Die chronische Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) ist eine protrahiert einsetzende Reaktion des Spenderimmunsystems gegen Gewebe des Empfängers, die bei 30% bis 50% der allogenen hämatopoetischen Zelltransplantationen auftritt. Sie ist die Hauptursache für Morbidität und Sterblichkeit ohne Rückfall nach einem Transplantationsverfahren und geht auch mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität einher. Immunmodulierende Medikamente, die zur Behandlung der chronischen GvHD eingesetzt werden, können unerwünschte kardiovaskuläre und metabolische Wirkungen sowie Infektionen hervorrufen [1].
GvHD der Haut
Obwohl sich eine chronische GvHD in verschiedenen Organen manifestieren kann, ist bei bis zu 80% der Patienten die Haut betroffen. Das klinische Bild ist ein makulopapulöses Exanthem und Erythrodermie, die häufig von Juckreiz begleitet wird. Prädilektionsstellen sind lichtexponierte Hautareale wie Dekolleté, Nacken, Unterarme und Gesicht [2]. Die Haut gilt außerdem als prognostischer Marker, da es einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der betroffenen Hautstellen und dem Überleben gibt.
Von Patienten gemeldete Ergebnisse und Überleben
Bisher sind der genaue Zusammenhang zwischen der Hautbeteiligung und den von den Patienten gemeldeten Ergebnissen (PROs) sowie ihr Nutzen als klinischer Prognosemarker unbekannt. Eine multizentrische prospektive Kohortenstudie analysierte daher PROs bei Patienten mit epidermaler und sklerotischer Erkrankung [1]. Ebenfalls wurde der Frage nachgegangen, ob PROs Personen mit erhöhtem Sterberisiko identifizieren können. Dazu wurden standardisierte Bewertungen der chronischen GvHD-Aktivität der Haut durch Kliniker und Patienten zu Beginn der Studie und alle drei bis sechs Monate durchgeführt.
Insgesamt wurden 436 Patienten mit chronischer GvHD der Haut von 2007 bis 2012 in die Studie aufgenommen und bis Dezember 2020 beobachtet. Die Mehrheit der Patienten wies eine chronische GvHD vom epidermalen Typ auf (52,5%), gefolgt von 30,0% mit sklerotischer Erkrankung und 17,4% mit einer Kombination aus beiden. Die Symptombelastung der Haut wurde anhand der Lee Symptom Scale Score (LSS) bewertet, die aus mehreren Fragen besteht und die Symptombelastung auf einer linearen Skala von 0 bis 100 anzeigt. Außerdem wurden die Lebensqualität mit der Functional Assessment of Cancer Therapy–Bone Marrow Transplantation (FACT-BMT) Skala sowie die Sterblichkeit bewertet.
Sklerotische GvHD belastet mehr als epidermale GvHD
Zum Zeitpunkt des Auftretens der chronischen GvHD wiesen Patienten mit sklerotischer und kombinierter Erkrankung deutlich schlechtere LSS-Subskalenwerte auf als Patienten mit epidermaler Erkrankung. Auch die Lebensqualität wurde von Patienten mit sklerotischer GvHD tendenziell schlechter eingestuft als von Patienten mit epidermaler GvHD. Bei Patienten mit kombinierter Erkrankung waren die mittleren LSS-Subskalenwerte während des gesamten Krankheitsverlaufs um 9,0 Punkte schlechter als bei Patienten mit epidermaler Erkrankung.
Skalenwerte und Sterblichkeit
Klinisch bedeutsame Unterschiede wurden definiert als mindestens sieben Punkte niedriger auf der FACT-BMT-Skala und elf Punkte höher auf der LSS-Skala. Zum Zeitpunkt der Diagnose war eine klinisch bedeutsame Verschlechterung des FACT-BMT-Scores mit einer um 9,1% erhöhten Sterblichkeitsrate ohne Rückfall verbunden. Ebenso stieg bei einer klinisch bedeutsamen Verschlechterung des LSS-Subskalenwerts die Wahrscheinlichkeit der Sterblichkeit ohne Rückfall um 16,4%. Von den 436 Patienten mit chronischer GvHD der Haut starben insgesamt 315 Patienten (188 mit Rückfall, 127 ohne Rückfall).
Fazit
Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie zeigen, dass eine chronische GvHD der Haut mit einer langfristigen Beeinträchtigung des Wohlbefindens verbunden ist. Dabei weisen sklerotische und kombinierte Erkrankungen die höchste Morbidität auf. Der Grad der Beeinträchtigung bei der Diagnose war außerdem ein prognostischer Marker für die Mortalität. Daher könnten PROs für die Risikostratifizierung und die Behandlungsauswahl in der klinischen Praxis und in klinischen Studien nützlich sein.









