CGM reduziert Akutkomplikationen des Typ-1-Diabetes

Eine aktuelle Studie vergleicht den Einfluss von kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) gegenüber einer herkömmlichen Blutglukosemessung auf das Auftreten von akuten diabetischen Komplikationen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes.

CGM Kind

Eine aktuelle Studie vergleicht den Einfluss von kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) gegenüber einer herkömmlichen Blutglukosemessung auf das Auftreten von akuten diabetischen Komplikationen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes.Patienten mit Typ-1-Diabetes sind für eine optimale Insulintherapie auf regelmäßige und akkurate Messungen der Glukosewerte angewiesen. Hierfür können sie auf herkömmliche Blutglukosemessungen über die Fingerkuppe oder auf kontinuierliche Glukosemessungen (CGM) zurückgreifen. Bei den CGM werden Glukosewerte durch einen Sensor in einem engmaschigen Intervall gemessen und die Daten gespeichert, sodass diese zusätzlich von behandelnden Ärzten eingesehen werden können. Bisherige Studienergebnisse haben gezeigt, dass CGM den HbA1c-Wert von Patienten mit Typ-1-Diabetes reduzieren können [1].

Studie zu Akutkomplikationen bei unterschiedlichen Messmethoden

In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler nun untersucht, wie sich die Verwendung von CGM gegenüber herkömmlichen Blutglukosemessungen auf das Risiko für akute Komplikationen wie schwerwiegende Hypoglykämien und diabetische Ketoazidose bei jungen Patienten mit Typ-1-Diabetes auswirkt [2]. Für Jugendliche ist es eine große Herausforderung, die empfohlenen glykämischen Ziele zu erreichen [3], was ihr Risiko für diabetische Akutkomplikationen erhöht.

Im Rahmen der Studie wurden Daten von insgesamt 32.117 Patienten mit Typ-1-Diabetes im Alter von 1,5 bis 25 Jahren (medianes Alter: 16,8 Jahre; Interquartilsabstand [IQR]:13,3-18,1) ausgewertet. Diese wurden von 511 Diabeteszentren in Österreich, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz bezogen. Insgesamt führten 10.883 Patienten CGM (für mehr als 120 Tage pro Jahr) durch, während der Rest (21.234 Patienten) herkömmliche Blutglukosemessungen nutzte.

Weniger schwerwiegende Hypoglykämien mit CGM

Teil des primären Endpunkts war die Feststellung der Rate an schwerwiegenden Hypoglykämien bei den Gruppen mit unterschiedlicher Glukosemessart. Eine schwerwiegende Hypoglykämie war definiert als ein Ereignis mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung, die externe Unterstützung durch eine andere Person erforderte, um Kohlenhydrate oder Glukagon zu verabreichen oder andere Maßnahmen zu ergreifen. Hierzu zählte auch das Auftreten eines diabetischen Komas als Subgruppe der schwerwiegenden Hypoglykämie, definiert als ein Ereignis mit einem Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit.

Bei Patienten, die CGM nutzten, traten schwerwiegende Hypoglykämien in einer signifikant geringeren Rate auf (6,74 pro 100 Patientenjahre; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 5,90 bis 7,69) als bei Patienten mit herkömmlicher Blutglukosemessung (8,84 pro 100 Patientenjahre; 95%-KI: 8,09 bis 9,66). Das Inzidenzratenverhältnis betrug 0,76 (95%-KI: 0,64 bis 0,91; p=0,0017). Auch die lebensbedrohlichen Ereignisse eines diabetischen Komas traten in der Patientengruppe mit CGM in einer geringeren Rate auf (1,01 pro 100 Patientenjahre [95%-KI: 0,80 bis 1,27] gegenüber 1,96 pro 100 Patientenjahre [95%-KI: 1,73 bis 2,23]), mit einem Inzidenzratenverhältnis von 0,52 (95%-KI: 0,39 bis 0,68; p<0,0001).

Weniger Fälle von diabetischer Ketoazidose mit CGM

Zu dem primären Endpunkt der Studie zählte auch die Bestimmung der Rate an diabetischer Ketoazidose bei den jeweiligen Gruppen. Die diabetische Ketoazidose war definiert als ein Blut-pH von <7,3, eine Bikarbonat-Konzentration von <15 mmol/l im Blut oder beides. Als Subgruppe wurde die Rate an schwerwiegender diabetischer Ketoazidose bestimmt, definiert als ein Blut-pH von <7,1, eine Bikarbonat-Konzentration von <5 mmol/l oder beides.

Die Rate an diabetischer Ketoazidose war bei Patienten, die CGM nutzten, geringer (3,72 pro 100 Patientenjahre; 95%-KI: 3,32 bis 4,18) als bei Patienten mit herkömmlicher Blutglukosemessung (7,29 pro 100 Patientenjahre; 95%-KI: 6,83 bis 7,78). Das Inzidenzratenverhältnis betrug 0,51 (95%-KI: 0,44 bis 0,59); p<0,0001). Auch die Rate an schwerwiegender diabetischer Ketoazidose war signifikant niedriger (0,44 pro 100 Patientenjahre [95%-KI: 0,33 bis 0,59] gegenüber 0,93 pro 100 Patientenjahre [95%-KI: 0,79 bis 1,10]), mit einem Inzidenzratenverhältnis von 0,47 (95%-KI: 0,33 bis 0,67; p<0,0001).

Mit Akutkomplikationen assoziierte CGM-Parameter

Im Rahmen der Studie wurden außerdem CGM-Parameter definiert, die das Risiko für Akutkomplikationen erhöhen. Das Risiko für schwerwiegende Hypoglykämien hängt demzufolge mit einem höheren Prozentsatz (≥4%) der Time below Range (<3,9 mmol/l) sowie einer höheren glykämischen Variabilität (Variationskoeffizient ≥36%) zusammen, während das Risiko für diabetische Ketoazidose mit einem erhöhten durchschnittlich gemessenen Glukosewert (≥10 mmol/l), einem kleineren Prozentsatz (<50%) der Time in Range (3,9-10,0 mmol/l) und einem höheren Prozentsatz (≥50%) der Time above Range (>10,0 mmol/l) assoziiert ist. Diese Parameter können zukünftig dabei helfen, das Risiko für diabetische Akutkomplikationen bei einzelnen Personen frühzeitig zu detektieren und zu minimieren.

Die Studienergebnisse sprechen für eine vermehrte Nutzung von CGM durch junge Patienten mit Typ-1-Diabetes.

Autor:
Stand:
31.05.2023
Quelle:
  1. Teo E et al. (2022): Effectiveness of continuous glucose monitoring in maintain glycaemic control among people with type 1 diabetes mellitus: a systematic review of randomized controlled trials and meta-analysis. Diabetologia, DOI: 10.1007/s00125-021-05648-4.
  2. Karges B et al. (2023): Continuous glucose monitoring versus blood glucose monitoring for risk of severe hypoglycaemia and diabetic ketoacidosis in children, adolescents, and young adults with type 1 diabetes: a population-based study. The Lancet Diabetes & Endocrinology; DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(23)00061-X.
  3. Foster et al. (2019): State of type 1 diabetes management and outcomes from the T1D Exchange in 2016-2018. Diabetes Technology & Therapeutics, DOI: 10.1089/dia.2018.0384.
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