Biopsie vs. Bluttest: Neue Studie zu Zöliakie-Diagnostik

Um eine Glutenunverträglichkeit zu diagnostizieren, folgt nach Anamnese, körperlicher Untersuchung und bei positiver tTG-IgA-Serologie eine Duodenalbiopsie. Ist das nötig? Ein Forschungsteam hat die Ergebnisse des Bluttests mit den Ergebnissen der Biopsie verglichen.

Zöliakie

Wenn Getreide krank macht

Eine Glutenunverträglichkeit kann viele Gesichter haben. Neben klassischen Symptomen wie Stuhlveränderungen und Bauchschmerzen leiden einige Betroffene an extraintestinalen Symptomen wie Antrieblosigkeit, Konzentrationsstörungen oder Hautveränderungen. Aufgrund des breiten Spektrums an Manifestationen wird die Zöliakie auch „Chamäleon der Gastroenterologie“ genannt. Der Weg zur richtigen Diagnose ist für Betroffene oft lang und frustrierend – und daher ist es umso wichtiger, dass nun weitere Forschung auf dem Gebiet der Zöliakie-Diagnostik durchgeführt wurde.

Studienaufbau zum Zöliakie-Bluttest

Eine kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ erschienene Studie befasst sich mit dem Bluttest auf Transglutaminaseantikörper (tTG-IgA), der in der aktuellen Leitlinie nach Anamnese und körperlicher Untersuchung den nächsten diagnostischen Schritt darstellt. Die Transglutaminase ist ein Enzym der Darmschleimhaut und verarbeitet das im Gluten enthaltene Glutamin. Bei der glutensensitiven Enteropathie bildet der Körper unter anderem Autoantikörper gegen dieses Enzym. Der Test muss unter glutenhaltiger Ernährung erfolgen und gleichzeitig sollte ein genereller IgA-Mangel, der manchmal mit Zöliakie einhergeht, ausgeschlossen werden.

Das Studienteam um Carolina Ciacci verglich die Aussagekraft des serologischen Markers bei 436 Erwachsenen mit Verdacht auf Zöliakie und ohne IgA-Mangel mit den Ergebnissen einer darauffolgenden Dünndarmbiopsie. Die Histologie stellt aktuell den Goldstandard zur finalen Diagnosesicherung dar.

Wie gut kann der Bluttest Glutenunverträglichkeit vorhersagen?

Bei 341 Studienteilnehmern war der Test auf Anti-Transglutaminase IgA „richtig-positiv“, d.h. auf einen positiven Bluttest folgte auch eine Biopsie, in der tatsächliche Hinweise auf eine Zöliakie gefunden wurden. In 66 Fällen war der Test „richtig-negativ“, d.h. weder im Bluttest noch in der Biopsie bestätigte sich der klinische Verdacht auf Glutenunverträglichkeit. Nur bei 22 Patientinnen und Patienten versagte der Bluttest im Sinne eines „falsch-positiven“ Ergebnisses, bei 7 Probandinnen und Probanden war das Testergebnis „falsch-negativ“. Aus diesen Zahlen ergibt sich ein positiver Vorhersagewert des Tests von 93,9% (95%-KI 89,2 bis 98,6) und ein negativer Vorhersagewert von 90,4% (95%-KI 85,5 bis 95,3). Die Sensitivität des Tests lag damit bei 98% (95%-KI 95,3 bis 100) und die Spezifität bei 75,0% (95%-KI 66,6 bis 83,4).

Die Diskussion geht weiter

Das italienische Forschungsteam hat mit seiner Forschung eine neue Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Dünndarmbiopsien zur Diagnosesicherung der Zöliakie entfacht. Gegen die Biopsie sprechen die Kosten, die Unannehmlichkeiten der Prozedur sowie die Risiken der notwendigen Sedierung und in seltenen Fällen Narkose zur Probenentnahme. Andererseits wird davor gewarnt, bei der Durchführung „nur“ eines Bluttests möglicherweise einerseits Betroffene zu verpassen und andererseits falsche Zöliakie-Diagnosen zu stellen.

Auch wenn die Biopsie aktuell noch der Goldstandard bleibt, könnte sich dies bei Patienten ohne IgA-Mangel in Zukunft noch ändern. Die Autorinnen und Autoren des Papers schlagen weiterführende Studien vor, die sich mit potenziellen tTG-IgA-Grenzwerten beschäftigen, um die Abwägung zwischen Vor- und Nachteilen der Biopsie mit weiteren Daten zu unterstützen [1–3].

Autor:
Stand:
18.12.2023
Quelle:
  1. Ciacci et al. (2023): Serum anti-tissue transglutaminase IgA and prediction of duodenal villous atrophy in adults with suspected coeliac disease without IgA deficiency (Bi.A.CeD): a multicentre, prospective cohort study. The Lancet, DOI: 10.1016/S2468-1253(23)00205-4
  2. Felber et al. (2021): Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. AWMF online, DOI: 10.1055/a-1741-5946
  3. Schuppan (2016): Zöliakie: Pathogenese, Klinik, Epidemiologie, Diagnostik, Therapie. Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz, DOI: 10.1007/s00103-016-2364-1


 

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