Viszeralmedizin 2023: Prähabilitation bei Leberzirrhose

Viele Aspekte der Leberzirrhose führen zusammen mit Altern und Komorbiditäten zu zunehmenden funktionellen Einschränkungen. Die Immobilität wächst und so schreitet der Fitnessabbau bei Patienten immer weiter voran – ein Teufelskreis.

Älterer Herr Pfleger

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist zumindest bei Patienten mit stabiler Leberzirrhose möglich, glaubt Privatdozent Dr. Christian Labenz, Ärztlicher Leiter des Cirrhose Centrums Mainz der Universitätsmedizin Mainz [1]. Je nach Frailty-Test sind bis zu 30% der Patienten mit Lebererkrankungen im Endstadium frail (gebrechlich), sagte er. Bei einem akuten Ereignis fehle ihnen dann die physiologische Reserve, um sich noch einmal erholen zu können.

Konsequenzen der Frailty

Eine Frailty ist laut Labenz im Vergleich zu Patienten ohne Frailty mit einem doppelt so hohen Risiko assoziiert, auf der Warteliste für eine Lebertransplantation zu versterben, und nach einer stationären Behandlung zu versterben. Bei funktionell eingeschränkten Patienten treten auch mehr Zirrhose-assoziierte Komplikationen auf wie hepatische Enzephalopathie oder hepatorenales Syndrom (HRS).

Das verschlechtert die Lebensqualität gegenüber fitteren Patienten deutlich. Ist eine Lebertransplantation möglich, versterben Patienten mit Frailty dabei häufiger, die Erholung verläuft schlechter und es kommt vermehrt zu Rehospitalisierungen. Es gibt aber ein Gegenmittel: Die Prähabilitation von Patienten mit Leberzirrhose.

Prähabilitation bei Leberzirrhose

Zur Prähabilitation gehören laut Labenz die Identifikation und Messung der Frailty, der Muskelaufbau und das Wiedergewinnen von Funktionalität, eine Frage auch der Patientenmotivation. Eine bloße Einschätzung erfasst Frailty oft nicht präzise. Für eine differenziertere Beurteilung sind die Handkraftmessung mittels Hand-Dynamometer, das wiederholte schnelle Aufstehen vom Stuhl sowie spezifische Gleichgewichtstests im Stehen, bei denen die Füße in verschiedenen Positionen stehen, aussagekräftiger. Bei den Gleichgewichtstests ist es wichtig, den Patienten zu stützen.

Im Internet steht ein Liver Frailty Index zur Verfügung, der aus diesen einfachen Tests einen Frailty-Wert errechnet. Die höchste Genauigkeit in der Detektion von Frailty wird erreicht, wenn persönlicher Eindruck und Frailty-Index gleichermaßen berücksichtigt werden, erläuterte Labenz.

Ernährung bei Frailty

Die Behandlung bei Frailty fußt auf drei Säulen:

  • Ernährung
  • Fitnesstraining
  • Management von Zirrhosekomplikationen

Bei dekompensierter Leberzirrhose heißt es: Viel essen. Faustregel sind 35 bis 40 kcal pro kg Körpergewicht und 1 bis 1,5 g Protein pro kg Körpergewicht, am besten überwiegend aus Milchprodukten und pflanzliche Quellen. Für eine Person mit 80 kg Körpergewicht sind das 2.800 kcal und ca. 100 g Protein pro Tag, rechnete Labenz vor – eine ganze Menge.

Am besten sollten pro Tag sechs bis acht Mahlzeiten mit gemischten Nährstoffen eingenommen werden. Besonders wichtig sei ein Late-Night-Snack, empfahl Labenz. Nach nächtlichem Fasten entspricht das metabolische Profil eines Patienten mit Leberzirrhose dem Profil einer gesunden Person nach dreitägigem Hungern. Als Ziel nannte Labenz die Aufnahme von 200 kcal in Form von Reis, als Shake oder durch einen griechischen Joghurt mit Nüssen. Praktikabel sei auch, beim Kochen am Tag etwas mehr zuzubereiten und einen Teil davon für den Mitternachtssnack aufzuheben.

Training bei Zirrhose – ein schwieriges Thema

Die diätetischen Maßnahmen sollten begleitet werden von körperlicher Aktivität, idealerweise einem aeroben Training (z.B. Radeln, Wandern, Joggen), einem Widerstandstraining (z.B. Hanteltraining) und Übungen für Balance und Kraft. Ziel ist die Stärkung der kardiopulmonalen Ausdauer, der Muskelmasse und Muskelkraft und der Fitness für Aktivitäten des täglichen Lebens.

Die Motivation zu einem umfangreichen Fitnesstraining ist aber schon bei sich wenig bewegenden Gesunden schwer. Bei Menschen mit Leberzirrhose s die Herausforderung noch größer. Labenz empfiehlt, schrittweise vorzugehen und erst einmal mit einfachen Übungen mit dem Theraband und täglichem Spazierengehen zu beginnen. Wenn das in den Alltag integriert werden kann, kann eine Intensivierung der Übungen diskutiert werden. 

Autor:
Stand:
25.09.2023
Quelle:

PD Dr. Christian Labenz: „Frailty vorbeugen, erkennen und behandeln“, 14. September 2023. Viszeralmedizin 2023; Hamburg, 11. – 16. September 2023.

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