Bestandteil der Sekundärprävention ist die Kontrolle pigmentierter Hautveränderungen bei Patienten mit dysplastischen Nävi oder familiärer Prädisposition für Hautkrebs. In der Praxis ist diese Verlaufskontrolle jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden: Läsionen müssen manuell identifiziert und mit einem Dermatoskop dokumentiert werden - ein zeitaufwändiger und fehleranfälliger Prozess.
Neue Technologie kombiniert TBP und Dermatoskopie
Seit mehr als 20 Jahren hat sich daher ein zweistufiger Ansatz etabliert: Die Kombination von Ganzkörperaufnahmen (TBP [Total Body Photography]) zur Erfassung der gesamten Hautoberfläche und der gezielten digitalen Dermatoskopie einzelner Läsionen. Moderne TBP-Systeme arbeiten inzwischen mit Polarisationsfiltern, hochauflösender Bildgebung und 3D-Avataren. Dennoch reicht die Auflösung für eine detaillierte diagnostische Beurteilung oft nicht aus und macht eine zusätzliche Dermatoskopie nach wie vor notwendig.
Abhilfe verspricht ein neu entwickeltes, vollständig autonomes Gerät, das TBP und automatisierte Dermatoskopie in einem System vereint. In einer aktuellen Studie wurde dieses System erstmals im klinischen Vergleich zur konventionellen manuellen Dermatoskopie untersucht.
Vergleichsstudie unter klinischen Bedingungen
Ziel der prospektiven Kohortenstudie war der systematische Vergleich der Bildqualität, der diagnostischen Übereinstimmung und der Zeiteffizienz beider Methoden. Eingeschlossen wurden 316 Patienten mit mindestens 30 sichtbaren pigmentierten Läsionen ≥3 mm. Die Studie wurde in zwei dermatologischen Zentren in Spanien durchgeführt.
Alle Teilnehmenden wurden sowohl mit dem autonomen Gerät als auch mit einem Handdermatoskop untersucht. Zwei erfahrene Dermatologen beurteilten unabhängig voneinander die Bildqualität. Zusätzlich erfolgte eine Klassifikation der Läsionen in neun vordefinierte Diagnosen sowie eine Messung der Bildaufnahmezeit.
Standardisierte Bildgebung und automatische Läsionserkennung
Das getestete System besteht aus einer robotergesteuerten Kabine mit standardisiertem Licht, einer Kamera für polarisierte Ganzkörperaufnahmen und einer hochauflösenden Dermatoskopiekamera. Die Patienten werden über Video- und Sprachanweisungen durch standardisierte Positionen geführt. Eine integrierte Software erkennt automatisch alle Läsionen ≥3 mm und erstellt entsprechende klinische und dermatoskopische Bilder. Die Bilder werden anschließend strukturiert für die medizinische Befundung bereitgestellt.
Die im Gerät eingesetzte KI dient ausschließlich der Detektion und Lokalisation von Hautveränderungen. Eine automatische Diagnose wird nicht durchgeführt.
Bildqualität überzeugt unabhängig von Körperregion
Die Bildqualität war durchweg hoch: 99 der Bilder waren scharf und zeigten diagnostisch relevante Merkmale wie symmetrische Pigmentnetzwerke, pseudonetzartige Muster, miliaähnliche Zysten, komedoartige Öffnungen, charakteristische Gefäßstrukturen (z.B. komma- oder haarspangenförmige Gefäße) sowie homogene Pigmentverteilungen oder strukturlose Areale. Auch feine Details wie Mikroulzerationen oder eiförmig-graue Nester bei Basalzellkarzinomen waren in den Aufnahmen erkennbar.
Hohe diagnostische Übereinstimmung zwischen beiden Verfahren
Das automatisierte System erreichte einen mittleren Qualitätswert von 9,84 (von 10), die manuelle Methode 9,44. Unterschiede in der Bildqualität je nach Körperregion oder Läsionstyp konnten nicht festgestellt werden.
Die Übereinstimmung der diagnostischen Klassifikation zwischen beiden Verfahren lag bei über 91 %. Diskrepanzen traten fast ausschließlich bei kleinen benignen Läsionen auf, meist bei der Differenzierung zwischen melanozytärem Nävus und benigner Keratose. Maligne Veränderungen waren insgesamt selten (<1 %).
Zeitersparnis bei hoher Läsionsanzahl
Die Aufnahmezeit betrug beim autonomen System durchschnittlich 8,5 Minuten (inkl. Videoanleitung) gegenüber ca. 9 Minuten bei der manuellen Methode. Insbesondere bei Patienten mit mehr als 40 Läsionen zeigte sich eine signifikante Zeitersparnis. Angesichts steigender Fallzahlen und knapper Ressourcen ist diese Effizienzsteigerung von hoher klinischer Relevanz.
Unterstützung für den dermatologischen Alltag
Die Integration autonomer bildgebender Systeme in den dermatologischen Alltag kann die Effizienz steigern. Insbesondere bei vielen Hautveränderungen ermöglicht die automatisierte Kombination von TBP und Dermatoskopie eine Dokumentation mit hoher diagnostischer Aussagekraft.
Der standardisierte Ablauf entlastet das Fachpersonal und schafft Raum für eine gezielte ärztliche Befundung.
Die Studie zeigt aber auch weiteren Forschungsbedarf auf. Die fehlende Repräsentation dunkler Hauttypen und der geringe Anteil maligner Befunde schränken die Aussagekraft ein. Zukünftig könnte die Integration von KI-gestützter Auswertung die klinische Anwendung weiter verbessern - vorausgesetzt, sie basiert auf einer vielfältig zusammengesetzten und ausreichend validierten Datenbasis.








