Corona-Variante Arcturus nimmt in Indien sprunghaft zu

Die SARS-CoV-2-Variante XBB.1.16 (auch als Arcturus bezeichnet) sorgt in Indien für einen sprunghaften Anstieg der Covid-19-Fälle. Coronaexperten verfolgen das Infektionsgeschehen mit Sorge.

XBB.1.16

Hintergrund

Nach drei Jahren Coronapandemie hat sich die Lage endlich etwas beruhigt, die Zahl der SARS-CoV-2-Neuinfektionen ist weltweit gesunken, das Leben fast wieder wie vor Coronazeiten. Zu sorglos sollte man sich allerdings nicht fühlen, wie ein Trend in Indien beweist. Dort hat die neue rekombinante Untervariante von Omikron XBB.1.16 (auch als „Arcturus“ bezeichnet) zu einer drastischen Erhöhung der SARS-CoV-2-Neuansteckungen geführt. Innerhalb von 14 Tagen sind die Infektionszahlen um 281% und die Zahl der Todesfälle um 17% gestiegen, twittert Vipin Vashishta, Forscher am Mangla Hospital und Research Center im indischen Bijnor und Mitglied der WHO-Vakzin-Gruppe [1]. Auch hierzulande wurde XBB.1.16 schon detektiert – Fokus Online zufolge handelt es sich um einen Fall in Bayern und einen in Baden-Württemberg [2].

Innerhalb eines Tages mehr als 1.000 SARS-CoV-2-Neuansteckungen

Innerhalb von 24 Stunden wurden in Indien mehr als 1.000 SARS-CoV-2-Neuansteckungen gemeldet, in 76 Proben fand sich die Variante XBB.1.16, schreibt IndiaTV [3]. Nach Ansicht von ExpertInnen bestehe noch kein Grund zur Panik, die Lage müsse aber streng beobachtet werden. Vashishta mahnt auf Twitter: „Alle Augen sollten auf Indien gerichtet sein! Wenn es XBB.1.16 alias #Arcturus gelingen könnte, die ‚robuste‘ Bevölkerungsimmunität von Indern zu durchbrechen, die dem Ansturm von Varianten wie BA.2.75, BA.5, BQs, XBB.1.5 erfolgreich widerstanden haben, dann muss sich die ganze Welt ernsthaft Sorgen machen!“ [4]

XBB.1.16 – eine Rekombination von zwei Sublinien der Omikron-Variante

XBB.1.16 ist eine Rekombination von zwei Sublinien der Omikron-Variante und gehört zur sogenannten „Gryphon (Greifen)-Familie. XBB stammt von den Omikron-Subvarianten BA.2.10 und BA.2.75 ab und hat sich bis jetzt in 25 Sublinien weiterentwickelt. XBB.1 alias „Hyppogryph“ (Hipogreif) zirkuliert weltweit; die Untervariante XBB.1.5 alias „Kraken“ dominierte im Dezember 2022 das Infektionsgeschehen in den USA. In Deutschland wurden XBB-Abkömmlinge in 56% aller SARS-CoV-1-Proben nachgewiesen – XBB.1.5 kam am häufigsten vor, heißt es im aktuellen Corona-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) [5].

Laut WHO nimmt die Prävalenz der XBB-Linien weltweit zu, die zuvor vorherrschenden Omikron-Untervarianten BA.5 und BA.2 wurden nahezu vollständig verdrängt [6].

XBB.1.16 könnte die Immunabwehr von Geimpften und Genesenen unterlaufen

XBB.1.16 weist als eine Weiterentwicklung von XBB.1 neue Mutationen auf, die gefährlich werden könnten. Gegenüber der bereits als besorgniserregend eingestuften Kraken-Rekombinante hat „Arcturus“ drei zusätzliche Spike-Mutationen (E180V, K478R und S486P) sowie ORF9b-Begleitmutationen. Vor allem letztere könnten dafür sorgen, dass die Immunabwehr von Geimpften und Genesenen unterlaufen wird, heißt es im „Technical Briefing“ Nummer 51 der Regierungsbehörde des britischen Gesundheitsministeriums im Vereinigten Königreich (UK Health Security Agency [UKHSA]). Dort steht XBB.1.16 bereits unter Beobachtung [7].

Starker Wachstumsvorteil

Gegenüber der sich im Dezember 2022 rasant ausbreitenden Untervariante XBB.1.5 zeigt XBB.1.16 nochmal einen Wachstumsvorteil von rund 140%. Neben Indien wurde die Variante in den USA, in Brunei, Singapur, dem Vereinigten Königreich, Australien, Japan, Südkorea, Dänemark, Italien, Irland, Kanada, Österreich und auch in Deutschland gefunden [8]. Noch sind die absoluten Fallzahlen niedrig. Hinweise auf schwere Krankheitsverläufe gibt es bislang nicht, ebenso scheint die Hospitalisierungsrate stabil – die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Autor:
Stand:
22.03.2023
Quelle:
  1. Vashishtha, V. M., Twitter, 17. März 2023.
  2. Fokus online, Artikel, 21. März 2023.
  3. IndiaTV, News, 20. März 2023.
  4. Vashishtha, V. M., Twitter, 17. März 2023.
  5. Robert Koch-Institut (RKI), Covid-19-Wochenbericht, 16. März 2023.
  6. Weltgesundheitsorganisation (WHO), Wochen-Update, 16. März 2023.
  7. UK Health Security Agency, SARS-CoV-2 variants of concern and variants under investigation in England – Technical briefing 51, 10. März 2023.
  8. Rajnarayanan, R., Tracking XBB.1.16* Lineage Over Time, abgerufen am 21. März 2023.
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