Die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) beruht in erster Linie auf der glykämischen Kontrolle, welche insbesondere mithilfe strukturierter multidisziplinärer Diabetes-Management-Programme erreicht wird. Das langfristige Therapieziel ist die Vermeidung von Komplikationen wie Demenz, die unter anderem durch diabetische Mikro- und Makroangiopathie verursacht werden.
Patienten mit DM2 haben ein etwa 50% höheres Risiko an einer Demenz zu erkranken obwohl ein höherer HbA1C-Wert mit einem höheren Demenz-Risiko assoziiert ist, ist die Effektivität von Interventionen zur glykämischen Kontrolle, wie beispielsweise strukturierte multidisziplinäre Diabetes-Management-Programme, zur Demenz-Prävention noch unklar.
Studie zum Einfluss von Diabetes-Management-Programmen
Eine aktuelle Kohortenstudie untersuchte nun den Einfluss der Teilnahme an einem solchen multidisziplinären Diabetes-Managementprogramm auf das Risiko einer späteren Demenzerkrankung sowie den Zusammenhang zwischen der Kontrolle des Blutzuckerspiegels und Demenz. Analysiert wurde die Effektivität des RAMP-DM-Programms (Risk Assessmet and Management Program-Diabetes Mellitus) im Vergleich mit der üblichen Grundversorgung.
Studienzeitraum von mehr als acht Jahren
Bei der Studie handelt es sich um eine retrospektive Kohortenstudie mit einem Nachbeobachtungszeitraum von mehr als acht Jahren. Für die Analyse wurden Daten der elektronischen Gesundheitsakten von 2011 bis 2019 aller Patienten mit DM2 und Primärversorgung durch öffentliche Gesundheitsdienste in Hongkong einbezogen.
Mit RAMP-DM behandelte Patienten wurden in einem 1:1 Verhältnis mit Patienten verglichen, die lediglich die übliche Versorgung zur Blutzuckerkontrolle erhielten. Insgesamt wurden die Daten von 55 618 Patienten untersucht.
Als primärer Endpunkt wurde die Inzidenz von Demenz und Demenzunterformen anhand eines Cox-Proportional-Hazard-Modells zwischen den RAMP-DM-Patienten und Patienten mit üblicher Behandlung verglichen. Die Daten wurden um andere Ausgangscharakteristika, Biomarker und die Medikamentenanamnese bereinigt. Als sekundärer Endpunkt diente der HbA1C-Wert. Die Datenanalyse erfolgte von April 2023 bis Juli 2023.
Niedrigere Demenzinzidenz bei Teilnahme an Diabetes-Management-Programm
Die Ergebnisse der Studie zeigen eine signifikant niedrigere Demenzinzidenz in der Gruppe der mit RAMP-DM behandelten Patienten im Vergleich zu denen, die lediglich die Standardversorgung erhielten: 6,97% gegenüber 9,81%. Das bereinigte Hazard Ratio (aHR) betrug 0,72 (95%-KI: 0,68 bis 0,77, p<0.001). Bei einer Subgruppenanalyse nach Demenzursache betrug das aHR
- für Alzheimer-Demenz 0,85 (95%-KI: 0,76 bis 0,96, p=0.009),
- für vaskuläre Demenz 0,61 (95%-KI: 0,51 bis 0,73, p<0.001)
- und für andere oder nicht spezifizierte Demenz 0,71 (95%-KI: 0,66 bis 0,77, p<0.001).
Für die Berechnung des aHR des mittleren HbA1C-Werts in den ersten drei Jahren nach Eintritt in die Kohorte hinsichtlich Demenz-Risiko diente jeweils ein Wert von 6,5%-7,5% als Referenz. Der aHR betrug bei Patienten mit einem mittleren 3-Jahres-HbA1C-Wert von
- >8,5% 1,54 (95%-KI: 1,31 bis 1,80),
- bei 7,5%-8,5% 1,33 (95%-KI: 1,19 bis 1,48),
- bei 6%-6,5% 1,17 (95%-KI: 1,07 bis 1,29)
- und bei ≤6% 1,39 (95%-KI: 1,24 bis 1,57).
Schlechte glykämische Kontrolle scheinbar Risikofaktor für Demenz
Die Kohortenstudie konnte bestätigen, dass die Teilnahme an Diabetes-Management-Programmen (hier RAMP-DM) mit einer geringeren Demenzinzidenz assoziiert ist. Eine moderate Blutzuckereinstellung mit einem HbA1C-Wert zwischen 6,5% und 7,5% war mit einer geringeren Demenzinzidenz verbunden.
Zusammen mit früheren Untersuchungen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass eine schlechte glykämische Kontrolle ein Risikofaktor für das Auftreten einer Demenz sein könnte. Die Vorteile von RAMP-DM könnten auf den Prozess der Risikostratifizierung und der multidisziplinären Koordination des Programms zurückzuführen sein. Dadurch könnte neben hyperglykämischen Phasen auch das individuelle Hypoglykämie-Risiko verringert werden.
Die Forscher schlagen die zukünftige Durchführung von Interventionsstudien und eine Evaluation der Kosteneffizienz von Diabetes-Management-Programmen vor.
Die Studie wurde gesponsert von dem „Centre for Health Systems and Policy Research of the Chinese University of Hong Kong“ sowie der „Tung Foundation“.









