DMP Diabetes mellitus Typ 2: Analoge Hürden und digitale Lösungen

Diabetes mellitus Typ 2 stellt eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar und die Therapie erfordert koordinierte Maßnahmen und ein strukturiertes Management. Disease Management Programme (DMP) spielen dabei eine zentrale Rolle - eine aktuelle Studie verdeutlicht jedoch den Optimierungsbedarf.

Diabetologe

Das Disease-Management-Programm (DMP) Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) hat zum Ziel, eine optimale Behandlung der Patienten sicherzustellen, krankheitsbedingte Risiken zu minimieren und die Lebensqualität zu verbessern. Eine aktuelle Studie hat die Herausforderungen und Verbesserungspotenziale dieses Programms aus Sicht der behandelnden Ärzte und Patienten untersucht.

Befragung von Ärzten und Patienten zum DMP

Die Studie wurde bundesweit als Online-Befragung durchgeführt. Die Rekrutierung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgte über ein Ärztepanel, das Bevölkerungspanel der Dynata GmbH sowie über diabetologische Fachgesellschaften. Befragt wurden 149 niedergelassene diabetologisch tätige Fachärzte, 170 niedergelassene Hausärzte und 321 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2. Die Befragungszeiträume erstreckten sich für die Ärztebefragung vom 23.11. bis 17.12.2023 und für die Patientenbefragung vom 15.12. bis 29.12.2023.

Insgesamt positiver Gesamtnutzen

Der Gesamtnutzen des DMP Diabetes mellitus Typ 2 wurde von Hausärzten, diabetologischen Fachärzten und Patienten mehrheitlich positiv bewertet. Die Hausärzte gaben an, dass rund 80% ihrer Diabetespatienten in das DMP eingeschrieben sind, bei den diabetologischen Fachärzten waren es sogar 89%. Zwei Drittel der befragten Arztpraxen stimmen zu, dass das DMP zur Verbesserung des Lebensstils ihrer Patienten (bspw. bei der Ernährung) und damit zum Therapieerfolg beigetragen hat.

Herausforderungen im Praxisalltag

Trotz der positiven Bewertung zeigen sich im Praxisalltag erhebliche Herausforderungen durch die überwiegend analogen Prozesse. Ein Drittel der befragten Praxen gab an, Probleme zu haben, ihre Patienten bei den Krankenkassen anzumelden. Dabei sind Doppeleinschreibungen und der Verlust von Patientendaten die häufigsten Probleme. Zudem gibt es Verzögerungen im Prozess: Mehr als die Hälfte der Praxen wird nicht zeitnah und vollständig über eine erfolgreiche DMP-Einschreibung informiert, was die Abfrage des DMP-Status erschwert und damit das Risiko von Doppeleinschreibungen erhöht.

Kommunikationsprobleme mit anderen Mitbeteiligten

Ein weiterer Problembereich ist die Kommunikation mit anderen Mitbehandlern: Der Austausch mit anderen ärztlichen Kollegen im Rahmen des DMP wird von 56% der befragten Ärzte als schwierig empfunden. Noch schwieriger wird der Austausch mit Heilmittelerbringern eingeschätzt (66%). Die fehlende Transparenz über die Medikation bei Beteiligung mehrerer Ärzte und die Aktualisierung von Therapieplänen aufgrund analoger und verteilter Informationen erschweren den Behandlungsprozess zusätzlich.

Hohe Bereitschaft zur Digitalisierung bei Ärzten und Patienten

Die Mehrheit der befragten Arztpraxen (83%) und Typ-2-Diabetiker zeigt sich offen für digitale Lösungen, die eine Vereinfachung und Verbesserung der Prozesse versprechen. Ärzte und Patienten befürworten insbesondere einen direkten Datenaustausch und Kommunikationskanal zwischen Ärzten, ohne dass Patienten als Übermittler von Informationen oder Dokumenten fungieren müssen.

Die Digitalisierung könnte eine Reihe von Problemen lösen, die im derzeitigen analogen Prozess bestehen. Eine digitale Einschreibung in das DMP würde Doppeleinschreibungen verhindern, da der Abgleich der Versichertenstammdaten beim Stecken der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) bereits die Abfrage eines bestehenden DMP-Status beinhalten könnte. Dies würde auch das rechtzeitige Erkennen von Doppeleinschreibungen und den Verlust von Einschreibeunterlagen verhindern.

Kommunikation und Transparenz verbessern

Eine sichere und schnelle Kommunikation zwischen den Leistungserbringern könnte durch den Einsatz von Diensten wie dem sicheren E-Mail-Dienst KIM und den TI (Telematikinfrastruktur)-Messengern erreicht werden. Auch die elektronische Patientenakte (ePA) könnte ab 2025 zur Digitalisierung der Medikationsliste und zur Transparenz der Medikation für Leistungserbringer und Patienten beitragen.

Entlastung der Patienten

Die derzeitigen Prozesse erfordern insbesondere bei der Übermittlung von Unterlagen oder Informationen einen hohen Eigenaufwand. Mehr als die Hälfte der befragten Praxen gibt an, dass ihre Patienten ihren DMP-Status nicht genau kennen und mit den Anforderungen, die das DMP an sie stellt, überfordert sind. Die Digitalisierung würde hier eine deutliche Entlastung bringen, da die medizinischen Einrichtungen die relevanten Informationen direkt untereinander austauschen könnten.

Zukunftsaussichten: Digitalisierung als Chance für das DMP

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das DMP Diabetes mellitus Typ 2 insgesamt positiv bewertet wird, im Praxisalltag aufgrund der analogen Prozesse jedoch mit erheblichen Umsetzungsproblemen konfrontiert ist. Eine Digitalisierung des DMP wird sowohl von Ärzten als auch von Patienten als dringend notwendig erachtet, damit Prozesse vereinfacht und die Qualität der Behandlung weiter verbessert wird. Durch eine verbesserte Kommunikation, mehr Transparenz und eine Entlastung der Patienten könnten die DMP noch effektiver gestaltet werden. Die Bereitschaft, sich auf die Digitalisierung einzulassen, ist sowohl bei den Ärzten als auch bei den Patienten hoch und lässt auf eine vielversprechende zukünftige Entwicklung hoffen.

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