Die Betazellersatztherapie in Form von allogener Inseltransplantation beruht auf einer oder mehreren Inselinfusionen, die eine geregelte Insulinsekretion im Körper von Menschen mit Typ-1-Diabetes wiederherstellen sollen. Die Inseltransplantation wird auch im Anschluss an eine Nierentransplantation aufgrund von terminaler Niereninsuffizienz durchgeführt. Obwohl die langfristige Überlebensrate der transplantierten pankreatischen Inseln laut Studien zwischen 48% und 78% erreichen kann, wird oftmals eine Abnahme der Transplantatfunktion über die Zeit beobachtet, die den Erfolg der Behandlung negativ beeinflusst. Auch wiederholte Infusionen, die die Anzahl an transplantierten Inseln erhöhen, können dem meist nicht entgegenwirken. Die zugrundeliegenden Ursachen für das Funktionsversagen sind bisher nicht vollständig geklärt.
Im Rahmen einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler untersucht, ob die primäre Transplantatfunktion nach einer Inselübertragung die Ergebnisse der Inseltransplantation nach 5 Jahren beeinflusst [1]. In der retrospektiven, multizentrischen, observierenden Studie wurden Daten von insgesamt 1.210 Patienten mit einem Typ-1-Diabetes analysiert, von denen 82,4% eine allogene Inseltransplantation allein und 17,6% eine Insel-nach-Niere-Transplantation erhalten haben. Im Durchschnitt waren die Transplantatempfänger 47 Jahre alt (Standardabweichung [SD]: 10) und lebten seit durchschnittlich 30,4 Jahren (SD: 11,2) mit der Diabeteserkrankung.
Im Median erhielten die Patienten 10.800 Inseläquivalente pro kg Körpergewicht (interquartiler Bereich [IQR]: 7,4 bis 13,5), 37,4% davon durch eine einmalige Inselinfusion und 62,6% durch mehrere Infusionen (mindestens zwei). Die primäre Transplantatfunktion wurde 28 Tage nach der letzten Infusion mittels BETA-2-Score bestimmt. Der BETA-2-Score wird anhand vom HbA1c-Wert, Nüchtern-C-Peptid-Level, Nüchtern-Blutglukosespiegel und der täglich notwendigen Insulinmenge berechnet, wobei ein Score von 0 funktionslose Betazellen bedeutet. Die durchschnittliche primäre Transplantatfunktion aller Probanden betrug 14,3 (SD: 8,8). Bei Patienten, die eine einmalige Inselinfusion erhalten haben, lag diese bei 10,1 (SD: 7,8) und bei Patienten mit mehreren Infusionen bei 16,8 (SD: 8,4; p<0,0001).
Inverser und linearer Zusammenhang zwischen primärer Transplantatfunktion und 5-Jahres-Misserfolg
Der primäre Endpunkt der Studie war die kumulative 5-Jahres-Inzidenz erfolgloser Inseltransplantationen, definiert als ein HbA1c-Wert von 7,0% oder höher, mindestens eine schwerwiegende Hypoglykämie-Episode oder ein Nüchtern-C-Peptid-Level von weniger als 0,2 ng/ml. Die kumulative 5-Jahres-Inzidenz erfolgloser Inseltransplantationen lag bei 70,7% (95%-Konfidenzintervall [KI]: 67,2 bis 73,9) und hing umgekehrt und linear mit der primären Transplantatfunktion zusammen. Die bereinigte Sub-Hazard-Ratio (sHR) betrug 0,77 (95%-KI: 0,72 bis 0,82) pro Anstieg um 5 Einheiten des BETA-2-Scores (p<0,0001). Dieser signifikante Zusammenhang bestand auch in einzelnen Untergruppen und war unabhängig von der Anzahl der Infusionen (einmalig oder mehrfach, p=0,069) und der Art der Transplantation (Inseltransplantation allein oder Insel-nach-Niere-Transplantation, p=0,43).
Die sekundären Endpunkte der Studie waren die kumulativen Inzidenzen einzelner Ereignisse einer erfolglosen Inseltransplantation. Die kumulative 5-Jahres Inzidenz einer Erschöpfung des Transplantats lag bei 42% (95%-KI: 38,7 bis 45,3), einer unzureichenden Blutglukosekontrolle bei 67,6% (95%-KI: 64,2 bis 70,8) und der Notwendigkeit einer Insulintherapie bei 76,5% (95%-KI: 73,6 bis 79,1). Diese Einzelereignisse hingen ebenfalls invers mit der primären Transplantatfunktion zusammen und die bereinigten sHRs betrugen jeweils 0,63 (95%-KI: 0,57 bis 0,70), 0,80 (95%-KI: 0,75 bis 0,86) und 0,77 (95%-KI: 0,73 bis 0,81) pro Anstieg um 5 Einheiten des BETA-2-Scores (alle p<0,0001).
Primäre Transplantatfunktion als Richtwert in der Inseltransplantation
Die Ergebnisse der Studie deuten an, dass eine schlechtere anfängliche Transplantatfunktion die Wahrscheinlichkeit für den langfristigen Misserfolg einer Inseltransplantation erhöht. Eine Bestimmung der anfänglichen Transplantatfunktion könnte in Zukunft helfen, über eventuelle Wiederholungen von Inselinfusionen zu entscheiden, und könnte als Ersatzendpunkt der frühzeitigen und verlässlichen Beurteilung des Transplantationserfolgs in zukünftigen klinischen Studien dienen.









