Neues zur Behandlung und Diagnose des Hepatitis-E-Virus

Eine Impfung gibt es nicht, offiziell zugelassene Medikamente fehlen bisher und über die Vermehrung des Virus ist nur wenig bekannt. Für das Paul-Ehrlich-Institut Gründe genug, um den molekularen Mechanismen der Hepatitis-E-Virus-Vermehrung näher auf den Grund zu gehen.

Hepatitis E

Bei der Hepatitis E kommt es zu einer Entzündung der Leber versucht durch das Hepatitis-E-Virus (HEV). Die Übertragung findet, je nach Genotyp, fäkal-oral oder durch bestimmte Tierarten statt. Die Inkubationszeit beträgt 15-60 Tage und die Symptome ähneln mit u. a. Fieber, Bauchschmerzen und Gelbsucht jenen einer akuten Hepatitis-A-Infektion. Schätzungen zufolge gibt es weltweit jährlich circa 15 bis 110 Millionen aktive Erkrankungen, die zu etwa 70.000 Todesfällen führen.

Prophylaxe und Therapie der Hepatitis-E

Anders als bei Hepatitis A und B gibt es gegen HEV keine zugelassene Impfung. Als Prophylaxe sind v. a. eine gute Trinkwasser- und Händehygiene sehr wichtig und der Kontakt zu infizierten Tieren bzw. der Verzehr von nicht vollständig durchgegartem Fleisch zu vermeiden [1]. Derzeit gibt es keine offiziell zugelassene Therapie für die akute oder chronische Hepatitis E. Die begrenzt vorhandenen Therapeutika sind nicht spezifisch, weisen starke Nebenwirkungen auf und können zu Resistenzen führen.

Risikogruppen und geographische Unterschiede

Zu den Risikogruppen gehören Patienten mit geschwächtem Immunsystem sowie schwangere Frauen. Im globalen Norden finden sich v. a. Immungeschwächte mit chronischer HEV, da in den nördlichen Regionen vorwiegend zoonotische bzw. durch Lebensmittel übertragene HEV-Stämme vorkommen. In den südlichen Regionen spielen v. a. die Stämme eine Rolle, die durch Trinkwasser übertragen werden. Dort infizieren sich v. a. Schwangere und erleiden nicht selten einen fulminanten Krankheitsverlauf mit Sterblichkeitsraten von bis zu 30%.

Paul-Ehrlich-Institut untersucht Vesikel und Proteine

Das Fehlen von spezifischen Therapeutika ist u. a. auf ein mangelhaftes Verständnis von großen Teilen des viralen Lebenszyklus zurückzuführen. Um bessere Wirkstoffe zu finden und Testmethoden zu optimieren, haben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts grundlegende Mechanismen der Vervielfältigung und der Freisetzung des HEV näher untersucht. So braucht das HEV für die Replikation der genetischen Information z. B. eine virale Replikase, deren Lokalisation bisher aber unbekannt war.

Neuer Ansatz für Diagnostik und Therapie gefunden

Die Forschergruppe um Dr. Mirco Glitscher in der Arbeitsgruppe von Prof. Eberhard Hildt, Leiter der Abteilung Virologie des Paul-Ehrlich-Instituts, konnten nun zeigen, dass sich die virale Replikase im Vesikelsystem der Zelle, v. a. in den sogenannten multivesikulären Körpern (multivesicular bodies, MVBs), anreichert [2,3]. Diese Strukturen bilden u. a. Exosomen und tragen auch zur Virusfreisetzung bei. Das Forschungsteam hat jetzt herausgefunden, dass die virale Replikase ebenfalls über Exosomen freigesetzt wird und damit auch Virusgenome in Abwesenheit von Viruspartikeln über diesen Weg freigesetzt werden können. Dies bedeutet auch, dass die Freisetzung des Virus und die Replikation der genetischen Information möglicherweise gekoppelt sind.

Die neuen Erkenntnisse können in Zukunft genutzt werden, um Medikamente zu entwickeln, die beide Vorgänge hemmen. Durch einen Angriff auf die Exosomen und die wichtigsten viralen Proteinstrukturen könnten Zellaustritt und Vermehrung effektiv unterbunden werden. In der Diagnostik wurde bisher außerdem eine Korrelation von Viruspartikelmenge und Virusgenomen angenommen. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass der Nachweis eines Genoms nicht automatisch bedeutet, dass auch Viruspartikel vorhanden sind [3].

Autor:
Stand:
12.03.2024
Quelle:
  1. Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Hepatitis E. Aufgerufen am 26.02.2024.
  2. Paul-Ehrlich-Institut, Pressemitteilung vom 01/2024: Das Hepatitis-E-Virus – Neue Erkenntnisse zur gezielten Behandlung und Diagnose
  3. Glitscher et al. (2024): The Protease Domain in HEV pORF1 Mediates the Replicase's Localization to Multivesicular Bodies and Its Exosomal Release. Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology, DOI: 10.1016/j.jcmgh.2024.01.001.
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