Atopische Dermatitis (AD) ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen im Kindesalter. Weltweit sind erhebliche Anteile der pädiatrischen Bevölkerung betroffen. Neben den direkten Hautsymptomen besteht ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Nahrungsmittelallergien und Asthma. Der Krankheitsbeginn im frühen Kindesalter ist häufig mit einer langfristigen Krankheitslast verbunden, die Lebensqualität, Schlaf und psychosoziale Entwicklung beeinflusst. Präventive Strategien haben daher in der pädiatrischen Dermatologie eine besonders hohe Relevanz.
Offene Fragen zur Prävention durch Hautpflege
Mehrere Studien haben die Rolle von Hautpflegeprogrammen in der Primärprävention untersucht. Die Ergebnisse fielen jedoch heterogen aus – bedingt durch Unterschiede in Hautpflegegewohnheiten, klimatische Rahmenbedingungen und Studiendesigns. Während in Europa von häufigem Baden eher abgeraten wird, gehören in Japan tägliche Bäder und Gazewaschungen traditionell zur Neugeborenenpflege.
Vor diesem Hintergrund wurden zwei groß angelegte Untersuchungen durchgeführt – eine in den USA und eine in Japan –, die die präventive Wirkung von Hautpflege bei atopischer Dermatitis unter unterschiedlichen Bedingungen prüften.
Tägliches Eincremen ab der Säuglingszeit im Fokus einer großen US-Studie
Die in 'JAMA Dermatology' veröffentlichte CASCADE-Studie („Community-based Assessment of Skin Care, Eczema, and Allergies“) umfasste 1.247 Säuglinge mit ihren Eltern aus 25 kinder- und allgemeinmedizinischen Praxen in vier US-Bundesstaaten (Rekrutierung 2018–2021, Follow-up bis 2023). Die Eltern-Kind-Paare wurden randomisiert entweder einer täglichen Ganzkörperanwendung von Emollients ab spätestens der neunten Lebenswoche oder einer Kontrollgruppe ohne Hautpflegeanweisung zugeteilt.
Primärer Endpunkt war eine ärztlich diagnostizierte atopische Dermatitis bis zum 24. Lebensmonat.
Tägliches Eincremen reduziert Risiko für atopische Dermatitis
Zentrale Ergebnisse:
- AD-Inzidenz: 36,1 % (Intervention) vs. 43,0 % (Kontrolle)
- Relatives Risiko (RR): 0,84; 95 %-Konfidenzintervall [KI], 0,73–0,97; p = 0,02
- Deutlichere Risikoreduktion in nicht vorbelasteten Familien (RR: 0,75; 95 %-KI, 0,60–0,90; p = 0,01)
- Signifikanter Einfluss der Hundehaltung (RR: 0,68; 95 %-KI, 0,50–0,90; p = 0,01)
Sekundäre Endpunkte – darunter das Auftreten von Nahrungsmittelallergien, Asthma oder Hautinfektionen – unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Die eingesetzten Hautpflegeprodukte enthielten keine bekannten Allergene oder Reizstoffe.
Sanfteres Waschen plus Eincremen bei japanischen Säuglingen untersucht
In Japan wurde eine prospektive Untersuchung veröffentlicht, die in den 'International Archives of Allergy and Immunology' erschien und 272 Mutter-Kind-Paare einschloss. Untersucht wurden zwei Gruppen:
- Kontrollgruppe (2019, n = 132): traditionelle Hautpflege mit häufigen Bädern, Gazewaschungen und ohne standardisierte Anwendung von Hautcremes
- Interventionsgruppe (2020, n = 140): weniger invasive Waschmethoden kombiniert mit täglicher Anwendung von Feuchtigkeitscremes
Primärer Endpunkt war das Auftreten von atopischer Dermatitis nach zwölf Monaten, erhoben mittels Fragebogen.
Präventiver Effekt vor allem bei Wintergeborenen nachweisbar
Zentrale Ergebnisse:
- Gesamtpopulation: keine signifikanten Unterschiede in der Inzidenz von atopischer Dermatitis nach sechs und zwölf Monaten
- Subgruppenanalyse: Bei Kindern, die im Winter (Januar–März) geboren wurden, war die Prävalenz von atopischer Dermatitis in der Interventionsgruppe signifikant geringer (2,9 % vs. 21,2 %; p = 0,0253).
Die Autoren schlussfolgerten, dass klimatische Bedingungen – insbesondere kalte und trockene Jahreszeiten – den präventiven Effekt von Hautpflegeprogrammen verstärken können.
Fazit: Beide Studien bestätigen Nutzen präventiver Hautpflege im Säuglingsalter
Beide Studien belegen die präventive Rolle von täglicher Hautpflege in der frühen Kindheit, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
- USA (CASCADE): Signifikante Risikoreduktion in einer unselektierten Säuglingspopulation; stärker ausgeprägt in nicht vorbelasteten Familien.
- Japan: Kein Effekt in der Gesamtpopulation, jedoch deutlicher saisonaler Nutzen bei im Winter geborenen Kindern unter angepassten Hautpflegebedingungen.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass regionale Unterschiede in Hautpflegepraktiken, klimatische Faktoren und möglicherweise genetische Einflüsse den Effekt präventiver Maßnahmen mitbestimmen. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass tägliche Hautpflege mit Emollients in den ersten Lebensmonaten das Risiko einer atopischen Dermatitis verringern kann.







