Ernährungsfaktoren sind ein zentraler Ansatzpunkt in der Prävention kolorektaler Karzinome. Während der Zusammenhang zwischen Fettzufuhr und Krebsrisiko seit Jahrzehnten diskutiert wird, blieb die Evidenzlage bislang uneinheitlich. Neue Ergebnisse einer in 'Cancer Epidemiology' publizierten systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse werfen nun ein differenzierteres Licht auf die Rolle spezifischer Fettsäuren: Während einfach und mehrfach ungesättigte Fette keine signifikante Wirkung zeigten, war eine moderate Aufnahme gesättigter Fettsäuren mit einem geringeren Risiko für kolorektalen und insbesondere Kolonkrebs assoziiert.
Systematischer Review mit Dosis-Wirkungs-Analyse
Im Zentrum der Analyse stand die Frage, wie sich unterschiedliche Fettsäuretypen – einfach ungesättigte (MUFA), mehrfach ungesättigte (PUFA) und gesättigte Fettsäuren (SFA) – sowie deren Herkunft (tierisch vs. pflanzlich) auf das Risiko für kolorektale, Kolon- und Rektumkarzinome auswirken.
Für die Metaanalyse wurden 21 prospektive Kohortenstudien mit insgesamt 2.311.737 Teilnehmern ausgewertet. Die Nachbeobachtungszeit betrug zwischen sieben und 19,4 Jahren. In diesem Zeitraum wurden 21.125 Fälle kolorektaler Neoplasien dokumentiert. Neben klassischen Gruppenvergleichen wurde eine nichtlineare Dosis-Wirkungs-Analyse durchgeführt.
Keine Assoziation bei Gesamtfett, MUFA, PUFA oder Fettquelle
Die Analyse zeigte, dass eine hohe Gesamtfettaufnahme nicht mit einem erhöhten Risiko für kolorektale Tumoren (relatives Risiko [RR]: 1,05; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0,96–1,15), Kolonkarzinome (RR: 0,99; 95 % KI: 0,87–1,11) oder Rektumkarzinome (RR: 1,09; 95 % KI: 0,93–1,13) assoziiert ist. Auch für die Aufnahme von einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren (MUFA bzw. PUFA) ergab sich kein signifikanter Zusammenhang.
Ebenso zeigte sich weder für Fett aus tierischen noch aus pflanzlichen Quellen eine Assoziation mit dem Erkrankungsrisiko. Damit liefern die Daten keine Hinweise auf einen Einfluss der Fettquelle per se, unabhängig vom Fettsäuretyp.
Inverse Assoziation bei gesättigten Fettsäuren unterhalb von 40 g/Tag
Im Gegensatz zu den übrigen Fettarten ergab sich für gesättigte Fettsäuren ein differenzierteres Bild: In der höchsten versus niedrigsten Aufnahmekategorie war eine hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren mit einem reduzierten Risiko für kolorektale Karzinome (RR: 0,91; 95 % KI: 0,85–0,99) und für Kolonkrebs (RR: 0,86; 95 % KI: 0,75–0,98) verbunden. Für Rektumkarzinome ergab sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang.
Die Dosis-Wirkungs-Analyse ergab eine inverse Beziehung für Aufnahmemengen bis etwa 40 g/Tag. Innerhalb dieses Bereichs war das Risiko für kolorektale und Kolonkarzinome niedriger. Oberhalb dieser Schwelle flachte die Kurve ab und zeigte keinen weiteren Nutzen.
Bewertung der Ergebnisse und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse der Metaanalyse widersprechen der verbreiteten Annahme, dass gesättigte Fettsäuren grundsätzlich das Risiko für kolorektalen Krebs erhöhen. Innerhalb eines moderaten Aufnahmespektrums von bis zu 40 g/Tag ergaben sich in dieser Analyse Hinweise auf einen potenziell protektiven Effekt.
Die Autoren betonen die Notwendigkeit weiterer prospektiver Studien, um die beobachteten Zusammenhänge zu verifizieren und zugrunde liegende Mechanismen aufzuklären. Die differenzierte Betrachtung nach Fettart, Herkunft und Aufnahmemenge stellt einen methodischen Fortschritt dar, der zur Präzisierung zukünftiger Ernährungsempfehlungen beitragen kann.









