Fortschritt in der Diabetologie verändert Arbeitsrealität
Rund zwei Millionen Berufstätige in Deutschland leben mit Diabetes. Dank innovativer Therapien und digitaler Systeme wie kontinuierlicher Glukosemessung (CGM), Insulinpumpen oder automatisierten Insulinabgabesystemen (AID) können Betroffene ihre Erkrankung heute sicher managen. Dadurch ist eine sichere Ausübung nahezu aller Tätigkeiten möglich.
„Diese Fortschritte haben die Arbeitsfähigkeit von Menschen mit Diabetes revolutioniert“, betonte Dr. med. Wolfgang Wagener, Vorsitzender des Ausschusses Soziales der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Lebenserwartung von Menschen mit Diabetes entspreche inzwischen nahezu der gesunder Personen, während krankheitsbedingte Fehltage rückläufig seien.
Veraltete Regelwerke behindern berufliche Chancen
Trotz der medizinischen Entwicklungen gelten in bestimmten Bereichen – etwa bei Polizei, Bundeswehr, Zoll oder im Schienenverkehr – weiterhin pauschale Ausschlusskriterien für Menschen mit Diabetes. Diese Regelungen stammen laut Wagener aus einer Zeit, „in der Unterzuckerungen schwer vorhersehbar waren“. Heute müsse jedoch im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbeitsSchutzGesetz individuell geprüft werden, ob und warum eine Tätigkeit nicht ausgeübt werden könne.
Ein genereller Ausschluss ohne individuelle Beurteilung sei diskriminierend und rechtlich nicht haltbar. Die DDG fordert daher, arbeitsmedizinische Eignungsrichtlinien an den Stand der Wissenschaft anzupassen – wie es in Ländern wie Großbritannien oder Österreich bereits umgesetzt sei. „Technisch und medizinisch sind wir heute weiter als viele gesetzliche Regelwerke“, so Wagener. Veraltete Vorschriften trügen nicht nur zur Diskriminierung bei, sondern verschärften auch den Fachkräftemangel.
Aufklärung und Wissen als Grundlage für Akzeptanz
Auch DDG-Präsidentin Prof. Dr. med. Julia Szendrödi betonte die Bedeutung von Aufklärung in Betrieben. Wer die Möglichkeiten moderner Diabetestechnologie kenne, erkenne, dass Diabetes kein Ausschlusskriterium mehr sei. „Wissen schützt vor Vorurteilen“, sagte Szendrödi. Arbeitgeber sollten sich mit den technischen und medizinischen Fortschritten vertraut machen, um Betroffene adäquat unterstützen zu können.
Ein unterstützendes Arbeitsumfeld sei entscheidend für das Wohlbefinden der Beschäftigten. Arbeit bedeutet Teilhabe, soziale Integration und Stabilität. „Wer Akzeptanz und Unterstützung erfährt, bleibt länger leistungsfähig und psychisch stabil“, so Szendrödi.
Weltdiabetestag 2025 rückt Arbeitsleben in den Fokus
Unter dem Motto „Diabetes and well-being – Diabetes and the Workplace“ widmet sich der Weltdiabetestag 2025 dem Zusammenspiel von Erkrankung, Beruf und Wohlbefinden. Die DDG nutzt den Aktionstag, um auf die Notwendigkeit aktueller Regelungen hinzuweisen und Vorurteile in der Arbeitswelt abzubauen.
Wagener resümierte: „Nicht die Erkrankung schränkt ein, sondern die Rahmenbedingungen.“ Ziel müsse es sein, wissenschaftlichen Fortschritt in der Praxis umzusetzen – durch moderne Gefährdungsbeurteilungen, Wissenstransfer und Offenheit im Umgang mit chronischen Erkrankungen.








