Automatisierte Insulinabgabe bei Typ-1-Diabetes: Ein Fortschritt in der Kinder- und Jugendmedizin

Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse untersuchte automatisierte Insulinabgabesysteme bei ambulant behandelten Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes. Die Systeme verbesserten kurz- und langfristig die Blutzuckerkontrolle.

Kind mit Insulinpumpe

An der chronischen Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes (T1D) leiden laut Schätzungen des Diabetes-Atlas der International Diabetes Federation 1,21 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von unter 20 Jahren weltweit.

Ein Zielparameter für die langfristige Glukoseeinstellung ist der Wert des glykosylierten Hämoglobin A1c (HbA1c). Die American Diabetes Association empfiehlt, diesen unter 7% zu halten. Das entspricht einer durch kontinuierliche Glukoseüberwachung gemessenen Time in Range (TIR, Zeit im Zielbereich) von über 65–75%. Trotz des zunehmenden Einsatzes von Insulinpumpentherapie und kontinuierlicher Glukoseüberwachung erreichen viele Kinder und Jugendlichen die Zielwerte nicht.

AID bei Kindern

Bei der automatisierten Insulinabgabe (AID) handelt es sich um ein hybrides System mit geschlossenem Regelkreis, das automatisch eine Insulindosis basierend auf Glukosesensorwerten und einem Dosierungsalgorithmus verabreicht. Es stellt sich die Frage, ob diese Systeme bei Kindern und Jugendlichen T1D im ambulanten Bereich geeignet sind, den Blutzucker zu kontrollieren. Im Rahmen einer der ersten systematischen Überprüfungen und Metaanalysen, die nur Studien an Kindern und Jugendlichen einschloss, untersuchten chinesische Wissenschaftler diese Fragestellung.

Endpunkte der Studie

In den Datenbanken PubMed, Embase, dem Cochrane Central Register of Controlled Trials und ClinicalTrials.gov suchten die Forscher bis zum 4. Mai 2023 nach randomisierten kontrollierten Studien, die AID-Systeme mit konventioneller Insulintherapie bei ambulant behandelten Kindern und Jugendlichen im Alter bis 25 Jahre mit T1D verglichen. Sie schlossen nur Studien ein, die Ergebnisse einer kontinuierlichen Glukoseüberwachung berichteten.

Die konventionelle Insulintherapie umfasste mehrere tägliche Insulininjektionen, eine kontinuierliche subkutane Insulininfusion und eine sensorgestützte Pumpe mit oder ohne Unterbrechung bei niedrigem Glukosespiegel.

Der primäre Endpunkt war definiert als der prozentuale Anteil der Gesamtzeit im Zielbereich (TIR = 3,9–10 mmol/L). Die sekundären Endpunkte waren Zeit unterhalb des Zielbereichs (Time Below Range, TBR) <3,9 mmol/L, TBR <3,0 mmol/L, Zeit oberhalb des Zielbereichs (Time Above Range, TAR) >10 mmol/L, TAR >13,9 mmol/L sowie schwere hypoglykämische Ereignisse und diabetische Ketoazidose.

Länger im Zielbereich mit AID

In die Metaanalyse wurden 25 Studien (1.345 Teilnehmer) einbezogen. Zu Beginn lag das Durchschnittsalter der Teilnehmer zwischen 3,9 und 17 Jahren und ihr HbA1c-Wert zwischen 7,3% und 10,6%.

Der Einsatz von AID-Systemen führte zu einer um 11,38% erhöhten TIR, was 164 Minuten pro Tag entspricht. Der positive Effekt war konsistent, unabhängig davon, ob AIDs über drei oder sechs Monate angewendet wurden. Die TIR schien sich bei AID-Systemen mit zwei Hormonen im Vergleich zu AID-Systemen mit nur einem Hormon weiter zu verbessern. Allerdings war die Datenlage dazu dünn.

TAR >10 mmol/L verringerte sich um 12,19% (176 Minuten) verglichen mit der Kontrollbehandlung, und TBR <3,9 mmol/L um 0,59% (8 Minuten). AID wirkten sich auch auf TAR >13,9 mmol/L positiv aus, es gab jedoch keinen Unterschied in der TBR <3,0 mmol/L zwischen AID und konventioneller Insulintherapie.

Unerwünschte Ereignisse

Episoden schwerer Hypoglykämie wurden in sechs Studien erwähnt, wobei es keinen Unterschied zwischen AID-Systemen und konventioneller Insulintherapie gab. In drei Studien wurden vier diabetische Ketoazidose-Ereignisse gemeldet, die alle in den AID-Gruppen auftraten.

Limitationen

Zu den Einschränkungen der Arbeit zählte, dass die Stichprobengröße in den meisten Studien klein war. Die meisten eingeschlossenen Studien wiesen ein hohes Risiko für Verzerrungen auf, da eine Verblindung fehlte.

Weiterhin war die Heterogenität hoch, was auf Unterschiede hinsichtlich Studiendesign, Interventionsdauer, kontinuierlichen Glukoseüberwachungssystemen, AID-Algorithmen, Insulinpumpen und menschlichen Faktoren zurückzuführen war. Die Ergebnisse seien zudem laut den Autoren möglicherweise nicht auf einige Untergruppen wie Patienten mit erhöhter Belastung durch Hypoglykämien, unbewussten Hypoglykämien und hohem HbA1c übertragbar.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass AID-Systeme bei pädiatrischen Patienten mit Typ-1-Diabetes im ambulanten Bereich sowohl kurz- als auch langfristig wirksamer sein könnten als die konventionelle Insulintherapie. Weitere Studien, etwa zur dualen Hormon-AID bei jungen Menschen, sind jedoch erforderlich.

Autor:
Stand:
08.01.2024
Quelle:

Zeng et al. (2023):  Automated Insulin Delivery Systems in Children and Adolescents With Type 1 Diabetes: A Systematic Review and Meta-analysis of Outpatient Randomized Controlled Trials. Diabetes Care, DOI.

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