PAaM-Score zur Risikostratifizierung des HCC bei Leberzirrhose

Das hepatozelluläre Karzinom entwickelt sich häufig auf dem Boden einer Leberzirrhose. Der PAaM-Score wurde entwickelt, um eine präzisere Risikoeinschätzung zu ermöglichen und Screening-Empfehlungen zu optimieren.

Hepatozellulaeres Karzinom

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die häufigste Form von primärem Leberkrebs und eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen weltweit. Die Erkrankung entsteht überwiegend infolge einer Leberzirrhose, die durch virale Hepatitiden wie HBV und HCV, eine metabolisch-assoziierte Fettlebererkrankung (MASLD [Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease]) oder eine alkoholbedingte Leberschädigung (ALD) verursacht wird.

Internationale Fachgesellschaften empfehlen ein halbjährliches Ultraschall-Screening aller Zirrhose-Patienten zur Früherkennung des HCC. Dieser Ansatz ist jedoch ineffizient, da er Hochrisikopatienten nicht spezifisch genug erfasst und gleichzeitig Niedrigrisikopatienten unnötigen Untersuchungen aussetzt. Eine genauere Risikostratifizierung könnte helfen, Hochrisikopatienten gezielter zu überwachen und gleichzeitig die Screeningintervalle für Niedrigrisikopatienten anzupassen.

PAaM-Score: Integration von Biomarkern und klinischen Parametern

Der PAaM-Score (Prognostic Liver Secretome Signature with α-Fetoprotein plus Age, Male sex, Albumin-Bilirubin, and Platelets) wurde entwickelt, um das individuelle HCC-Risiko bei Patienten mit Leberzirrhose präziser zu bestimmen. Er kombiniert molekulare Biomarker mit klinischen Variablen und geht damit über bisherige klinische Risikomodelle hinaus. 

Der PAaM-Score wird anhand folgender Formel berechnet: PAaM = 0,941 × PLSec-AFP + 0,052 × aMAP. Ziel der Entwicklung war es, eine genauere Risikostratifizierung zu ermöglichen, um Hochrisikopatienten intensiver zu überwachen und unnötige Untersuchungen bei Patienten mit niedrigem Risiko zu vermeiden.

Ableitung und Validierung des PAaM-Scores

Die Entwicklung des PAaM-Scores basierte auf der Analyse bestehender HCC-Risikomodelle. Dabei zeigte der aMAP-Score, der Alter, Geschlecht, Albumin-Bilirubin-Wert und Thrombozytenzahl berücksichtigt, die höchste prognostische Aussagekraft. Durch Kombination mit der prognostischen Leber-Sekretom-Signatur und dem Alpha-Fetoprotein (PLSec-AFP) wurde PAaM abgeleitet und anschließend in zwei großen prospektiven Kohorten validiert.

Die Validierung erfolgte im Texas Hepatocellular Carcinoma Consortium (THCCC) mit 2.156 Patienten und in der HCC Early Detection Strategy (HEDS) Kohorte mit 1.328 Patienten. In beiden Kohorten wurden die Patienten anhand ihres PAaM-Scores in drei Risikogruppen eingeteilt. Patienten mit einem hohen PAaM-Wert hatten eine jährliche HCC-Inzidenz von über 5 %, während die Inzidenz in der Gruppe mit mittlerem Risiko zwischen 1 und 5 % lag. Patienten mit niedrigem Risiko hatten eine Inzidenz von weniger als 1 %. Die Analyse zeigte, dass der PAaM-Score zuverlässig zwischen Hoch- und Niedrigrisikopatienten differenzieren konnte.

Ergebnisse der Validierung

Die Analyse der THCCC-Kohorte ergab, dass 19 % der Patienten ein hohes Risiko für die Entwicklung eines HCC mit einer jährlichen Inzidenz von 5,3 % aufwiesen. Die Gruppe mit mittlerem Risiko umfasste 42 % der Patienten mit einer Inzidenz von 2,7 %, während 39 % der Patienten als Gruppe mit niedrigem Risiko eingestuft wurden, mit einer sehr niedrigen jährlichen Inzidenz von 0,6 %. In der HEDS-Kohorte waren die Ergebnisse vergleichbar. Hier betrug die jährliche HCC-Inzidenz 6,2 % in der Hochrisikogruppe, 1,8 % in der intermediären Gruppe und 0,8 % in der Niedrigrisikogruppe.

Die Subgruppenanalyse bestätigte, dass der PAaM-Score in nahezu allen untersuchten Patientengruppen zuverlässig zwischen Hoch- und Niedrigrisikopatienten differenzierte. Besonders deutliche Unterschiede zeigten sich bei jüngeren Patienten, Patienten hispanischer Herkunft und bei Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose. Bei afroamerikanischen Patienten war die Vorhersagekraft etwas geringer, aber immer noch statistisch signifikant.

Klinische Relevanz: Individualisierte HCC-Überwachung

Die Einführung des PAaM-Scores könnte einen bedeutenden Fortschritt in der personalisierten Früherkennung des HCC darstellen. Durch die Kombination molekularer und klinischer Parameter ermöglicht das Modell eine differenzierte Risikostratifizierung, die eine gezielte Überwachung von Hochrisikopatienten erlaubt und gleichzeitig Niedrigrisikopatienten vor unnötigen Untersuchungen schützt. Dies könnte langfristig nicht nur die Effizienz der HCC-Früherkennung verbessern, sondern auch die Prognose der Patienten durch eine frühere Diagnose und gezielte therapeutische Maßnahmen optimieren.

Bevor der PAaM-Score jedoch in die klinische Praxis integriert werden kann, sind weitere Validierungsstudien erforderlich, insbesondere bei bisher unterrepräsentierten Populationen wie HBV-positiven und asiatischen Patienten. Langfristig könnte ein individualisiertes Screening auf Basis des PAaM-Scores dazu beitragen, die HCC-Mortalität zu senken und die Versorgung von Patienten mit Leberzirrhose entscheidend zu verbessern.

Autor:
Stand:
27.03.2025
Quelle:

Fujiwara et al. (2025): Phase 3 Validation of PAaM for Hepatocellular Carcinoma Risk Stratification in Cirrhosis. Gastroenterology, DOI: 10.1053/j.gastro.2024.10.035

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