Typ-1-Diabetes gilt als Krankheit, die sich nachteilig auf die Lebenserwartung auswirkt. Allgemein haben sich die Diabetesversorgung und das Management von Komplikationen seit dem Jahr 1990 jedoch verbessert. Es gibt Hinweise darauf, dass sich dadurch die Lebenserwartung von älteren Patienten mit Typ-1-Diabetes erhöht hat. Trotzdem fehlen weltweit aktuelle und umfassende Daten zu den Belastungen, die durch die Erkrankung entstehen.
Zudem enthalten zahlreiche Richtlinien keine gezielten Angaben zum Management des Typ-1-Diabetes bei älteren Menschen. Auch weil die Betreuung älterer Patienten mit Typ-1-Diabetes sowie diabetesbedingte Komplikationen eine Herausforderung darstellen, ist ein tieferes Verständnis der Sterblichkeit und der behinderungsbereinigten Lebensjahre (Disability-Adjusted Life Years = DALYs) bei älteren Typ-1-Diabetes Patienten über 65 Jahren entscheidend für eine optimale Versorgung. Der Ausdruck DALYs steht dabei für die Summe mit Behinderungen gelebter Lebensjahre und der verlorenen Lebensjahre.
Analyse von Prävalenz, Sterblichkeit und DALYs
Aus diesem Grund setzte sich eine bevölkerungsbasierte Studie zum Ziel, die Belastungen, Trends und Ungleichheiten im Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes Erkrankungen bei älteren Erwachsenen auf globaler, regionaler und nationaler Ebene von 1990 bis 2019 zu untersuchen.
Beobachtet wurde die mit Typ-1-Diabetes verbundene altersstandardisierte Prävalenz, Sterblichkeit, behinderungsbereinigte Lebensjahre (DALYs) bei Typ-1-Diabetes Patienten ab 65 Jahren, mit Hinblick auf dem sozialen Entwicklungsstand, Alter und Geschlecht. Die durchschnittlichen jährlichen prozentualen Veränderungen im Zusammenhang mit Typ-1-Diabetes wurden ebenfalls analysiert.
Die Forscher errechneten für jedes Land den soziodemografischen Index. Dieser stellt einen Indikator für soziale und wirtschaftliche Bedingungen in den jeweiligen Ländern dar, welche die Gesundheitsergebnisse in jeder Region beeinflussen.
Dafür analysierten die Forscher Daten aus 21 Regionen, 204 Ländern und Territorien von 1990 bis 2019, die aus der Global Burden of Disease and Risk Factors Study 2019 stammten. Hierzu wurden Querschnittsdaten aus dem Global Health Data Exchange verwendet, die die weltweite Belastung durch 369 Krankheiten und weitere Risikofaktoren, eingeschlossen Typ-1-Diabetes, umfassen.
Ergebnisse der Analyse
Die Autoren kamen zu folgenden Ergebnissen:
- Die globale altersstandardisierte Prävalenz von Typ-1-Diabetes stieg bei Erwachsenen ab 65 Jahren von 400 pro 100.000 Einwohner (95% Unsicherheitsintervall (UI); 332 bis 476) im Jahr 1990 auf 514 (417 bis 624) pro 100.000 Einwohner im Jahr 2019. Der durchschnittliche jährliche Trend betrug dabei 0,86% (95% Konfidenzintervall (KI): 0,79% bis 0,93%).
- Die damit verbundene Sterblichkeit sank hingegen von 4,74 pro 100.000 Einwohner (95% UI; 3,44 bis 5,9) auf 3,54 (2,91 bis 4,59) pro 100.000 Einwohner, mit einem durchschnittlichen jährlichen Trend von −1,00% (95% KI: −1,09% bis −0,91%).
- Die altersstandardisierten DALYs sanken ebenfalls von 113 pro 100.000 Einwohner (95% UI; 89 bis 137) auf 103 (85 bis 127) pro 100.000 Einwohner. Der durchschnittliche jährliche Trend lag bei −0,33% (95% KI: −0,41% bis −0,25%).
- Der deutlichste Rückgang der DALYs zeigte sich bei unter 79-jährigen Personen: In der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen lag der Wert bei −0,44% pro Jahr (95% KI: −0,53% bis −0,34%), bei den 70 bis 74 Jahre alten Personen bei −0,34% pro Jahr (−0,41% bis −0,27%) und in der Gruppe der 75- bis 79-Jährigen bei −0,42% pro Jahr (−0,58% bis −0,26%).
- Verglichen mit Ländern, die einen niedrigen bis mittleren soziodemografischen Index aufweisen, sank die Sterblichkeit in Ländern mit einem hohen soziodemografischen Index 13-mal schneller (−2,17% pro Jahr (95% KI: −2,31% bis −2,02%) gegenüber −0,16% pro Jahr (−0,45% bis 0,12%)).
- Die höchste Prävalenz an Typ-1-Diabetes zeigte sich weiterhin in Ländern mit hohem Einkommen, wie Nordamerika, austral-asiatischen Ländern und Westeuropa.
- Die höchsten DALY-Raten wiesen Länder Süd-Sahara-Afrikas, Ozeanien und der Karibik auf.
- Als größten Risikofaktor für DALYs bei älteren Erwachsenen erwies sich in den Jahren 1990 bis 2019 ein hoher Nüchternblutzuckerwert.
Erhöhte Lebenserwartung bei steigender Prävalenz und bleibenden Herausforderungen
Zusammengefasst kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die Lebenserwartung älterer Personen mit Typ-1-Diabetes seit den 1990er Jahren erhöht hat. Obwohl die Prävalenz im untersuchten Zeitraum gestiegen ist, kam es zu einem erheblichen Rückgang der Sterblichkeit und der DALYs. Dabei war die Typ-1-Diabetes-bedingte Sterblichkeit und die DALYs bei Frauen ab 65 Jahren sowie bei Menschen mit einem hohen soziodemografischen Index niedriger. Diese Beobachtung gilt ebenfalls für Menschen unter 79 Jahren.
Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass das Management eines hohen Nüchternblutzuckerspiegels weiterhin eine große Herausforderung für ältere Patienten mit Typ-1-Diabetes darstellt. Darum fordern sie hierfür gezielte Richtlinien.








