Mit den steigenden Temperaturen fliegen sie wieder: Bienen und Wespen bestäuben derzeit die Pflanzen. Was zum Sommer dazugehört, macht Bienen- und Wespengift-Allergikern Angst. Der Stich eines Hautflüglers ist zwar für jeden schmerzhaft, aber nur schätzungsweise 3,5% der Bevölkerung sind tatsächlich allergisch auf diese Insektengifte.
Hohe Dunkelziffer für Anaphylaxie vermutet
Ist dies der Fall, kann es gefährlich werden: eine schwere anaphylaktische Reaktion droht. Die Zahl der hierzulande statistisch erfassten Todesfälle ist mit etwa 20–40 pro Jahr niedrig, doch Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer, da diese Insektengiftallergien oft nicht als solche erkannt werden. Daten des deutschen und europäischen Anaphylaxieregisters zeigen, dass die Insektengiftallergie im Erwachsenenalter die bei weitem häufigste Ursache für schwere allergische Reaktionen ist.
Unterschieden werden bei der Anaphylaxie vier Schweregrade:
- Von Grad I (mild) spricht man, wenn die Reaktion systemisch ist, aber „nur“ Hautsymptome auftreten wie Hautrötungen, Juckreiz und/oder Schwellungen.
- Treten zusätzlich Übelkeit, Kreislaufprobleme, Schluckbeschwerden und/oder Atemnot auf, handelt es sich um eine moderate Manifestation oder Grad II.
- Als schwerwiegend gelten Grad III und IV, die sich durch Symptome des Magen-Darm-Traktes (Erbrechen, Durchfall), der Atemwege (Bronchospasmus, Asthmaanfall bis Atemstillstand) oder durch Kreislaufversagen mit Bewusstlosigkeit bis hin zum Kreislaufstillstand äußern.
IgG-Antikörper-Bestimmung sichert Diagnose
Wenn die Reaktion über die Haut hinaus geht (ab Grad II), sollte auf eine Insektengiftallergie untersucht werden. Um eine Sensibilisierung nachzuweisen, müssen heutzutage keine Hauttests mehr erfolgen. Stattdessen können aus dem Blut die Konzentrationen spezifischer IgE-Antikörper (sIgE) gegen Bienen- und/oder Vespidengifte, deren Bestandteile und gegebenenfalls andere Gifte bestimmt werden.
Menschen, die bereits eine anaphylaktische Reaktion durchgemacht haben, leben in ständiger Angst, dass dies erneut passiert – womöglich mit schlimmerem Ausgang. Erleichterung verschafft ihnen die Verordnung eines Notfall-Sets, dass sie allerdings immer für den “Stich-Fall” mit sich führen müssen.
Immuntherapie bei hoher Exposition
Besser und langfristig wirksam schützt eine Immuntherapie vor schweren allergischen Reaktionen. Bei der Bienengiftallergie liegt die Wirksamkeit bei bis zu 94%, bei der Wespengiftallergie bis zu 99%. Die Immuntherapie sollte – wenn sich die Verdachtsdiagnose Bienen- bzw. Wespengiftallergie im Labor bestätigt – den Patienten ab einem Anaphylaxie-Grad II empfohlen werden.
Bei hohem Risiko für erneute Stiche, etwa bei Imkern, Bäckereimitarbeitern, Gärtnern oder Forstwirten, oder bei erheblicher Einschränkung der Lebensqualität, kann bereits ab Grad I eine Hyposensibilisierungsbehandlung durchgeführt werden.
Ein Nachteil der Immuntherapie ist ihre Dauer: Patienten müssen sich auf eine jahrelange Behandlung einstellen. Dies ist möglicherweise ein Grund, warum nur etwa 10% der infrage kommenden Personen eine Immunisierung erhalten.
Bis die Therapie wirkt, sollten die Patienten darin geschult werden, wie sie Stiche vermeiden können. Außerdem sollten sie, ihre Angehörigen und Freunde den Umgang mit dem Notfall-Set beherrschen, falls es doch zu einem Bienen- oder Wespenstich kommt.







