Übereinstimmung alte und neue Nomenklatur?
Im Juni 2023 wurde eine neue Nomenklatur der steatotischen Lebererkrankungen veröffentlicht. Die neuen Termini sollen die Lebersteatosen ätiologisch besser beschreiben, indem sie unter anderem ausdrücken, welche Ätiologie eine Erkrankung hat und nicht welche sie nicht hat, wie es z. B. bei dem Begriff „nicht-alkoholische Fettlebererkrankung“ (non-alcoholic fatty liver disease [NAFLD]) der Fall ist. Die neue Nomenklatur ersetzte zudem als stigmatisierend empfundene Bezeichnungen.
Nach der Einführung der neuen Terminologie kam die Frage auf, ob die Patientenprofile der alten und neuen Termini übereinstimmen und ob die Ergebnisse von älteren Studien auf die Patienten, die entsprechend der neuen Nomenklatur diagnostiziert werden, übertragen werden können. Professor Dr. Münevver Demir, leitende Oberärztin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie am Universitätsklinikum Charité in Berlin, gab in ihrem Vortrag auf dem Diabetes Kongress 2024 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) e.V. in Berlin einen kurzen Überblick über die neue Nomenklatur und stellte aktuelle Studienergebnisse zur Übereinstimmung der Patientenprofile der alten und neuen Terminologie vor.
Überblick über die neue Terminologie
Nachdem die neue Terminologie in einem Konsensuspapier zunächst nur in englischer Sprache verfügbar war, veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) Anfang 2024 die neuen deutsche Fachbegriffe in einem Amendment zur aktuell gültigen S2k-Leitlinie „Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung".
- Der neue Oberbegriff für alle Fettlebererkrankungen ist „Steatotische Lebererkrankung“ (Steatotic Liver Disease [SLD]).
- Die NAFLD wurde umbenannt in „Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung“ (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease [MASLD]). Die MASLD umfasst alle Fettlebererkrankungen, die im Rahmen metabolischer Erkrankungen (d.h. Übergewicht, Diabetes etc.) auftreten.
- Die frühere „nicht-alkoholische Steatohepatitis“ (NASH) heißt nun entsprechend „Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis“ (MASH).
- „Metabolische Dysfunktion plus Alkohol-assoziierte steatotische Lebererkrankung“ (MetALD) ist eine neu geschaffene Kategorie. Der Begriff beschreibt Lebersteatosen, die durch metabolische Störungen und übermäßigen Alkoholkonsum verursacht sind (Frauen, die im Durchschnitt zwischen 20 g bis 50 g und Männer, die zwischen 30 und 60 g Alkohol am Tag konsumieren).
Die SLD umfassen darüber hinaus die Alkohol-assoziierte Lebererkrankung (Alcoholic Liver Disease [ALD]), alkoholische Steatohepatitis (ASH), SLD mit spezifischer Ätiologie (z. B. Medikamente, monogenetische Erkrankungen, Infektionen, Mangelernährung) und die kryptogene SLD ohne bekannte Ursache.
Algorithmus zur Nomenklatur
Nach dem Befund SLD durch Bildgebung oder Biopsie wird geprüft, ob der Patient ≥1 kardiometabolischen Risikofaktor aufweist. Ist das der Fall handelt es sich um eine MASLD oder bei zusätzlichen Gründen für die Lebersteatose um eine MASLD mit kombinierter Ätiologie, z. B. eine MetALD. Wenn der Patient keinen kardiometabolischen Risikofaktor aufweist, werden die spezifischen Ätiologien geprüft. Bleibt die Ätiologie unbekannt, wird die Erkrankung den kryptogenen SLD zugeordnet.
Sind NAFLD und MASLD dieselbe Erkrankung?
Der Vergleich der Patientenprofile von NAFLD und MASLD ergab bei der Auswertung von Daten der US-NAFLD-Datenbank (n=6.429) eine Übereinstimmung von 99,8% und bei der Auswertung der populationsbasierten Kohorte des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III) (n=12.519) von 94,7%.
Im Einzelnen verglichen wurden Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Glucose, Blutdruck, Trigylzeride und HDL-Cholesterin. Der Cohen‘s Kappa Koeffizient für die Konkordanz dieser Werte zwischen NAFLD und MASLD betrug 0,968. Der Enhanced Liver Fibrosis (ELF) score und Fibrose-4 Index (FIB-4) sowie die Vibrationskontrollierte transiente Elastographie verhielten sich bei NAFLD und MASLD sehr ähnlich. Es gab keine signifikanten Unterschiede bei der Gesamtmortalität und Todesfällen spezifischer Ursachen.
Neue Europäische Leitlinien für MASLD
Die European Association for the Study of the Liver (EASL), die European Association for the Study of Diabetes (EASD) und die European Association for the Study of Obesity (EASO) haben Clinical Practical Guidelines for MASLD erarbeitet und werden diese im Juni 2024 veröffentlichen.








