KoPra 2024: Digitale Möglichkeiten beim Hautkrebsscreening

Angesichts der weltweit steigenden Inzidenz von Hautkrebs eröffnen digitale Technologien in der Dermatologie neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Früherkennung und Behandlung. Innovative Technologien können dazu beitragen, die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen und die Patientenversorgung zu verbessern.

Dermatologie digital

Das Hautkrebsscreening ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsvorsorge und zielt darauf ab, Hautkrebs, insbesondere Melanome, in einem frühen und behandelbaren Stadium zu erkennen. Die Früherkennung umfasst eine Kombination aus klinischen Untersuchungen, bildgebenden Verfahren und gegebenenfalls histologischen Untersuchungen.

Wie die Digitalisierung die Dermatologie dabei unterstützen kann, beantworteten Dr. Schuh und Prof. Kurzen. Auf der Tagung Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra) Anfang März in Wiesbaden gaben sie einen Überblick über den aktuellen Stand des Hautkrebsscreenings und die Möglichkeiten der Digitalisierung.

Aktuelle Herausforderungen beim Hautkrebsscreening

Das Hautkrebsscreening und die Diagnostik von Hautveränderungen stehen vor einigen Herausforderungen. Begrenzte Terminverfügbarkeit und fehlende diagnostische Möglichkeiten bzw. mangelnde Expertise der behandelnden Ärzte erschweren eine adäquate Früherkennung. Häufig wird nur die Wirkung topischer Therapien ohne histologische Untersuchung überprüft, was die Zuverlässigkeit des Screenings beeinträchtigen kann. Außerdem werden Diagnosen oft verspätet gestellt, da die Patienten eher wegen akuter Beschwerden als zur regelmäßigen Früherkennung kommen.

Die hohe "Number needed to excise" und die steigende Hautkrebsrate werfen Fragen nach der Effektivität des Screenings auf. Zudem ist der Einfluss der Früherkennung auf die Senkung der Hautkrebssterblichkeit unklar. Diese Faktoren unterstreichen die Dringlichkeit einer kontinuierlichen Überprüfung und Anpassung der Strategien.

Digitale Technologien in der Dermatologie

Die Digitalisierung in der Dermatologie ist eine Möglichkeit, die Patientenversorgung zu verbessern und die aktuellen Herausforderungen bei der Früherkennung von Hautkrebs zu bewältigen.

Dazu gehört beispielsweise die Verbesserung der diagnostischen Genauigkeit durch den Einsatz von KI-gestützten Bildanalysetechnologien. Telemedizin und Fernkonsultationen erweitern den Zugang zur Versorgung unabhängig vom Standort des Patienten.

Wearables ermöglichen die Früherkennung und Überwachung von Hautveränderungen. Diese Geräte fördern auch die Aufklärung und das Engagement der Patienten, indem sie es ihnen ermöglichen, sich aktiver an der Überwachung ihrer Gesundheit zu beteiligen.

Schließlich können digitale Technologien auch die Nachsorge und Überwachung von Hauterkrankungen verbessern, was zu einer lückenloseren Versorgung und einem geringeren Risiko von Rezidiven führt.

Videodermatoskopie mit KI

Die Videodermatoskopiemit KI kombiniert hochauflösende Bildgebung der Haut mit künstlicher Intelligenz (KI), um verdächtige Hautläsionen zu identifizieren und zu klassifizieren. KI-Algorithmen werden darauf trainiert, Muster zu erkennen, die für bestimmte Hautkrebsarten charakteristisch sind, und können Dermatologen bei der Diagnose unterstützen.

Ganzkörperfotografie

Die digitale Ganzkörperfotografie ermöglicht es Ärzten, die Haut des gesamten Körpers auf einmal zu erfassen und zu dokumentieren. Diese Technik ist besonders nützlich, um Veränderungen im Laufe der Zeit zu überwachen und frühe Stadien von Hautkrebs zu erkennen.

Dermatoskopie mit KI-Plattform

Moderne Dermatoskope, die mit KI-Plattformen verbunden sind, bieten eine detaillierte Ansicht von Hautläsionen und nutzen KI zur Analyse und Bewertung. Diese Systeme unterstützen die Unterscheidung zwischen malignen und benignen Läsionen mit einer höheren Genauigkeit als bisher.

OCT und LC-OCT mit KI-Unterstützung

Die optische Kohärenztomographie (OCT) und die konfokale optische Kohärenztomographie (LC-OCT) sind nichtinvasive bildgebende Verfahren, die detaillierte Bilder der Hautschichten liefern. Durch die Integration von KI können diese Technologien die Diagnostik verbessern und feine Details sichtbar machen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.

Konfokale Laserscanmikroskopie (KLM)

Mit der Konfokale Laserscanmikroskopie (KLM) können lebende Hautzellen in Echtzeit und mit hoher Auflösung beobachtet werden. Diese Technik wird zur Unterscheidung zwischen malignen und benignen Hautveränderungen eingesetzt und kann in einigen Fällen invasive Biopsien ersetzen, was insbesondere bei Kindern von Vorteil ist.

Smartphone-Apps

Verschiedene Smartphone-Apps ermöglichen es Patienten, Fotos von Hautläsionen zu machen und diese zur Beurteilung an ihren Dermatologen zu senden. Einige Apps verwenden KI-Algorithmen, um die Wahrscheinlichkeit einer malignen Veränderung zu bewerten und Empfehlungen für das weitere Vorgehen zu geben.

Telemedizin

Telemedizinische Plattformen ermöglichen es Patienten, Hautbilder sicher an Dermatologen zu senden, die eine Ferndiagnose stellen können. Dies ist besonders nützlich für Menschen, die in abgelegenen Gebieten leben oder schnellen Zugang zu dermatologischer Expertise benötigen.

Optimale Integration der digitalen Möglichkeiten – ein Fallbeispiel

Dr. Schuh stellte anhand eines Patientenfalls eine optimale Anwendung der digitalen Möglichkeiten vor. Der Patient hatte sich mit einem handelsüblichen Handy fotografiert, aus den Fotos wurde ein 3D-Modell erstellt, das wiederum von den Ärzten eingesehen werden konnte. In diesem Fall fielen zwei Hautläsionen im Gesicht auf. Der Patient wurde zeitnah einbestellt, eine bildgebende Diagnostik wurde durchgeführt und anschließend konnte mit der Therapie begonnen werden.

Zukunftsaussichten des digitalen Hautkrebsscreenings

Die Zukunft der Hautkrebsvorsorge sieht einen verstärkten Einsatz digitaler Technologien vor, die eine präzisere Diagnose und eine personalisierte Behandlung ermöglichen. Dennoch bleibt die Frage nach der Effektivität von Hautkrebs-Screenings im Hinblick auf die Senkung der Melanom-Mortalität ein kritischer Diskussionspunkt in der Dermatologie.

Abschließend betonten die Referenten, dass das primäre Ziel sein sollte, diejenigen Patienten herauszufiltern, bei denen ein Melanom sicher ausgeschlossen werden kann. Ein weiteres Ziel ist es, nicht-dermatologische Kollegen darin zu schulen, Hautkrebs zu erkennen und Patienten zu identifizieren, die ein Screening benötigen. Denn obwohl das Screening ab dem 35. Lebensjahr von den Krankenkassen bezahlt wird, nehmen nur etwa 30% dieses Angebot wahr.

Autor:
Stand:
12.03.2024
Quelle:

Schuh S., Kurze H. et al.: „Im Dialog: Hautkrebsscreening – kann man das digitalisieren?“, Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra) der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), Wiesbaden 1. März 2024

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