Diabetiker leiden häufig unter einem schlechten Schlaf
Diabetes mellitus Typ 2 ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten und betrifft geschätzt 537 Millionen Menschen weltweit. Die Erkrankung kann zu Komplikationen, eingeschränkter Lebensqualität und früher Mortalität führen. Diabetiker berichten häufig über eine insuffiziente Schlafdauer oder reduzierte Schlafqualität. Verschiedene Studien beobachteten einen Zusammenhang zwischen schlechtem subjektivem Schlaf und einem hohen HbA1c. Ebenso ist ein Diabetes oft mit schlafbezogenen Atmungsstörungen, insbesondere obstruktiver Schlafapnoe, assoziiert.
Veränderte Schlafarchitektur bei metabolischen Störungen
Eine Polysomnographie gibt detaillierte Informationen über den Schlaf und die Verteilung der verschiedenen Schlafstadien. Die Hauptschlafstadien sind der Rapid-Eye Movement (REM)- und der Non-REM-Schlaf. Der Non-REM Schlaf wird weiter in die Schlafstadien N1-N3 aufgeteilt. N3 ist hierbei das tiefste Schlafstadium. Verschiedene Studien untersuchten die Auswirkungen unterschiedlicher Erkrankungen auf den Schlaf und vice versa.
So war eine experimentelle Schlafrestriktion mit einem reduzierten REM-Schlaf assoziiert und erhöhte das Risiko der Gewichtszunahme. Es konnte zudem gezeigt werden, dass eine veränderte Schlafarchitektur zu Störungen von metabolischen Funktionen führen kann. Experimentelle Studien legten dar, dass eine Suppression des N3-Schlafstadiums bei jungen Erwachsenen zu Störungen des Glukosemetabolismus und der Insulinsensitivität führen kann. Vor diesem Hintergrund scheint die Schlafarchitektur besonders wichtig für Patienten mit Diabetes zu sein. Bisher ist unklar, wie die Schlafarchitektur bei diesen Patienten ist.
Wie ist die Schlafarchitektur bei Diabetikern?
Eine aktuelle Querschnittsstudie untersuchte daher die Schlafarchitektur von Patienten mit Diabetes oder Prädiabetes und verglich sie mit Menschen, die nicht an einem Diabetes mellitus leiden.
Diabetes war in der Studie definiert als ein Nüchternglukosewert >125 mg/dl oder einem HbA1c-Wert >6,4 mmol/mol oder die Einnahme eines Antidiabetikums. Ein Prädiabetes war definiert als HbA1c ≥5,7 und <6,5 mmol/mol oder ein Nüchternglukosewert ≥100 und <125 mg/dl. Insgesamt wurden in die Studie 1.074 Teilnehmer eingeschlossen, die eine heimische Polysomnographie durchführten. 64,2% der Probanden waren Frauen. Das mittlere Alter der Studienteilnehmer betrug 48,8 Jahre. Der mittlere HbA1c-Wert der Diabetiker lag bei 7,31 und der der Prädiabetiker bei 5,86 mmol/mol.
REM-Schlaf bei (Prä-)Diabetes kürzer
Im Vergleich zu den Patienten ohne Diabetes wiesen die (Prä-)Diabetiker eine sechs bis sieben Minuten kürzere REM-Dauer auf. Ein Diabetes mellitus war zudem mit einer 14 Minuten kürzeren totalen Schlafzeit (p=0,04), einem 7,6 Minuten längeren slow-wave Schlaf (N3-Stadium) (p=0,03) und einem 2,4% höheren N3-Stadium-Anteil assoziiert (p=0,01) im Vergleich zu den Patienten ohne Diabetes mellitus.
Mögliche Erklärungen für veränderte Schlafarchitektur bei Prädiabetes und Diabetes
Die Autoren vermuteten, dass der höhere Anteil des N3-Stadiums entzündungsbedingt sein könnte, da höhere Level an proinflammatorischen Markern mit einem höheren N3 Anteil assoziiert sind.
Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Diabetiker einen chronischen Schlafmangel haben, welches aufgrund der homöostatischen Schlafregulation zu einer Erhöhung des N3-Stadiums und Erniedrigung des REM-Stadiums führen könnte. Zu verstehen, ob die Veränderungen der Schlafarchitektur Auswirkungen auf die Therapie haben könnten, ist laut den Autoren der nächste wichtige Schritt.








