Reizdarm: Ernährung und pharmakologische Therapien

Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) wird eine Kombination aus diätetischen Ratschlägen und medizinischen Behandlungen empfohlen. In Studien wurde jedoch bis vor kurzem noch nicht die Wirksamkeit einer diätetischen Behandlung im Vergleich zu einer pharmakologischen Therapie untersucht.

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist eine Störung der Interaktion zwischen Darm und Gehirn, von der etwa 4% der Erwachsenen betroffen sind. Es ist gekennzeichnet durch chronische oder wiederkehrende Bauchschmerzen in Verbindung mit abnormen Darmgewohnheiten bei normalen klinischen Routinetests und Untersuchungen. Die meisten Patienten mit IBS berichten, dass die Symptome durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel ausgelöst werden können. Daher werden Ernährungsumstellungen zusammen mit anderen Anpassungen der Lebensweise häufig als erste Wahl bei der Behandlung empfohlen.

Ernährung und pharmakologische Ansätze bei Reizdarm

Zu diesen Empfehlungen gehören die regelmäßige Einnahme von Mahlzeiten, Zeit nehmen zum Essen sowie die Einschränkung des Konsums von Kaffee, Tee, kohlensäurehaltigen Getränken, Alkohol und Vollkornprodukten. Bei Patienten, bei denen diese Ernährungsänderungen keine ausreichende Linderung der Symptome bewirken, kann ein restriktiverer Ernährungsansatz, die sogenannte FODMAP-Diät (FODMAP: Low Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides, and Polyols), angewandt werden. Die FODMAP-Diät schränkt die Aufnahme kurzkettiger, schlecht verdaulicher und osmotisch aktiver Kohlenhydrate ein und verringert so die Zufuhr von fermentierbaren Substraten und Wasser in den Dickdarm. Aufgrund der Heterogenität der Symptome beim IBS wird außerdem oft eine pharmakologische Behandlung empfohlen, die auf das jeweils vorherrschende Problem (z. B. Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall) abzielt.

Studie untersucht Effektivität unterschiedlicher Behandlungsansätze

Um die Effektivität dieser Ansätze näher zu untersuchen, wurde in Schweden eine monozentrische, einfach verblindete, randomisierte, kontrollierte Studie mit 294 Teilnehmern durchgeführt, die drei verschiedene Behandlungsansätze untersuchte: eine Kombination aus zwei derzeit empfohlenen Ernährungsstrategien, der FODMAP-Diät und der traditionellen IBS-Diät („LFTD-Diät“), einer kohlenhydratarmen, protein- und fettreichen Diät mit optimierter Ballaststoffzufuhr („kohlenhydratarme Diät“) und einer pharmakologischen Behandlung auf der Grundlage des vorherrschenden gastrointestinalen Symptoms. Die Studie umfasste eine zehntägige Screening-, eine vierwöchige Interventions- und eine sechsmonatige Nachuntersuchungsphase. Primärer Endpunkt war der Anteil der Teilnehmer, die nach vier Wochen auf die Behandlung ansprachen, gemessen als Verringerung des IBS Severity Scoring System (IBS-SSS) von 50 oder mehr im Vergleich zum Ausgangswert.

Ernährungsumstellung der pharmakologischen Intervention überlegen

Nach vier Wochen hatten 76% der Teilnehmer in der LFTD-Diät-Gruppe, 71% der Teilnehmer in der Gruppe mit kohlenhydratarmer Ernährung und 58% der Teilnehmer in der Gruppe mit optimierter medizinischer Behandlung eine Verringerung des IBS-SSS um 50 oder mehr erreicht. Die mittlere Veränderung des IBS-SSS war dabei bei der LFTD-Diät (-149; p<0,0001) und der kohlenhydratarmen Diät (-128; p=0,0004) signifikant größer als bei der optimierten medizinischen Behandlung (-76). Nach vier Wochen zeigten Vergleiche zwischen den Gruppen signifikante Unterschiede in Bezug auf Schmerzstärke, Schmerzhäufigkeit, Schweregrad der Blähungen und Beeinträchtigung des täglichen Lebens, jedoch nicht in Bezug auf die Unzufriedenheit mit den Stuhlgewohnheiten. Die Stuhlkonsistenz verbesserte sich von der Ausgangslage bis Woche vier mit beiden Diäten signifikant, jedoch nicht mit der optimierten medizinischen Behandlung.

Die LFTD-Diät reduzierte vor allem die Häufigkeit von lockerem Stuhlgang, während die kohlenhydratarme Diät die Häufigkeit von hartem Stuhlgang reduzierte. Dabei gaben 53% der Teilnehmer der LFTD-Diätgruppe und 49% der Teilnehmer der kohlenhydratarmen Diätgruppe an, sich vollständig an die Diät gehalten zu haben. Darüber hinaus verringerten alle drei Interventionen die Gesamtzahl der Symptome auf der Gastrointestinal Symptom Rating Scale-IBS (GSRS-IBS) und verbesserten die Lebensqualität signifikant. Nach sechs Monaten waren Teilnehmer beider Diätgruppen teilweise zu ihrer ursprünglichen Ernährung zurückgekehrt und der IBS-SSS hatte sich in allen Gruppen im Vergleich zu Woche vier wieder etwas erhöht.

Fazit

Zwei vierwöchige diätetische Interventionen und eine optimierte medikamentöse Behandlung verringerten den Schweregrad der IBS-Symptome, wobei der Effekt in den Diätgruppen größer war. Diätetische Interventionen könnten damit als vielversprechende Behandlungsstrategie für Patienten mit IBS in Betracht gezogen werden.

Autor:
Stand:
02.07.2024
Quelle:

Nybacka et al. (2024): A low FODMAP diet plus traditional dietary advice versus a low-carbohydrate diet versus pharmacological treatment in irritable bowel syndrome (CARIBS): a single-centre, single-blind, randomised controlled trial. The Lancet. Gastroenterology & Hepatology, DOI: 10.1016/S2468-1253(24)00045-1.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden