Corona-Infektion und Inselautoimmuniät bei Kindern

Die Diabetes-Inzidenz bei Kindern ist während der Corona-Pandemie angestiegen. Ob eine Covid19-Infektion mit einer Inselautoimmunität in Verbindung steht, ist für die Ätiologie der Krankheit und die künftigen Entwicklungstrends bei Diabetes im Kindesalter von großer Bedeutung.

Pankreas

Diabetes mellitus Typ 1 (DM1) manifestiert sich als Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper gegen die insulinproduzierenden Betazellen des Pankreas gebildet werden. Der Höhepunkt der Autoantikörperbildung tritt typischerweise um das erste Lebensjahr auf.

Typischerweise kommt es bei Kindern, bei denen die Antikörper nachgewiesen wurden, innerhalb von 10 Jahren zur klinischen Manifestation eines Diabetes Typ 1.

In der Entstehung der Krankheit ist die genetische Prädisposition ein entscheidender Faktor, wobei insbesondere die Allele der HLA-Region (humane Leukozyten-Antigene), HLA-DR3 und DR4, von Bedeutung sind. Daneben werden verschiedene Umweltfaktoren als potenzielle Auslöser diskutiert. Dazu zählen neben Chemikalien und Toxinen auch virale Infektionen.

Erhöhtes Diabetes-Risiko durch Corona-Infektion?

Im Verlauf der SARS-Cov-2-Pandemie wurden in mehreren Regionen erhöhte DM1-Inzidenzraten beobachtet. In einigen früheren Studien wurde eine Korrelation zwischen der Inzidenz von Typ-1-Diabetes und der Diagnose von COVID-19 festgestellt.

Ähnlich wie bei anderen Viren, die mit Inselautoimmunität und DM1 in Verbindung gebracht werden, wird angenommen, dass auch das Coronavirus in Inselzellen eindringen und diese infizieren kann.

Vor diesem Hintergrund wurde in einer internationalen Studie untersucht, ob ein zeitlicher Zusammenhang zwischen einer SARS-CoV-2-Infektion in der Kindheit und der Entwicklung von Inselautoantikörpern besteht.

Einzigartige Ausgangslage: Daten vor und während der Pandemie

Zwischen 2018 und 2021 wurden Säuglinge im Alter von 4 bis 7 Monaten mit einem genetisch definierten Risiko von mindestens 10% für die Entwicklung von Inselautoantikörpern in die POINT-Studie (Primary Oral Insulin Trial) aufgenommen.

Diese spezifische genetische Gruppe repräsentiert etwa 1% aller Säuglinge und umfasst bis zu 25% derjenigen, die im Laufe ihrer Kindheit einen Typ-1-Diabetes entwickeln werden.

Der primäre Endpunkt der Studie konzentrierte sich auf die Entwicklung von multiplen (≥2) Inselautoantikörpern während der Studie oder von einzelnen Inselautoantikörpern in Verbindung mit Typ 1 Diabetes. Zusätzlich zur Analyse des Risikos für die Entwicklung von Inselautoantikörpern wurden auch Antikörper gegen SARS-CoV-19 und Influenza Typ A gemessen.

Assoziation zwischen Corona-Infektion und Autoantikörpern

In dieser Longitudinalstudie wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 als Risikofaktor für die Entwicklung von Inselautoimmunität bei Kleinkindern, die ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes aufweisen, identifiziert.

Im Verlauf der Studie bildeten 170 Kinder Antikörper gegen SARS-CoV-2, und 60 Kinder entwickelten Antikörper gegen Inselzellen. Von diesen 60 Kindern zeigten sechs zeitgleich das Vorhandensein von Inselautoantikörpern und Antikörpern gegen SARS-CoV-2. Weitere sechs Kinder entwickelten Inselautoantikörper nach einer nachgewiesenen positiven Infektion.

Es wurde keine Korrelation mit Influenzaviren festgestellt, denn keines der Kinder entwickelte Inselautoantikörper gleichzeitig mit oder nach der Bildung von Influenza-A-Antikörpern.

Daraus ergibt sich eine temporäre Assoziation zwischen einer Corona-Infektion und der Entwicklung von Inselautoantikörpern bei jungen Kindern mit einem hohen genetischen Risiko für die Entwicklung eines DM1.

Ergebnisse müssen vorsichtig interpretiert werden

Diese Studie, eine der wenigen, die während der COVID-19-Pandemie Kleinkinder auf Inselautoimmunität untersucht hat, zeichnet sich durch die regelmäßige Nachbeobachtung genetisch prädisponierter Kinder aus.

Die Ergebnisse müssen jedoch mit Vorsicht betrachtet werden, da die Teilnehmer auf Kinder mit hoher genetischer Wahrscheinlichkeit für DM1 beschränkt waren. Zudem bleibt unklar, ob die Corona-Infektion vor oder nach der Entwicklung von Inselautoantikörpern auftrat, was potenzielle Verzerrungen mit sich bringt.

Die geringe Anzahl der Probanden, die Inselautoantikörper entwickelten, unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Studien, um die Auswirkungen auf die Inzidenz von Typ-1-Diabetes bei Kindern zu klären.

Autor:
Stand:
26.09.2023
Quelle:

Lugar et al. (2023): SARS-CoV-2 Infection and Development of Islet Autoimmunity in Early Childhood. JAMA 2023, DOI: 10.1001/jama.2023.16348

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