Die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) ist eine Magen-Darm-Erkrankung, die für 10% der Todesfälle bei Neugeborenen verantwortlich ist und bei den Überlebenden das Risiko einer schweren Morbidität erhöht. In Beobachtungs- und präklinischen Studien wird häufig berichtet, dass sowohl eine Anämie als auch Erythrozytentransfusionen mit einem höheren Risiko für NEC verbunden sind. Zahlreiche randomisierte klinische Studien haben jedoch gezeigt, dass die Verabreichung von höheren Erythrozytenkonzentrationen an extrem niedriggewichtige Säuglinge (ELBW) nicht mit einem höheren Risiko für NEC verbunden ist. Aus diesem Grund wurde in einer Studie das NEC-Risiko während Risiko- und Kontrollzeiträumen in einer Kohorte von ELBW-Säuglingen verglichen.
Übersicht über die Transfusion of Prematures (TOP)-Studie
Basis der Post-hoc Analyse war eine Neuauswertung der Transfusion of Prematures (TOP)-Studie (NCT01702805). Die ursprüngliche Fragestellung der TOP-Studie war, ob höhere Hämoglobin-Grenzwerte für die Transfusion von ELBW-Säuglingen zu einer Verbesserung der Überlebensrate und der Rate der neurologischen Entwicklungsstörungen im Alter von 22 bis 26 Monaten führen. Sie rekrutierten 1.824 ELBW-Säuglinge, behielten Hämoglobinwerte von mindestens 7 g/dL bei und berichteten über keine signifikanten Unterschiede beim sekundären Ergebnis der NEC [1]. Diese Studie untersuchte jedoch nicht den zeitlichen Verlauf des Auftretens einer NEC nach einer Erythrozytentransfusion.
Sekundäranalyse der TOP-Studie
Der Beobachtungszeitraum der aktuellen Analyse begann am zehnten postnatalen Tag und dauerte bis zum 60. postnatalen Tag oder bis zum Auftreten von NEC oder Tod. Die Risikoperiode begann mit der Stunde der Transfusion und endete nach 72 Stunden oder beim Auftreten einer NEC. Dazwischen lagen die Kontrollperioden. Unter den 1.690 ELBW-Säuglingen, die nach dem zehnten postnatalen Tag als NEC-gefährdet galten, wurden auf diese Weise 4.947 Risikoperioden und 5.813 Kontrollperioden identifiziert.
NEC-Risiko während unterschiedlicher Zeiträume
Insgesamt entwickelten 133 ELBW-Säuglinge (7,9%) zwischen dem zehnten und 60. postnatalen Tag eine NEC im Stadium zwei oder drei. Dabei traten 59 dieser Ereignisse (44,4%) während der Risikoperiode und 74 Ereignisse (55,6%) während der Kontrollzeiträume auf. Damit zeigte sich ein NEC-Risiko von 11,9 pro 1.000 Posttransfusions-Risikoperioden und von 12,7 pro 1.000 Kontrollperioden. Die Ausgangssituation und die klinischen Merkmale der Säuglinge mit NEC während der Risikoperioden unterschieden sich nicht von denen der Säuglinge mit NEC während der Kontrollperioden.
Dreizehn zusätzliche NEC-Ereignisse traten nach dem Beobachtungszeitraum auf und 108 Todesfälle ereigneten sich während des Beobachtungszeitraums. Eine Unterteilung des Nachbeobachtungszeitraums in Zehn-Tages-Intervalle zeigte, dass das Risiko für eine NEC zwischen den postnatalen Tagen 20 und 39 bei niedrigen Hämoglobin-Grenzwerten am höchsten war. Während der postnatalen Tage 20 bis 29 war das Risiko, eine NEC zu entwickeln, in den Risikoperioden im Vergleich zu den Kontrollperioden signifikant erhöht. Während der Tage 30 bis 39 war der Unterschied nicht signifikant [2].
Fazit
Die Ergebnisse dieser Post-Hoc-Analyse deuten darauf hin, dass bei ELBW-Säuglingen mit den in der TOP-Studie vorkommenden Hämoglobinbereichen eine Erythrozytentransfusion zeitlich nicht mit einem höheren NEC-Risiko während der 72-stündigen Posttransfusions-Perioden verbunden war. Jedoch traten NEC-Fälle mit größerer Wahrscheinlichkeit während der Risikoperiode in der Gruppe mit dem niedrigeren Hämoglobin-Schwellenwert auf. Dieses Ergebnis zeigt, dass noch eingehendere Untersuchungen mit größeren Datensätzen notwendig sind.









