Omalizumab bei Lebensmittelallergie bei Kindern

Eine Studie zeigte kürzlich, dass Omalizumab eine effektive Monotherapie für Kinder mit Lebensmittelallergie sein kann. Hierdurch können sie gegen allergische Reaktionen, die auf eine akzidentelle Exposition mit geringen Allergenmengen zurückzuführen sind, geschützt werden.

Erdnüsse Kind

Akzidentelle Ingestion von Lebensmittelallergenen sehr gefährlich

Eine Lebensmittelallergie in der Kindheit ist häufig und betrifft etwa 6% der Kinder in Europa. 30% von ihnen sind gegen mehr als ein Lebensmittel allergisch. Die häufigsten Allergieauslöser in der Kindheit sind Eier, Kuhmilch, Erdnüsse, Haselnüsse und Weizen. Erdnuss- und Haselnussallergien gehen besonders häufig mit schweren anaphylaktischen Reaktionen einher. Im Vergleich zu Allergien gegenüber Milch, Weizen und Ei entwickeln die Betroffenen zudem seltener eine Toleranz im Laufe der Zeit.

Aktuell gilt die Empfehlung der Vermeidung der Allergieauslöser sowie das Mitführen von Antiallergika. Dennoch bleibt die Angst der betroffenen Familien vor einer versehentlichen Ingestion des Allergens. Einige betroffene Kinder weisen sehr geringe Schwellen auf und jede akzidentelle Allergeningestion setzt sie einem lebensbedrohlichen Risiko aus. Therapien für diese Kinder sind daher dringend notwendig.

Einige Studien zeigten, dass Omalizumab ein vielversprechendes Medikament sein könnte, um die Reaktionsschwelle der betroffenen Allergiker zu erhöhen.

Erhöht Omalizumab die Reaktionsschwelle bei Lebensmittelallergie?

Eine aktuelle Analyse untersuchte daher die Wirksamkeit von Omalizumab bei Kindern mit Lebensmittelallergie.

Für die Studie wurden 20 Kinder eingeschlossen, die eine Schwelle von <443 mg Protein bei einem doppelblinden placebo-kontrollierten oralen Provokationstest aufwiesen, und auf die Gruppen Placebo (sechs Kinder) versus Omalizumab (14 Kinder) aufgeteilt.

Die erste Kontrolle mittels oralem Provokationstest wurde nach drei Monaten durchgeführt und umfasste mehrere Konzentrationen des Lebensmittelproteins (3, 10, 30, 100, 300, 1.000 und 3.000 mg Protein). Wenn diese Kontrolle negativ ausfiel, erfolgte ein offener Provokationstest mit bis zu 10.000 und 30.000mg Protein. Nach sechs Monaten erfolgte erneut ein oraler Provokationstest.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Änderung der Schwelle nach drei Monaten Behandlung. Ein Ansprechen auf die Therapie wurde als ein Anstieg von >2 Schritten in der Reaktionsschwelle definiert.

Kinder mit Omalizumabtherapie tolerierten höhere Allergendosen

In der Omalizumab-Gruppe beendeten elf Kinder den oralen Provokationstest nach sechs Monaten. Einer von ihnen entwickelte eine allergische Reaktion, während die anderen zehn 4.443 mg des Lebensmittelproteins tolerierten.

In der Placebo-Gruppe zeigten alle sechs Kinder allergische Reaktionen im oralen Provokationstest, während drei Kinder, die nach drei Monaten auf eine Hochdosis Omalizumab-Therapie umstellten, den Test nach sechs Monaten ohne allergische Reaktion abschlossen. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe tolerierten die Kinder, die mit Omalizumab therapiert wurden, drei Monate nach Beginn der Behandlung höhere Dosen des Allergens.

Omalizumab erhöhte Reaktionsschwelle bei allen Kindern

Bei allen Kindern, die mit Omalizumab behandelt wurden, erhöhte sich die Reaktionsschwelle um mindestens zwei Schritte. In der Placebo-Gruppe erhöhten nur zwei der Kinder ihre Schwelle, während ein Kind sogar eine Absenkung der Reaktionsschwelle zeigte.

Zudem fand sich ein signifikanter Unterschied zwischen der Omalizumab- und der Placebo-Gruppe beim oralen Provokationstest nach drei Monaten (p=0,003).

Nach Beendigung der Behandlung mit Omalizumab zeigten die Kinder allerdings wieder ihre ursprüngliche Schwelle.
Die initiale Schwelle zu Studienbeginn betrug zwischen 13-443 mg Lebensmittelprotein, während sie nach drei Monaten Therapie auf bis zu 44.000 mg anstieg (1.143-44.000).

Quaddeln im Pricktest wurden kleiner während Omalizumabtherapie

Bei der Quaddelgröße im Pricktest kam es nach der Omalizumab-Therapie zu einer signifikanten Abnahme im Vergleich zum Ausgangswert (p<0,02). Drei Monate nach Beendigung der Therapie fand sich kein signifikanter Unterschied mehr zur ursprünglichen Quaddelgröße.

Die Quaddelgröße der Placebo-Gruppe änderte sich nicht nach drei Monaten.

IgE Werte erhöhten sich signifikant unter Omalizumabtherapie

Das Gesamt-IgE erhöhte sich signifikant im Vergleich zum Ausgangslevel (p<0,0002) und blieb auch nach Therapiebeendigung erhöht (p<0,0003). Auch das spezifische IgE (sIgE) des auslösenden Allergens erhöhte sich signifikant nach Beginn der Omalizumab-Therapie (nach drei Monaten p<0,0002; nach sechs Monaten p<0,0003). Die Erhöhung blieb auch nach Beendigung der Behandlung signifikant (p<0,0006). In der Placebo-Gruppe blieben die Gesamt-IgE und sIgE Level konstant.

Keine schweren unerwünschten Wirkungen während Therapie

Im Verlauf der Studie kam es zu keinen schweren unerwünschten Wirkungen. Infektionen waren die meisten unerwünschten Wirkungen und waren gleich häufig in beiden Gruppen verteilt.

Die Studie ist bei clinicaltrials.gov unter NCTO4037176 registriert.

Autor:
Stand:
28.02.2024
Quelle:

Mortz et al. (2024): A randomized, double-blind placebo-controlled study on the efficacy of Omalizumab on food allergy threshold in children with severe food allergy. Allergy, DOI: https://doi.org/10.1111/all.16046

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