Hautersatz aus der Retorte statt Spalthaut

Tiefe Verbrennungen erfordern eine effektive chirurgische Wundabdeckung. Eine Phase-IIb-Studie untersucht eine bioengineered autologe Haut als Alternative zur Spalthauttransplantation.

Verbrennung Haut

Bei tiefen Verbrennungen ist die chirurgische Wundabdeckung essenziell, um Infektionen zu vermeiden, Heilungszeiten zu verkürzen und funktionelle wie ästhetische Ergebnisse zu verbessern. Der aktuelle Goldstandard ist die autologe Spalthauttransplantation. Doch das ist nicht immer möglich: Je nach Größe und Ausprägung der Verbrennung stehen beim jeweiligen Patienten nur begrenzte Spenderareale zur Verfügung. Dazu kommt noch die zusätzliche Traumatisierung gesunder Haut und eine häufig ausgeprägte Narbenbildung.

Vor allem bei ausgedehnten Verbrennungen reicht häufig die verfügbare Spenderhaut vom Patienten selbst nicht aus. Wiederholte Entnahmen erhöhen das Risiko für Schmerzen, Infektionen und hypertrophe Narben an den Entnahmestellen. Zudem ist die Narbenqualität im Transplantatbereich oft unbefriedigend, was langfristig funktionelle Einschränkungen wie Kontrakturen nach sich ziehen kann. Es besteht also ein hoher Bedarf an innovativen Hautersatzverfahren, die den Spenderhautbedarf reduzieren und die Narbenbildung minimieren.

Bioengineered autologe Hautersatzverfahren

Tissue-Engineering-Ansätze zielen darauf ab, Patienten-eigene Haut aus kleinen Biopsien zu generieren und großflächig einsetzbar zu machen. Und das ist mit dem neuen autologen Hauttransplantat denovoSkin™ gelungen. Mit dem von Wissenschaftlern in der Schweiz und den Niederlanden entwickelten Verfahren kann aus kleinen, etwa briefmarkengroßen Hautbiopsien ein zweischichtiges (Epidermis und Dermis) Hauttransplantat gezüchtet werden. 

Retortenhaut versus Spalthaut bei Verbrennungsopfern

Ob dieses zweischichtige "Hautprodukt" im Vergleich zur klassischen Spalthaut eine sichere und wirksame Wundabdeckung ermöglicht und gleichzeitig strukturelle Nachteile der Standardtherapie überwindet, sollte in einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten Phase-IIb-Studie untersucht werden. Eingeschlossen wurden 13 Patienten mit tiefen Verbrennungen, die eine operative Wundabdeckung benötigten. Bei jedem Patienten wurden zwei vergleichbare Wundareale entweder mit denovoSkin™ oder mit autologer Spalthaut (Split-Thickness Skin graft; STSG) versorgt. Dieses Design erlaubte einen direkten Vergleich unter identischen patientenspezifischen Bedingungen. Die Nachbeobachtung umfasste Sicherheits- und Wirksamkeitsparameter über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten.

Mehr Haut zur Defektdeckung, weniger Narbenbildung

Der primäre Wirksamkeitsendpunkt zeigte eine deutlich höhere Expansionseffizienz des bioengineered Hauttransplantats, d.h. mit einem um ein Vielfaches höheren Verhältnis zwischen Biopsiegröße und transplantierter Fläche konnte denovoSkin™ den Bedarf an Spenderhaut signifikant reduzieren. Beide Behandlungsarme erreichten innerhalb von drei Monaten eine vollständige Epithelialisierung, was die grundsätzliche Wirksamkeit beider Verfahren bestätigt.

Ein wesentlicher Unterschied zeigte sich in der langfristigen Narbenbeurteilung. Während im Spalthautbereich überwiegend hypertrophe Narben dokumentiert wurden, zeigte sich bei der Versorgung mit dem gezüchteten Hautersatz über zwölf Monate hinweg keine klinisch relevante Narbenbildung. Dieser Befund ist von besonderer Bedeutung, da Narben nicht nur ästhetische, sondern auch funktionelle Einschränkungen verursachen können und bislang in randomisierten Studien kaum vermeidbar waren.

Beide Therapien wiesen ein vergleichbares Sicherheitsprofil auf. Die wenigen Ereignisse, die möglicherweise mit dem bioengineered Hauttransplantat assoziiert waren, verliefen mild und selbstlimitierend. Schwerwiegende therapiebedingte Komplikationen traten nicht auf, was die klinische Anwendbarkeit des Verfahrens unterstützt.

Trotz begrenzter Fallzahl: Alternative zur Spalthaut bestätigt

Die Studie zeigt, dass ein bioengineered autologes Hauttransplantat eine sichere und effektive Alternative zur Spalthauttransplantation sein kann. Besonders relevant ist die Kombination aus hoher Expansionsrate und minimaler Narbenbildung. Auch wenn die Fallzahl begrenzt ist, liefern die Ergebnisse einen wichtigen Hinweis darauf, dass strukturelle Nachteile des bisherigen Goldstandards überwunden werden könnten.

Für die klinische Praxis eröffnet sich die Perspektive, den Bedarf an Spenderhaut deutlich zu reduzieren und gleichzeitig langfristige funktionelle Ergebnisse zu verbessern. Zukünftige Studien mit größeren Patientenkollektiven und längerer Nachbeobachtung sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und patientenrelevante Endpunkte weiter zu evaluieren. Die vorliegenden Daten markieren einen bedeutenden Schritt hin zu nachhaltigeren und patientenschonenderen Therapiekonzepten in der Verbrennungsmedizin.

Autor:
Stand:
02.04.2026
Quelle:

Meuli M, et al. (2025): Safety and efficacy of bio-engineered, autologous dermo-epidermal skin grafts in adolescent and adult burn patients: 1-year results of a prospective, randomized, controlled, multicenter phase IIB clinical trial. EClinicalMedicine. DOI: 10.1016/j.eclinm.2025.103665.

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