Uneinheitlichkeit bei Empfehlungen zur Badehäufigkeit
Die optimale Badefrequenz bei atopischer Dermatitis (AD) ist ein häufiges Thema in der Patientenberatung, wird jedoch in internationalen Leitlinien uneinheitlich bewertet. Die Evidenzlage war bislang schwach, da frühere Studien klein und methodisch limitiert waren. Die Eczema Bathing Study adressierte diese Lücke nun mit einem pragmatischen, patientenzentrierten Studiendesign.
Randomisierte Studie zur Badefrequenz bei AD
In die zweiarmige, randomisierte Online-Studie wurden 438 Patienten (Kinder und Erwachsene ab einem Jahr, POEM >2) mit selbstberichteter AD eingeschlossen. Die Randomisierung erfolgte 1:1 auf wöchentliches (1–2 Mal/Woche) oder tägliches (≥6 Mal/Woche) Baden/Duschen über vier Wochen. Die primäre Zielgröße war der wöchentliche POEM-Score (Patient-Oriented Eczema Measure, 0–28 Punkte). Sekundäre Endpunkte umfassten Lebensqualität, Ekzemkontrolle, Juckreizintensität, Behandlungsbedarf und Sicherheit. Die Adhärenz zur zugeteilten Badefrequenz lag bei 80–90 %.
Symptomverlauf unabhängig von der Badehäufigkeit
Der mittlere POEM-Score sank in beiden Gruppen im Verlauf der vier Wochen. Die adjustierte Differenz im mittleren POEM-Score zwischen wöchentlichem und täglichem Baden betrug –0,4 (95%-Konfidenzintervall –1,3 bis 0,4; p = 0,30). Auch bei den sekundären Endpunkten Juckreiz, Ekzemkontrolle, Lebensqualität und Behandlungsbedarf zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Die Anwendung von Feuchtigkeitscremes blieb in beiden Gruppen konstant, der Einsatz von topischen Steroiden war in der wöchentlichen Gruppe geringfügig niedriger. Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet.
Einordnung der Ergebnisse und Limitationen
Die Studie liefert erstmals belastbare Daten, dass die Häufigkeit des Badens oder Duschens bei AD keinen relevanten Einfluss auf die Symptomatik hat. Den Autoren zufolge könnten Patienten ihre Badegewohnheiten daher individuell anpassen, ohne eine Verschlechterung der Symptome befürchten zu müssen. Die Ergebnisse unterstützten eine patientenzentrierte Beratung und könnten helfen, widersprüchliche Empfehlungen in Leitlinien zu harmonisieren.
Zu den Limitationen zählen die Selbstselektion der Teilnehmer, die Selbstangabe der Diagnose und die relativ kurze Studiendauer von vier Wochen. Die Übertragbarkeit auf andere Populationen und klimatische Bedingungen bleibt zu prüfen.









