Taurin im Fokus der Altersforschung

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass Taurin einen wesentlichen Einfluss auf den Alterungsprozess haben könnte. In verschiedenen Spezies konnte gezeigt werden, dass eine Erhöhung der Taurinspiegel durch Nahrungsergänzungsmittel sowohl die Gesundheits- als auch die Lebensspanne der Tiere verlängerte.

Altern

Taurin ist eine Aminosulfonsäure und unterscheidet sich von Aminosäuren darin, dass sie keine Aminocarbonsäure darstellt und deshalb auch keine Peptide bilden kann. Sie fungiert als zentrales Element vielfältiger biologischer Prozesse, doch ihre genaue Funktion ist bisher ungeklärt. Vorangegangene Forschungsarbeiten legen nahe, dass eine Korrelation zwischen der Taurinkonzentration im Blut und dem allgemeinen Gesundheitszustand bestehen könnte.

Abnahme der Taurinkonzentration im Alter

In einer aktuellen Studie von Singh et al., die in Science veröffentlicht wurde, haben Forscher die Blut-Taurinkonzentration während des Alterungsprozesses gemessen und die Effekte von Taurinsupplementen auf die Gesundheit und Lebensdauer verschiedener Spezies analysiert.

Das Forscherteam untersuchte zunächst die Taurinspiegel im Blutstrom von Mäusen, Affen und Menschen und stellte fest, dass die Taurinkonzentration mit zunehmendem Alter erheblich abnimmt. Bei 60-jährigen Menschen waren die Taurinspiegel nur etwa ein Drittel der Werte, die bei Fünfjährigen gefunden wurden.

Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die Supplementierung mit Taurin wichtige Marker des Alterns wie erhöhte DNA-Schäden, Telomerase-Defizienz, beeinträchtigte mitochondriale Funktion und zelluläre Seneszenz verlangsamte.

Taurinsupplementierung: Auswirkungen auf Lebens- und Gesundheitsspanne

Mäuse, die innerhalb der Studie Taurin erhielten, lebten länger und zeigten eine verbesserte Gesundheitsspanne: Die mittlere Lebensdauer der mit Taurin behandelten Mäuse stieg um 10 bis 12% an, und die Lebenserwartung mit 28 Monaten erhöhte sich um etwa 18 bis 25%.

Ebenso verbesserten sich die Funktionen von Knochen, Muskulatur, Bauchspeicheldrüse, Gehirn, Fett, Darm und Immunsystem, was auf eine allgemeine Verbesserung des Gesundheitszustandes hindeutet. Ähnliche Effekte wurden bei Affen beobachtet.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass Mäuse, denen der Haupttransporter für Taurin fehlte, eine kürzere Lebenserwartung hatten.

Menschliche Anwendung und zukünftige Forschung

Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, kann eine Übertragung auf den Menschen noch nicht erfolgen. Weitere Forschung, insbesondere langfristige, gut kontrollierte Taurinsupplementierungsstudien, die die Gesundheitsspanne und Lebensdauer als Outcome messen, sind notwendig, um die potenziellen Vorteile von Taurin als Anti-Aging-Strategie zu bestätigen.

Autor:
Stand:
09.06.2023
Quelle:

Parminder Singh et al, Taurine deficiency as a driver of aging, Science (2023). DOI: 10.1126/science.abn9257

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