Herausforderung in der Versorgung des diabetischen Fußsyndroms
In Deutschland leben über neun Millionen Menschen mit Diabetes mellitus, davon alleine rund 1,2 bis 1,4 Millionen in Bayern. Etwa ein Viertel entwickelt im Verlauf der Erkrankung ein diabetisches Fußsyndrom (DFS) – eine schwerwiegende Komplikation, die unbehandelt zu Infektionen, Gewebsnekrosen oder Amputationen führen kann. Die rechtzeitige Diagnose und leitliniengerechte Behandlung sind entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden. Doch insbesondere in ländlichen Regionen ist der Zugang zu spezialisierten Behandlungszentren häufig eingeschränkt.
Digitale Unterstützung zur frühzeitigen Diagnostik und Therapie
Mit dem neuen telemedizinischen Fußkonsil bietet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gemeinsam mit dem Fußnetz Bayern e.V. und weiteren Partnern ein innovatives Versorgungsmodell an. Hausärzte, die an der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) teilnehmen, können bei unklaren Hautveränderungen oder Fußulzera ihrer Patienten schnell auf die Expertise spezialisierter Fachärzte zugreifen. Über eine sichere digitale Plattform werden Befunde und Fotos übermittelt, sodass innerhalb kurzer Zeit eine fachärztliche Einschätzung erfolgt.
Dr. Michael Eckhard, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG, betont: „Entscheidend ist, dass Fachärztinnen und -ärzte, die auf den diabetischen Fuß spezialisiert sind, frühzeitig einbezogen werden, um schwerwiegende Komplikationen wie eine Amputation zu vermeiden.“ Die Begutachtung folgt den internationalen Diagnose- und Behandlungsstandards der internationalen Arbeitsgruppe zum DFS (IWGDF) und basiert auf den Qualitätskriterien der DDG-zertifizierten Fußbehandlungseinrichtungen.
Entlastung für Arztpraxen und bessere Patientenversorgung
Das telemedizinische Konsil erleichtert nicht nur die Versorgung von Betroffenen, sondern verbessert auch die Abläufe in den Praxen. Die Vergütung erfolgt über den neuen Selektivvertrag „Telemedizinische Facharztkonsile“ gemäß § 140a SGB V, was eine extrabudgetäre Honorierung ermöglicht. Damit können ärztliche Leistungen flexibel und fallbezogen erbracht werden, ohne zusätzliche wirtschaftliche Belastung der Praxen.
„Das Telekonsil ist ein kleiner, präziser Schritt für die Leistungserbringer und ein großer für die Betroffenen von Diabetes, die mit Fußproblemen kämpfen und von Amputationen bedroht sind“, erklärt Dr. med. Arthur Grünerbel, Vorstandsvorsitzender des Fußnetzes Bayern e.V. Die digitale Kooperation erspart Hausarztpraxen zeitintensive Terminabsprachen und ermöglicht eine kontinuierliche Behandlung – professionell, leitliniengerecht und ohne Verzögerung.
Wegbereiter für die bundesweite Digitalisierung der Versorgung
Das Projekt dient als Pilot in Bayern und soll bei erfolgreicher Evaluation bundesweit ausgerollt werden. Prof. Dr. med. Susanne Reger-Tan, Vorsitzende der DDG-Kommission Digitalisierung, sieht darin einen wichtigen Schritt für die digitale Transformation im Gesundheitswesen: „…nur wenn attraktive digitale Angebote in den Arztpraxen angewendet und nicht als zusätzliche Belastung empfunden werden, kann die digitale Transformation in Deutschland gelingen und die medizinische Versorgung – auch in ländlichen Gebieten – verbessert werden“.
Das telemedizinische Fußkonsil bietet somit einen praktikablen Weg, um Versorgungslücken zu schließen, Prozesse zu optimieren und die Patientensicherheit zu erhöhen. Es leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Integration digitaler Lösungen in die Regelversorgung – mit dem Potenzial, die diabetologische Versorgung in Deutschland langfristig zu stärken.









