Darmbarriereschädigung durch Klarspüler

Es gibt Hinweise, dass atopische Erkrankungen mit zunehmender Popularität von Geschirrspülmaschinen zugenommen haben. Klarspülerreste, die am Ende des Spülvorganges auf dem Geschirr verbleiben, scheinen einen darmbarriereschädigenden Effekt zu haben.

Klarspüler

Schädigung der Darmbarriere scheint Allergien und Adipositas zu fördern

Die Darmbarriere hält einer Vielzahl von Substanzen stand, während sie auf der anderen Seite die Absorption von Nährstoffen, Wasser und Elektrolyten reguliert [1]. Die Passage der Moleküle wird über interzelluläre Verbindungen, die sogenannten Tight Junctions, kontrolliert. Diese befinden sich auf der apikalen Oberfläche der Epithelzellen. Die Tight Junctions bestehen ihrerseits aus einem Komplex, der sich aus Transmembranproteinen (z.B. Occludin, Claudin) und intrazellulären Proteinen (Zonula occludens) zusammensetzt.

Eine Schädigung der Darmbarriere scheint der zentrale pathogene Faktor zu sein, der zu systemischen Inflammationen führt, die beispielsweise bei Adipositas und inflammatorischen Darmerkrankungen zu beobachten sind [2]. Die kürzlich postulierte „Epithelbarrieren-Hypothese“ assoziiert den Anstieg von Allergien, autoimmunen und metabolischen Erkrankungen mit einer erhöhten Exposition gegenüber darmbarriereschädigenden Substanzen im Rahmen der industrialisierten und urbanisierten Gesellschaft [2,3]. Insbesondere der Einsatz von Geschirrspülern scheint mit einer vermehrten Darmbarriereschädigung einherzugehen.

Geschirrspültabs und Klarspüler toxisch für gastrointestinale Zellen?

Professionelle Geschirrspüler erfreuen sich großer Popularität und werden beispielsweise in Restaurants, Schulen und Hotels eingesetzt. Im Rahmen des gesamten Spülvorgangs gibt es keine Waschgänge, um Klarspülerreste abzuspülen. So verbleiben Reste mit Verdünnungen zwischen 1:250 und 1:667 bei den eigentlichen Geschirrspülmitteln und 1:2.000 bis 1:10.000 bei den Klarspülern. Obwohl Geschirrspültabs und Klarspüler verschiedene toxische Substanzen enthalten, wurde ihre Toxizität auf gastrointestinale Epithelzellen bisher nicht komplett untersucht.

Einfluss von Geschirrspülmittel und Klarspüler auf gastrointestinale Epithelzellen

Forscher untersuchten daher in vitro den Effekt des Einsatzes von Geschirrspülmitteln und Klarspüler in professionellen und Haushalts-Geschirrspülmaschinen auf Zytotoxizität, Barrierefunktion, Transkriptom und Proteinexpression der gastrointestinalen Epithelzellen. Die hierfür verwendeten Verdünnungen der Geschirrspülmittel bzw. des Klarspülers entspricht in etwa der auf dem Geschirr getrockneten Menge (1:10.000 bis 1:40.000).

Dosisabhängige Toxizität bei Klarspülerresten

Die Wissenschaftler beobachteten zytotoxische Effekte auf die Zellen bei Verdünnungen beginnend bei 1:20.00 und 1:10.000. Es zeigte sich, dass der Klarspüler in hohen Dosen zum Tod der Darmepithelzellen führt, während er bei niedrigeren Dosen die Epithelbarriere schädigt und durchlässiger macht. Eine direkte epitheliale Zelltoxizität, Unterbrechungen der Tight junctions und ihres molekularen Mechanismus traten bei täglicher Exposition gegenüber Verdünnungen von 1:10.000 auf. Als stark toxische und barriereschädigende Substanz im Klarspüler identifizierten die Forscher Alkoholethoxylat. Die anderen im Klarspüler enthaltenen Substanzen wie Zitronensäure und Natriumcumenesulfonat beeinträchtigen die Darmbarrierefunktion hingegen nicht.

Fazit

Klarspüler, die in Geschirrspülmaschinen genutzt werden, wirken zytotoxisch und schädigen die Darmbarriere. Die hierfür verantwortliche Substanz im Klarspüler ist Alkoholethoxylat. Die Forscher empfehlen, sichere Alternativen für Alkoholethoxylat zu suchen.

Autor:
Stand:
12.06.2023
Quelle:
  1. Groschwitz, Hogan (2009): Intestinal barrier function: molecular regulation and disease pathogenesis. Journal of Allergy and Clinical Immunology, DOI: 10.1016/j.jaci.2009.05.038
  2. Akdis (2021): Does the epithelial barrier hypothesis explain the increase in allergy, autoimmunity and other chronic conditions? Nature Reviews Immunology, DOI: 10.1038/s41577-021-00538-7
  3. Sozener et al. (2022): Epithelial barrier hypothesis: effect of external exposome on microbiome and epithelial barriers in allergic disease. Allergy; DOI: 10.1111/all.15240
  4. Ogulur et al. (2023): Gut epithelial barrier damage caused by dishwasher detergents and rinse aids. Journal of Allergy and Clinical Immunology, DOI: https://doi.org/10.1016/j.jaci.2022.10.020
  5. Lux (2023): Klarspüler: gut für die Teller, schlecht für den Menschen? Allergo Journal, DOI: https://doi.org/10.1007/s15007-023-5712-0
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