Fokus. Dank moderner Schnelltests ist es mittlerweile möglich, gleichzeitig auf die drei wichtigsten Viren – Influenza, respiratorisches Synzytialvirus (RSV) und SARS-CoV-2 – zu testen. Forschende von der University of Colorado Boulder (UCB), USA, haben ein mathematisches Modell entwickelt, um den effektivsten Testzeitpunkt zu bestimmen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift 'Science Advances' veröffentlicht.
Effektivität von Schnelltests: Influenza und RSV sofort testen, Covid-19 nach zwei Tagen
Mithilfe eines umfassenden Modells, das Testspezifikationen, die Dynamik der Viren im Wirtsorganismus und menschliches Verhalten berücksichtigte, untersuchten die Forschenden, wann und wie Schnelltests am effektivsten eingesetzt werden sollten. Die Ergebnisse waren teils überraschend. Schnelltests zur Testung auf das Influenza-A-Virus und RSV sollten sofort nach Symptombeginn erfolgen, um die Ausbreitung der Erreger und deren Übertragung in der Bevölkerung zu kontrollieren.
„Für SARS-CoV-2 haben wir herausgefunden, dass es am besten ist, zwei Tage nach dem Auftreten der Symptome zu warten, um den Test zu benutzen, da das Virus bis dahin wahrscheinlich nicht nachweisbar ist“, erklärte Casey Middleton, Doktorandin an der Fakultät für Informatik und im IQ-Bio-Programm der UCB sowie Erstautorin der Studie.
Es zeigte sich, dass eine Person mit Covid-19 in 92% der Fälle ein falsches negatives Ergebnis erhält, wenn der Schnelltest sofort nach dem Auftreten von Symptomen durchgeführt wird. Wartet man zwei Tage nach Symptombeginn, sinkt diese Rate auf 70%. Wird am dritten Tag ein zweiter Test gemacht, sinkt die falsch negative Rate noch weiter, sodass die Tests etwa ein Drittel der Infektionen aufdecken.
Warum das Warten bei Covid-19 entscheidend ist
Das Immunsystem der meisten Menschen, die bereits zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert waren, ist darauf vorbereitet, bei einem erneuten Auftreten von Covid-19 zu reagieren. Diese Immunreaktion verursacht Symptome, so die Erklärung der Forschenden. Zudem verbreiten sich neue Varianten bei Personen mit einer gewissen Immunität etwas langsamer als der ursprüngliche Stamm. Bei RSV und Grippe hingegen vermehrt sich das Virus so schnell, dass ein Test bereits positiv ausfällt, sobald Beschwerden auftreten. „Wenn man ein paar Tage wartet, könnte der Zeitpunkt für Covid richtig sein, aber für Grippe und RSV ist es dann zu spät“, sagte Daniel Larremore, Professor für Informatik am BioFrontiers Institute und Hauptautor der Studie.
Schnelltests bleiben unverzichtbar
Die Studie zeigt, dass Schnelltests nicht an Bedeutung verloren haben. Sie liefern schneller Ergebnisse als PCR-Tests, auf deren Resultate man aufgrund der längeren Bearbeitungszeit warten muss. Rasche Resultate sind jedoch für eine frühzeitige Diagnose entscheidend, betont Larremore.
Die Tests sind darauf ausgelegt, Personen zu identifizieren, die eine hohe Viruslast aufweisen und daher am ehesten andere anstecken können. „Wenn wir nur ein Drittel der Infektionen diagnostizieren, kann die Übertragung immer noch erheblich reduziert werden, wenn wir das infektiöseste Drittel diagnostiziert haben“, sagte er.
Die Forschenden hoffen, dass ihr Modell Unternehmen dabei helfen kann, effektivere Tests zu entwickeln, Kliniker besser zu unterstützen und im Falle einer weiteren Pandemie Entscheidungsträger in die Lage zu versetzen, rasche, datengestützte Empfehlungen für Tests zu geben.