Die weltweite Diabetesprävalenz erreichte im Jahr 2021 einen alarmierenden Stand von 6,1% und wird voraussichtlich bis 2050 auf über 10% ansteigen. Der überwiegende Anteil dieser Fälle ist auf Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) zurückzuführen, der etwa 95% der Patienten betrifft. Die enorme Zunahme dieser Stoffwechselerkrankung führt sowohl zu gesellschaftlichen als auch ökonomischen Belastungen.
Präventive Maßnahmen durch gesunde Lebensweise
Mindestens 75% aller DM2-Fälle könnten durch eine bewusste bzw. gesunde Lebensweise vermieden werden. Diese eindrückliche Statistik unterstreicht die zentrale Bedeutung von Präventionsmaßnahmen, um dem beunruhigenden Anstieg der Diabetesinzidenz entgegenzuwirken. Eine neue Studie unter der Leitung von Tilman Kühn vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität in Wien rückt die Ernährungsgewohnheiten als Präventionsmaßnahme in den Fokus.
Einfluss einer pflanzlichen Ernährung auf das DM2-Risiko
Diese prospektive Studie basiert auf einer umfangreichen britischen Kohortenstudie (UK-Biobank) mit 113.097 Teilnehmern, die über zwölf Jahre beobachtet wurden. Hier wurden die Auswirkungen pflanzlicher Ernährung auf die DM2-Entwicklung anhand des "Healthful Plant-Based Diet Index" (hPDI) und des "Unhealthful Plant-Based Diet Index" (uPDI) untersucht.
Der hPDI setzt auf frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte. Der uPDI ist hingegen durch raffinierte Lebensmittel, Zucker, zuckerhaltige Getränke und (frittierte) Kartoffelprodukte gekennzeichnet.
Nur eine gesunde pflanzliche Ernährung bewirkt Risikoreduktion
In einem Zeitraum von 12 Jahren entwickelten 2.628 Teilnehmer DM2. Eine gesunde pflanzliche Ernährung, durch höhere Scores im hPDI gekennzeichnet, war mit einem um bis zu 24% niedrigeren DM2-Risiko im Vergleich zu einer ungesünderen pflanzlichen Ernährung verbunden. Dieser positive Zusammenhang wurde durch verschiedene Faktoren vermittelt, darunter ein niedrigerer Body-Mass-Index (BMI), ein geringerer Taillenumfang und weitere Biomarker.
Im Gegensatz dazu wiesen Personen mit höheren uPDI-Scores ein um 37% erhöhtes T2DM-Risiko auf. Ein größerer Taillenumfang, ein höherer BMI und erhöhte Triglyceridspiegel spielten dabei möglicherweise vermittelnde Rollen.
Die schützenden Effekte traten somit nur dann vollständig auf, wenn nicht nur der Verzehr von tierischen, sondern auch von industriell verarbeiteten und stark zuckerhaltigen Lebensmitteln reduziert wurde. Eine gesunde, pflanzliche Ernährung erwies sich somit als Schlüsselfaktor bei der Verringerung des Diabetesrisikos. Dieser signifikante Rückgang blieb sogar bestehen, wenn genetische Veranlagungen und andere Risikofaktoren berücksichtigt wurden.
Biomarker als Indikatoren für gesundheitliche Vorteile
Die Daten gehen jedoch ebenfalls über die bisher bekannten Vorteile einer pflanzlichen Ernährung hinaus. Erstmals konnten Biomarker zentraler Stoffwechselvorgänge und Organfunktionen als Mediatoren der gesundheitlichen Auswirkungen einer pflanzlichen Ernährung identifiziert werden. Eine gesunde pflanzliche Ernährung korrelierte mit Normalwerten bei Blutfetten (Triglyceriden), Blutzucker (HbA1c), Entzündungsparametern (CRP) und dem insulinähnlichen Wachstumsfaktor (IGF1), was mit einem niedrigeren Diabetesrisiko einherging.
Gesunde pflanzliche Ernährung verbessert ebenfalls Leber- und Nierenfunktion
Die positiven Auswirkungen erstrecken sich auch auf die Funktion von Leber und Niere. Die Studie zeigte, dass eine bewusste pflanzenbasierte Ernährung nicht nur das Diabetesrisiko senkt, sondern auch die Funktion dieser lebenswichtigen Organe verbessert. Diese bislang unterschätzte Wirkung könnte einen weiteren Nutzen der pflanzlichen Ernährung in der Diabetes-Prävention darstellen.
Ernährungsumstellung als große Hoffnung in der Diabetes-Kontrolle
Die Schlussfolgerungen des Forschungsteams um Tilman Kühn zeigen, dass eine gesunde pflanzliche Ernährung nicht nur das Diabetesrisiko reduziert, sondern auch bei genetischer Vorbelastung und anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, höherem Alter oder mangelnder körperlicher Aktivität wirksam ist. Hierbei liegt jedoch auch das Augenmerk auf der Art und Weise der pflanzlichen Ernährung, da es durchaus darauf ankommt, welche nicht-tierischen Produkte man zu sich nimmt.
Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen eindrucksvoll die Schlüsselrolle einer gesunden pflanzlichen Ernährung bei der Reduzierung des Diabetesrisikos und betonen die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung für die allgemeine Gesundheit. Es bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnisse das Bewusstsein für die positiven Effekte einer pflanzlichen Ernährung stärken und somit einen Beitrag zur Prävention von Typ-2-Diabetes leisten können.








