Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlichte Studie beleuchtet neue Risikofaktoren beim Alkoholkonsum, insbesondere die Gefahren des Trinkens auf nüchternen Magen. Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis haben herausgefunden, dass der Konsum von Alkohol ohne begleitende Nahrungsaufnahme das Risiko für Krebserkrankungen im Gastrointestinaltrakt signifikant erhöht.
Aufbau der Studie
In der prospektiven Studie wurde auf Daten von über 347.000 alkoholtrinkenden Erwachsenen im Alter von 40 bis 69 Jahren aus der UK Biobank aus den Jahren 2006 bis 2021 zurückgegriffen. Die Erwachsenen wurden hinsichtlich ihres Konsumverhaltens befragt (Alkohol zu den Mahlzeiten: 44%, situationsabhängiger Konsum: 36%, Alkohol unabhängig von Mahlzeiten: 20%) und über einen Zeitraum von durchschnittlich 10,5 Jahren nachbeobachtet. Innerhalb dieser Zeit wurden 6813 gastrointestinale (GI) Karzinome diagnostiziert.
Erhöhtes Krebsrisiko bei Alkoholkonsum ohne Mahlzeiten
Es zeigte sich, dass Personen, die Alkohol nicht begleitend zu einer Mahlzeit konsumieren, ein um 10% höheres Risiko für GI-Karzinome haben. Dieser Zusammenhang bleibt auch unter Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Geschlecht, BMI, körperlicher Aktivität, Raucherstatus, Gesamtalkoholkonsum und Art der alkoholischen Getränke bestehen.
Gefahr für Early-Onset-Karzinome
Besonders bemerkenswert ist die Zunahme des Risikos für Early-Onset-Karzinome, also Krebserkrankungen, die vor dem 50. bzw. 55. Lebensjahr auftreten. Bei Personen, die Alkohol unabhängig von Mahlzeiten trinken, ist das Risiko für früh beginnenden Krebs um 30% höher im Vergleich zu denen, die Alkohol nur während der Mahlzeiten konsumieren. Bei Krebs von Magen, Leber oder Rektum sogar um 48%. Auch für Late-Onset-Karzinome war das relative Risiko um 8% erhöht.
Warum begleitende Mahlzeiten die Kanzerogenität von Alkohol vermindern
Die Studienautoren Mengyao Shi und Nadia Ahmedin weisen darauf hin, dass die verzögerte Magenentleerung und reduzierte Alkoholresorption bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme schützende Effekte zu haben scheinen. Zudem wird der Alkoholmetabolismus im nüchternen Zustand durch einen niedrigeren ADH-Spiegel und eine verringerte Leberdurchblutung verlangsamt. Demnach kann die entzündungsfördernde und karzinogene Wirkung von Alkohol im Gastrointestinaltrakt durch eine begleitende Nahrungsaufnahme abgeschwächt werden.
Bedeutung für die Krebsprävention und Gesundheitsaufklärung
Die Ergebnisse dieser Studie sind ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Ernährungsgewohnheiten, Alkoholkonsum und Krebsrisiko und unterstreichen die Bedeutung eines bewussteren Umgangs mit Alkohol.









