Kopf-Hals - Basalzellkarzinom R0 oder R1-Resektion?

Die Wissenschaftler zeigten, dass R1-resezierte Basalzellkarzinome keine signifikant höhere Rezidivrate im Vergleich zur R0-Resektion aufwiesen. Sie schlussfolgerten daher, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine R1-Resektion im Kopf-Hals-Bereich akzeptiert werden könnte.

Basalzellkarzinom Kopf

Leitlinie empfiehlt R0-Resektion beim Basalzellkarzinom

Das Basalzellkarzinom (basal cell carcinoma [BCC]) ist die häufigste Tumorart weltweit und macht etwa 70% der Hauttumoren aus [1,2].

Die Inzidenz variiert lokal stark zwischen Australien mit >1.000/100.000 und <1/100.000 in Afrika [3]. In Europa liegt die Inzidenz bei etwa 170/100.000 [2].

Die Leitlinien für die Behandlung des BCC empfehlen die komplette chirurgische Resektion mit Hilfe der mikroskopisch kontrollierten Resektion als Goldstandard. Die Leitlinien empfehlen Re-Resektionen, bis der R0-Status erreicht ist [4]. Diese Empfehlungen basieren auf den Rezidivraten nach R1-Resektion eines BCC im Kopf-Hals Bereich, die mit 23,8% bis 46% angegeben werden [5,6]. Der R1-Status liegt histopathologisch vor, wenn der Sicherheitsabstand geringer als 1mm ist. Dies gilt auch, wenn keine Tumorzellen die Resektionsgrenze infiltrieren.

R0-Resektion kann z.T. im Kopf-Hals-Bereich schwer erreicht werden

Einen Sicherheitsabstand zu lassen stellt je nach Lokalisation, Histologie und Größe des Tumors insbesondere in der anatomisch komplexen Kopf-Hals-Region häufig eine Herausforderung dar.

Studie untersuchte die Rezidivsituation bei R1 versus R0-resezierten BCC im Kopf-Hals-Bereich

Die vorliegende retrospektive Studie evaluierte daher die Rezidivhäufigkeit bei histologisch gesichert R1-resezierten BCCs im Kopf-Hals-Bereich versus R0-resezierten [7].

Das operative Standardvorgehen der Studienautoren war die mikroskopisch kontrollierte chirurgische Exzision des BCCs, bis eine R0-Situation erreicht wurde. Zunächst wurde hierfür die Wunde nach der primären Exzision temporär verschlossen und das Präparat am nächsten Tag histologisch untersucht, um den R-Status festzustellen. Danach wurde entschieden, die Wunde entweder zu verschließen oder erneut zu resezieren, bis der R0-Status erreicht wurde.

Bei ausgewählten Patienten wurde nach mindestens zweimaliger Resektion ein R1-Status akzeptiert.

Die Nachuntersuchung der Patienten wurde im ersten postoperativen Jahr alle drei Monate durchgeführt und danach alle sechs Monate bis zum fünften Jahr.

Die Mehrzahl der R1-resezierten BCCs befand sich im Stadium T2

In die Studie wurden insgesamt 191 BCC-Patienten eingeschlossen. Die Tumore waren im Bereich der Nase (34,4%), Ohr (22,4%), Wangen (12,5%), frontotemporale Region (11,5%), periorbitale Region (10,4%), Kopfhaut (3,6%), perioral (3,1%) und Hals (1,6%) lokalisiert.

Histologisch war der häufigste Typ das noduläre BCC (55%), gefolgt vom sklerosierend-infiltrierenden BCC (16,2%), mikronodulären (13,6%) und superfiziellen BCC (4,7%). Bei 10,5% wurde keine histologische Subtypisierung durchgeführt.

183 der untersuchten BCCs (95,8%) befanden sich zum Zeitpunkt der Diagnose und Resektion im T1-Stadium (Durchmesser <2cm), während 8 (4,2%) im Stadium T2 waren (Durchmesser: 2-4cm).

Nach der initialen Resektion konnten 117 Patienten R0-reseziert werden, während 74 Patienten R1-reseziert wurden. Diese befanden sich signifikant häufiger im Stadium T2 (6/8) als im Stadium T1 (68/183) (p<0,04). Durch Nachresektion konnten insgesamt 145 Patienten den R0-Status erlangen.

Bei insgesamt 46 (24,1%) der Patienten wurde eine R1-Situation auf Grund der anatomischen Gegebenheiten und der Patientenwünsche akzeptiert. Sie wurden engmaschig nachuntersucht.

Die Hauptlokalisationen der R1-resezierten BCCs waren die Nase, Ohr und Augenpartie.

Die Rezidivrate unterschied sich nicht signifikant zwischen den R0- und R1-resezierten BCCs (p=0,19)

Insgesamt schlossen 54 der R0-Patienten und 40 der R1-Patienten das Follow-Up komplett ab (2,4±0,4 Jahre). In der R0-Gruppe traten 0 Rezidive und bei den R1-resezierten BCCs traten nach 822 bzw. 919 Tagen 2 Lokalrezidive auf. 

Fazit:

Die Studienautoren kamen daher zu dem Schluss, dass ein R1-Status akzeptiert werden kann, wenn das Operationsgebiet problematisch und eine häufige Nachuntersuchung gesichert ist, und ist, da die Rezidivrate nicht signifikant höher war im Vergleich zu den R0-resezierten BCCs.

Autor:
Stand:
09.05.2023
Quelle:
  1. Leiter et al (2014): Epidemiology of skin cancer. Advances in Experimental Medicine and  Biology; DOI: 10.1007/978-1-4939-0437-2_7
  2. Barnes et al (2016): Eds.Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Kapitel 2: Epidemiologie von Krebserkrankungen. Robert Koch Institut, Berlin
  3. Lomas et al. (2012): A systematic review of worldwide incidence of nonmelanoma skin cancer. British Journal of Dermatology, DOI: 10.1111/j.1365-2133.2012.10830.x
  4. Lang et al. (2019): S2k-Leitlinie Basalzellkarzinom der Haut - Teil 2: Therapie, Prävention und Nachsorge. Journal der Deutschen Dermatologischen Gessellschaft; DOI: 10.1111/ddg.13755_g
  5. Jankovic et al. (2010): Does incomplete excision of basal cell carcinoma of the eyelid mean tumor recurrence? Anais Brasileiros de Dermatologia; Doi: 10.1590/s0365-05962010000600014
  6. Miszczyk et al. (2017): Incomplete excision of basal cell carcinoma (BCC) in the head and neck region: to wait, or not to wait? Postepy Dermatolgii I Alergologii; DOI:  10.5114/ada.2017.72467
  7. Stankovic et al. (2022): Basal Cell Carcinoma of the Head and Neck—A Retrospective Single-Centre Comparison of the Recurrence Rate after R0 or R1 Resection. Facial Plastic Surgery; DOI: 10.1055/s-0042-1756466
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