Mikroplastik und sein Einfluss auf den Verdauungstrakt

Die DGVS stellte kürzlich neue Erkenntnisse vor, wie die Anreicherung von Mikroplastik in den Verdauungsorganen und Erkrankungen, wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Leberfibrosen, zusammenhängen könnten.

Mikroplastik

Täglich kommen Menschen mit Plastik in Berührung. Plastik kann dabei sowohl mit der Nahrung oder mit Getränken aufgenommen als auch eingeatmet werden. Lebensmittel sind in Plastik verpackt, Trinkflaschen und andere Aufbewahrungsbehälter aus Kunststoff werden ebenfalls alltäglich verwendet. 

So gelangen kleine Bestandteile dieser Produkte in den menschlichen Körper. Über die Lunge oder den Verdauungstrakt kommen sie in den Blutkreislauf und erreichen schließlich Gewebe und Zellen. Welche gesundheitlichen Auswirkungen ergeben sich daraus?  

Mikroplastik als gesundheitsrelevanter Faktor

Mikroplastik konnte bereits in Darm, Leber, Nieren, Plazenta und Gehirn nachgewiesen werden. Studien deuten darauf hin, dass Mikroplastik in den betroffenen Organen Schädigungen hervorrufen kann, wenn zudem Vorerkrankungen vorliegen. 

Bisher lassen sich gesundheitliche Folgen jedoch schwer nachweisen. Gründe dafür sind, dass keine Vergleichspersonen existieren, die keinerlei Mikroplastikbelastung aufweisen. Zudem lässt sich die Vielfalt an existierenden Kunststoffen nicht im Labor abbilden. Möglicherweise trägt aber die Art des Plastiks neben der Größe zur Aufnahme und Wirkung im Körper bei. 

Auch ist es schwer, potenzielle Gesundheitsschäden in der Realität darzustellen, da sich Mikroplastik im Laufe vieler Jahre langsam im Organismus anreichert und es keine messbaren akuten „Vergiftungen“ gibt. Trotzdem kann der Weg von Mikroplastik in den Körper und seine Wirkungen durch Studien nachvollzogen werden, mit dem Ergebnis, dass es sich bei Mikroplastik um einen gesundheitsrelevanten Faktor handelt. Beispielsweise konnte eine aktuelle Studie Mikroplastikpartikel in arteriosklerotischen Plaques nachweisen und bringt sie deshalb mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen in Zusammenhang. 

Effekte von Mikroplastik auf CED und Leberfibrose

Forscher vermuten des Weiteren, dass Mikroplastikpartikel Entzündungen fördern können. Makrophagen, die „Fresszellen“ des Immunsystems, nehmen Plastik auf, können es aber nicht verstoffwechseln. Ergebnisse von Zellkulturexperimenten deuten darauf hin, dass Makrophagen in bestimmten Fällen vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren.

Erste Untersuchungen mit kleinen Patientenkohorten weisen darauf hin, dass bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder einer Leberfibrose mehr Mikroplastik in den betroffenen Organen zu finden ist als in gesundem Gewebe. Jedoch ist bisher nicht klar, ob dies die Ursache oder Folge der Gewebeschädigung darstellt. Um Fragen über die Zusammenhänge zwischen Mikroplastik und Krankheiten, wie CED oder der Leberfibrose zu klären, bedarf es weiterer Studien mit größeren Kollektiven.  

Belastung durch Mikroplastik verringern

Die DGVS-Mediensprecherin und Ärztliche Direktorin der GFO Kliniken Bonn Professor Dr. med. Birgit Terjung spricht sich aufgrund der möglichen Gesundheitsgefahren dafür aus, die Belastung durch Mikroplastik zum Schutz des Menschen und der Umwelt zu verringern und zusätzlich die Forschung in diesem Bereich auszuweiten. Sie rät, die oft unnötige Verwendung von Plastik zu beschränken, die Recyclingquote zu erhöhen und neue Materialien zu entwickeln, die für Mensch und Tier unschädlich sind. Hier seien Verbraucher und Verbraucherinnen sowie Politik und Industrie gefordert.

Autor:
Stand:
29.08.2024
Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Pressemeldung, 25. Juli 2024

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