Schützen Hunde vor Morbus Crohn?

Bei der Entwicklung von Morbus Crohn spielen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Eine kanadische Studie untersuchte diese Umweltfaktoren nun genauer. Dabei schienen Menschen, die in der Kindheit mit Hunden lebten und solche aus großen Familien seltener zu erkranken.

Golden Retriever Welpe

Studie untersucht multifaktorielle Genese von Morbus Crohn

Für die Entwicklung von Morbus Crohn (MC) scheint eine genetische Disposition eine wichtige Rolle zu spielen. Gleichzeitig zeigen Zwillingsstudien, dass Umweltfaktoren entscheidend auf den Krankheitsverlauf einwirken. Der Hypothese nach beeinflussen sie das Darmmikrobiom und damit die mukosale Immunreaktion und epitheliale Barrierefunktion. Doch noch immer ist nicht genau bekannt, welche Einflussfaktoren es genau sind, die sich auf die Entstehung von MC auswirken. 

Eine aktuelle kanadische Studie untersuchte nun 4540 asymptomatische erstgradige Verwandte von Menschen mit MC. Mittels eines detaillierten Fragebogens wurden mögliche Umwelteinflüsse sowie demografische Merkmale abgefragt. Vier der untersuchten Variablen standen signifikant im Zusammenhang mit dem Risiko, MC zu entwickeln.

Hunde und Großfamilien wirken möglicherweise protektiv

Bei Menschen, die im Alter von 5 bis 15 Jahren mit einem Hund gelebt hatten, war das Risiko 39% niedriger an MC zu erkranken als in der gleichaltrigen Vergleichsgruppe. Personen, die in einer Familie mit mehr als drei Mitgliedern aufwuchsen, hatten sogar ein um 57% reduziertes Risiko. Im Gegensatz dazu erhöhte das Zusammenleben mit Vögeln das Risiko fast auf das Dreifache (HR 2,84). Zudem war das Risiko, an MC zu erkranken, doppelt so hoch, wenn der erstgradig erkrankte Verwandte ein Geschwisterkind war. 

Verschiedene Pathomechanismen spielen eine Rolle 

Die Forschenden untersuchten verschiedene mögliche Pathomechanismen genauer. Eine gestörte Darmpermeabilität wird seit langem als wichtiger Faktor in der Entstehung von MC diskutiert. Den Probanden wurde daher eine definierte Menge von Lactose und Mannitol verabreicht. Während Mannitol leicht von der Darmwand aufgenommen wird, sollte die viel größere Lactose nur in geringem Maß resorbiert werden. Wird viel Lactose aufgenommen, spricht dies für eine gestörte Barrierefunktion des Darmes. Bei Menschen, die mit Hunden zusammenlebten, zeigte sich hierbei eine signifikant geringere Darmpermeabilität.  

Weiterhin untersuchten die Forschenden den Stuhl der Testpersonen auf Calcprotectin (FCP) als Marker für eine subklinische Entzündung und fanden einen Zusammenhang zu einem Zusammenleben mit Vögeln. Insbesondere wenn Menschen im Alter zwischen 5 und 15 Jahren mit Vögeln lebten, traten FCP-Werte über 100 mg/g etwa doppelt so häufig auf. Ein Zusammenhang zwischen FCP und dem Zusammenleben mit Hunden oder in einer Großfamilie fand sich hingegen nicht. Die Ergebnisse sind jedoch vorsichtig zu bewerten, da die Kohorte relativ klein war (176 Personen). 

Höhere Mikrobiomdiversität und Darmgesundheit

Möglicherweise lassen sich diese Beobachtungen über das Mikrobiom erklären. So zeigte sich bei Menschen, die im Alter zwischen 5 und 15 Jahren mit Hunden zusammenlebten, eine höhere Mikrobiomdiversität. Auch fanden sich vermehrt solche Bakterienstämmen, die mit einer guten Darmgesundheit in Zusammenhang gebracht werden. 

Schwächen der Studie und Schlussfolgerungen 

Die Studie weist mehrere Schwächen auf. So basieren die Erhebungen auf einem Fragebogen in dem Informationen teilweise retrospektiv erinnert werden mussten. Zudem besteht die Möglichkeit, dass unerkannte Einflussfaktoren nicht erfasst wurden.

Die Ergebnisse unterstützen jedoch eine bereits seit längerem wachsende Evidenz für die potenziellen Gesundheitsvorteile des Kontakts mit Haustieren als präventive Strategie für Personen mit einem erhöhten Risiko, MC zu entwickeln. Weitere Studien sind nötig, um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen.

Autor:
Stand:
21.11.2024
Quelle:

Mingyue Xue, Haim Leibovitzh, Shao Jingcheng, Environmental Factors Associated With Risk of Crohn’s Disease Development in the Crohn’s and Colitis Canada - Genetic, Environmental, Microbial Project, Clinical Gastroenterology and Hepatology, Volume 22, Issue 9, 2024, Pages 1889-1897.e12, ISSN 1542-3565, DOI: 10.1016/j.cgh.2024.03.049

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