Dieser Bericht wurde im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses erstellt, um den möglichen Vorteil eines frühzeitigen Screenings in dieser Risikogruppe zu bewerten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat in einer gemeinsamen Stellungnahme hierzu Stellung bezogen.
Darmkrebs, bzw. das kolorektale Karzinom, gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Laut Schätzungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung aus dem Jahr 2020 ist er bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebsart. Dabei entwickelt sich Darmkrebs meist langsam: Zunächst entstehen gutartige Wucherungen, sogenannte Adenome, in der Schleimhaut des Dick- und Enddarms, die im Laufe der Zeit bösartig werden können.
Darmkrebsscreening ab 50 Jahren
Das Ziel des Screenings ist, Neubildungen frühzeitig zu entdecken und zu entfernen, um Karzinome und deren Ausbreitung zu verhindern und die Krankheitsrate zu senken. In Deutschland wird derzeit allen gesetzlich Versicherten ab 50 Jahren ein Darmkrebsscreening angeboten. Ein spezielles Screening für Risikogruppen, wie Menschen mit familiärem Risiko, gibt es jedoch nicht.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das IQWiG, zu prüfen, ob für diese Risikogruppe ein früheres Screening sinnvoll wäre. Das Institut konnte jedoch keine ausreichenden Daten für eine abschließende Bewertung finden.
Möglicher Nutzen und Übertragbarkeit
Anhaltspunkte für einen möglichen Nutzen oder Schaden eines frühzeitigen Darmkrebsscreenings bei dieser Population konnten somit nicht gefunden werden. Vergleichende Interventionsstudien würden hier fehlen, so das IQWiG. Auch eine mögliche Übertragbarkeit von Erkenntnissen zum Darmkrebsscreening bei Menschen ab 50 Jahren auf Personen mit familiärem Risiko, die unter 50 Jahren sind, bleibe größtenteils unklar.
Mit der Zielsetzung, wichtige Hinweise und Argumente aus der Fachöffentlichkeit zu erhalten, veröffentlichte das IQWiG die vorläufigen Bewertungsergebnisse und forderte Interessierte dazu auf, bis zum 09.09.2024 Stellungnahmen zum Vorbericht einzureichen.
DGVS plädiert für frühes Vorsorgescreening
In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich nun die DGVS sowie weitere Fachgesellschaften und Verbände, darunter der Berufsverband der Niedergelassenen Gastroenterologen (bng), für eine frühzeitige Vorsorgekoloskopie bei Personen mit familiärem Darmkrebsrisiko ausgesprochen. Die Institutionen betonen in ihrem Schreiben an den G-BA die Bedeutung einer frühzeitigen Vorsorgekoloskopie für Personen mit familiärem Darmkrebsrisiko und empfehlen ein Vorsorgescreening spätestens ab dem 40. Lebensjahr bzw. zehn Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie gesetzlich zu verankern.
Die DGVS betont, dass diese Risikogruppe ein signifikant höheres Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs haben. Zwar fehlen spezifische randomisierte Interventionsstudien, jedoch sprechen die internationale Fachliteratur und aktuelle Pilotstudien dafür, dass Screening-Ergebnisse von Personen über 50 Jahren auf jüngere Menschen mit familiärem Risiko wahrscheinlich übertragbar seien.










