Handekzeme zählen zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. In der Allgemeinbevölkerung beträgt die Punktprävalenz etwa 4 %, die Einjahresprävalenz rund 9,1 %. Das beruflich bedingte Handekzem ist eine der am häufigsten Berufskrankheiten in Europa. Betroffen sind vor allem Berufsgruppen mit intensivem Hautkontakt zu Feuchtigkeit, Chemikalien oder irritativen Substanzen – etwa Beschäftigte im Bauwesen, im Gesundheitswesen oder im Friseurhandwerk.
Neben den körperlichen Beschwerden wie Juckreiz, Hautläsionen und Funktionseinschränkungen beeinträchtigt die Erkrankung häufig den Schlaf, die Arbeitsfähigkeit und die psychische Gesundheit. Depressive Symptome und emotionale Belastungen sind keine Seltenheit. Bisher wurden diese Aspekte zumeist als Teil der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erfasst, nicht jedoch als eigenständiger Parameter.
Gezielte Analyse: Psychische Krankheitslast bei beruflich bedingtem Handekzem
Vor diesem Hintergrund analysierte eine im 'Contact Dermatitis' veröffentlichte Untersuchung gezielt die emotionale Belastung von Patienten mit beruflich bedingtem Handekzem. Durchgeführt wurde die Studie am Institut für Interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) der Universität Osnabrück in Kooperation mit dem Niedersächsischen Institut für Berufliche Dermatologie (NIB), beide angesiedelt am Department für Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie der Universität Osnabrück.
Ziel war es, die psychometrischen Eigenschaften des „Atopic Eczema Score of Emotional Consequences“ (AESEC) in dieser Patientengruppe zu prüfen und die emotionale Krankheitslast zu bestimmen. Der AESEC ist ein Fragebogen, der ursprünglich für Patienten mit atopischer Dermatitis entwickelt wurde und ausschließlich emotionale Folgen der Hauterkrankung erfasst. Ob die bei atopischer Dermatitis etablierte dreifaktorielle Struktur auch für das beruflich bedingte Handekzem zutrifft, war bislang ungeklärt.
Daten von 223 Patienten ausgewertet
Die Untersuchung basierte auf den Angaben von 223 Patienten (55,6 % weiblich; mittleres Alter 48,1 ± 12,0 Jahre), die an einem stationären Präventionsprogramm für berufsbedingtes Handekzem teilnahmen. Erhoben wurden sowohl soziodemografische Daten als auch selbstberichtete und klinisch bewertete Krankheitsaktivität.
Für die Analyse der Faktorenstruktur kam eine explorative Faktorenanalyse zum Einsatz, die emotionale Belastung wurde anhand der AESEC-Itemantworten bewertet.
Abweichende Faktorenstruktur im Vergleich zu atopischer Dermatitis
Die bei Patienten mit atopischer Dermatitis etablierte Dreifaktorenstruktur des AESEC ließ sich in der Gruppe mit berufsbedingtem Handekzem nicht bestätigen. Stattdessen ergab die Faktorenanalyse eine fünf- bis sechsfaktorielle Struktur mit akzeptabler bis guter interner Konsistenz für die meisten Faktoren. Mehrere Items wiesen jedoch sogenannte Kreuzladungen auf, bei denen einzelne Fragen auf mehr als einen Faktor stark einwirkten.
So teilten sich etwa die Items des Faktors „ausgeglichen/zufrieden“ in die separaten Faktoren „Balance“ und „Handhabbarkeit“. Die Items der Faktoren „verzweifelt/belastet“ und „unsicher/besorgt“ verteilten sich auf drei andere Faktoren, sodass keine eindeutige inhaltliche Abgrenzung möglich war.
Hohe emotionale Krankheitslast deutlich sichtbar
Unabhängig von der veränderten Faktorenstruktur zeigten die deskriptiven Analysen eine deutlich ausgeprägte emotionale Belastung. Besonders häufig nannten die Patienten Sorgen um ihr Leben, Gefühle von Traurigkeit, Kontrollverlust, Einschränkungen im Alltag und Belastung durch Juckreiz.
Auffällig war, dass deutlich mehr Teilnehmer angaben, sich wegen ihres Ekzems Sorgen um ihr Leben zu machen oder sich in ihrem Leben eingeschränkt zu fühlen, als dies in Vergleichsstudien mit atopischer Dermatitis der Fall war. Dies unterstreicht die besondere psychische Betroffenheit dieser Patientengruppe.
Emotionale Belastung erfordert psychologische Unterstützung
Die Studie dokumentiert eine deutlich ausgeprägte emotionale Belastung von Patienten mit beruflich bedingtem Handekzem. Die Autoren sehen darin einen klaren Hinweis darauf, psychologische Unterstützung gezielt in die dermatologische Versorgung dieser Patientengruppe zu integrieren.
Zudem empfehlen sie weitere Untersuchungen zur Validität und Faktorenstruktur des AESEC bei berufsbedingtem Handekzem, um die Erfassung emotionaler Folgen künftig noch präziser gestalten zu können.









